Neoliberalismus in der politischen Landschaft früher und heute
Neoliberalismus in der politischen Landschaft früher und heute © Bartlomiej Stroinski / freeimages.com

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Ein Gespenst geht um in der Welt | Teil 2 von 2

Teil 2/2 | "Ein Gespenst geht um in der Welt" handelt vom Neoliberalismus, der in der Nachkriegszeit nach und nach mehr Zulauf erhält. Bis 2008 breiten sich die Ideen des Neoliberalismus stark aus, doch mit der Finanzkrise wird die Strömung infrage gestellt.

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Egal welche politische Einstellung die Menschen haben, dass Neoliberalismus nichts Positives ist, scheinen alle zu denken. Denn selten wird der Begriff in einem positiven Kontext verwendet und dient meist nur dazu, Missstände darzustellen. Neoliberalismus scheint sich zu einem Wort des Kampfes entwickelt zu haben.

Doch dieses Bild des Neoliberalismus herrschte nicht immer. 1938, kurze Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, nutzten Anwesende des Walter Lippmann-Kolloquiums in Paris den Begriff Neoliberale als Eigenbezeichnung mit positiver Konnotation. Zu jener Zeit gab es nämlich viele totalitäre Systeme wie den Kommunismus und den Faschismus, die liberale Ideen oft unterbanden. Die Bewegung blieb viele Jahrzehnte ein gesellschaftliches Randphänomen, entwickelte verschiedene Strömungen und trotzdem bauten Vertreter der Bewegung weiterhin Netzwerke auf, um sich zu verbinden. Diese Netzwerke kamen dem Einfluss des Neoliberalismus in späteren Jahren in der Politik, Wissenschaft und Publizistik zugute.

Neoliberalismus konkret zu definieren wurde mit der Zeit zunehmend schwerer. In den 1970er-Jahren erfuhr die Welt eine Zäsur und die Inflation und Arbeitslosigkeit in den kapitalistischen westlichen Ländern stieg, während zur selben Zeit immer mehr Menschen "an den wirtschaftspolitischen Konzepten des sozialstaatsfreundlichen Keynesianismus" zweifelten. 1973 erhielten Ökonomen des Neoliberalismus die Möglichkeit, in Chile einen radikal liberalen Markt zu schaffen. 1979 wurde Margaret Thatcher die erste Premierministerin Großbritanniens, und im selben Jahr wurde Ronald Reagan Präsident der Vereinigten Staaten. Der angelsächsische Neoliberalismus wurde dadurch auch bedeutender.

Um der Verschuldung des Staates und der Inflation entgegenzuwirken, wollten die Neoliberalen Staatseigentum privatisieren, Märkte liberalisieren und die Macht von Gewerkschaften einschränken. Nach kurzer Zeit drang diese Philosophie zu Politik, Medien, Universitäten und Wirtschaftsforschungsinstituten durch.

Die weltweite Finanzkrise 2008 warf das Bild des Neoliberalismus allerdings durcheinander und so kam auch bei der diesjährigen Bundestagswahl die Frage auf, ob der Sozialliberalismus zurückkehrt.

"Ein Gespenst geht um in der Welt" im Überblick

Ein Gespenst geht um in der Welt

von Kristin Langen

Sendezeit Mi, 29.12.2021 | 19:30 - 20:00 Uhr
Sendung Deutschlandfunk Kultur "Zeitfragen Feature - Wirtschaft und Umwelt"
Radiosendung

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