Obwohl der schwarze Stallknecht Henry Johnson den kleinen Jimmie aus dem Feuer rettet, wird er durch seine Verbrennungen nur noch als Monster betrachtet
Obwohl der schwarze Stallknecht Henry Johnson den kleinen Jimmie aus dem Feuer rettet, wird er durch seine Verbrennungen nur noch als Monster betrachtet © Ahmed Ali / freeimages.com

LiteraturLesung

Das Monstrum von Stephen Crane | Teil 1 von 9

Teil 1/9 | "Das Monstrum" beschreibt den Konflikt zwischen dem Gebot der Nächstenliebe und dem Verbot des Tötens. Ein Arzt muss entscheiden, ob er ein Leben rettet oder tötet. Die Geschichte zeigt, wie die unmenschliche Umwelt einen schwarzen Helden zum "Monster" macht, der gemieden und ausgegrenzt wird.

Die Erzählung "Das Monstrum" ist ein Werk aus dem Jahr 1898, das sich mit einem grundlegend christlichen und menschlichen Problem befasst, nämlich einer bedrückenden Beschreibung eines dramatischen Unfalls.

In dieser Geschichte scheinen zwei göttliche Gebote in unlösbarem Konflikt zueinander zu stehen: Einerseits steht das Gebot der Nächstenliebe im Raum, andererseits aber auch jenes von "Du sollst nicht töten". Für den Protagonisten Dr. Trescott bedeutet dies jedoch nur eins: Leben erhalten um jeden Preis! Die scheinbaren Gegensätze entstehen hierbei weniger durch die Ereignisse selbst als vielmehr aus seiner unmenschlichen Umgebung heraus.

Als bei Dr. Trescott zu Hause Feuer ausbricht, wird Henry Johnson zum Helden, indem er Trescotts Sohn, Jimmie, aus dem brennenden Haus rettet. Doch währenddessen erleidet er durch das Feuer schwere Verbrennungen am Körper, welche ihn entstellen. Seitdem gilt Johnson bei allen plötzlich nur als "Monster". Es gibt niemand mehr, der sein Freund sein möchte oder gar Kontakt pflegen will. Selbst Dr. Trescott gerät, wegen seiner Dankbarkeit zu Henry, zunehmend unter Druck, weil er zu ihm hält.

Zum Autor

Stephen Crane wurde 1871 in Newark, New Jersey geboren und war der Sohn eines Methodistenpastors. Leider verstarb er bereits im Jahr 1900 an Schwindsucht, während seines Aufenthalts in Badenweiler. Der Autor hat Romane und Erzählungen geschrieben, welche ihn als ersten realistischen Darsteller der vielfachen Not im Alltagsleben auszeichneten, insbesondere, die des kleinen Mannes im Pionierland Amerika. Als Waise hatte Stephen Crane selbst mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Seine Erfahrungen sammelte er auch als Kriegsberichterstatter sowohl in Kuba als auch Griechenland. Aufgrund seiner Abneigung gegenüber dem Pietismus floh er schließlich nach England, wo er sich unter anderem mit Joseph Conrad anfreundete. Ernest Hemingway zufolge lernte dieser viel von Stephen Cranes Arbeit und Talent für das Schreiben literarischer Werke.

"Das Monstrum von Stephen Crane" im Überblick

Das Monstrum von Stephen Crane

von Stephen Crane

Mit Christian Brückner

Produktion: 1979

Sendezeit Di, 17.10.2023 | 14:00 - 14:30 Uhr
Sendung MDR KULTUR "Die Klassikerlesung"
Radiosendung