
Hörspiel
"Dazwischen" - Kurzhörspiele von Studierenden des Max Reinhardt Seminars
Einst schrieb Hannah Arendt über das Phänomen, dass die Welt als unsichtbare Brücke und Barriere zwischen Menschen fungiert. Diese Zwischenräume könnten sowohl Nähe schaffen als auch Distanz bewirken. Zwischen zwei Personen entfaltet sich manchmal ein ganzes Universum. Und zwischen einem inneren Gedanken und dessen Äußerung kann ein entscheidender Moment auftauchen, der alles verändert.
Das Hörspiel "Dazwischen" versammelt eine Reihe von kurzen Stücken, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit diesen Zwischenräumen auseinandersetzen. Studierende des Max Reinhardt Seminars erkundeten gemeinsam mit der Regisseurin und Lektorin Alice Elstner Situationen, in denen sie selbst zwischen verschiedenen Zuständen oder Orten gefangen waren. Aus diesen persönlichen Erfahrungen heraus entstanden individuelle Hörstücke.
Diese Erzählungen beschreiben Szenarien wie das Verweilen in einem Wartezimmer, das nächtliche Autofahren und das Warten auf einen Rückflug im Flughafenhotel – all diese Orte liegen irgendwo zwischen Vertrautem und Fremdem. Sie schildern auch den schwebenden Zustand zwischen Wachsein und Schlaf, die Übergänge zwischen Leben und Tod, den Augenblick vor einer wichtigen Entscheidung, das Pendeln zwischen einem strukturierten, erwachsenen Selbst und kindlich, impulsiven Zuständen, sowie den Moment, in dem sich Wahrnehmung verändert und die Realität unsicher wird. Das Vergangene ist oft nur bruchstückhaft fassbar und bewegt sich in einem Raum zwischen Bewusstsein, Erinnerung und Vergessen.
Trotz ihrer Verschiedenheit eint die Hörstücke eine zentrale Frage: Was genau befindet sich im Zwischenraum? Denn dieses Dazwischen ist schwer fassbar und verweist immer auf etwas anderes. Möglicherweise sind wir gerade deshalb ständig darin gefangen: zwischen Menschen und Orten, zwischen getroffenen Entscheidungen und offenen Möglichkeiten, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen dem Geteilten und dem Verschwiegenen.
Die Hörstücke motivieren dazu, genauer hinzuhören: auf die stillen Momente, die Verschiebungen unserer Wahrnehmung und die Brüche, die sich einer klaren Antwort entziehen. Denn bedeutende Dinge liegen oft nicht an den Extrempunkten, sondern genau im Zentrum des Zwischenraums. Wie es Hannah Arendt ausdrückte: Dieses ungreifbare Dazwischen ist genauso real wie die greifbare Welt um uns herum, ein feines Netz zwischenmenschlicher Beziehungen und Angelegenheiten.
""Dazwischen" - Kurzhörspiele von Studierenden des Max Reinhardt Seminars" im Überblick
"Dazwischen" - Kurzhörspiele von Studierenden des Max Reinhardt Seminars
von Alice Elstner, Studierenden des Max Reinhardt Seminars
Mit Diyar Agit, Vincent Busche, Florian Klingler, Felix Künzli, Antonie Lawrenz, Jan-Henri Müller, Arshia Pakdel, Elena Pfeiler
Produktion: 2026
| Sendezeit | Sa, 31.10.2026 | 14:00 - 15:00 Uhr |
| Sendung | Ö1 "Hörspiel" |