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"Dear alter Ego", ein Werk über den Filme
"Dear alter Ego", ein Werk über den Filme © Jean-Luc ST-Hilaire / freeimages.com

HörspielKlangkunst

"Dear alter Ego" von U. Haage und M. Deren

Maya Deren, Filmtheoretikerin und -pionierin, erforscht das Medium Film und dreht mit wenig Budget Filme. Sie gilt als Meilenstein des Experimentalfilms.

Maya Deren, eine Vorreiterin der Filmtheorie und -kunst beschreibt ihren Antrieb als die Erkundung des Mediums Films und weniger ein vorgefasstes Ziel zu erreichen. Als Studentin für Literatur im New York der 40er-Jahre entdeckte sie ihre Liebe zum jungen Medium Film und begann bald darauf, mit wenig Budget Filme zu drehen, zu schreiben und zu produzieren. Diese Meilensteine des Experimentalfilms sind bis heute bekannt.

Künstler wie André Breton, Marcel Duchamp, John Cage sowie Anaïs Nin gehörten zu ihrem Bekanntenkreis und wurden von ihr persönlich gecastet: "Sei morgen früh um sieben am Central Park Eingang 59. Straße. Wir müssen den Dreh durchführen, bevor die Menschen in Strömen kommen. Nimm dir ein Taxi Anäis; ich zahle es."

Im Jahr 1943 realisierte Maya Deren zusammen mit ihrem damaligen Mann Alexander Hammid den Kurzfilm "Meshes of the Afternoon", welcher ihr Durchbruch wurde. Deren spielte darin selbst die Hauptrolle in betörender Präsenz auf der Leinwand. Sie gewann damit als erste Frau aus Amerika bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Grand Prix International für einen experimentellen 16-mm-Film. Es folgten weitere ihrer Werke wie At Land, The private Life of a Cat oder A Study in Choreography for Camera u.a.

Deren erforscht die künstlerischen Räume durch ihre Linse und beschäftigt sich mit der Poetik des Mediums Film, abseits von traditionellen Erzählungen. Sie glaubt daran, dass ein wirklich kreatives Kunstwerk eine neue Realität schaffen sollte und als Erfahrung an sich betrachtet werden kann – im Gegensatz zu bloßen Beschreibungsversuchen. Im Jahr 1947 verbrachte sie acht Monate in Haiti, begleitet von ihren 18 Gepäckstücken voller Filmausrüstung wie Kameras, Stativen sowie Equipment für Tonaufnahmen und Standfotografie. Während ihrer Reisen drehte Deren viele Stunden an Filmmaterial über Voodoo-Rituale in Haiti - sogar selbst nahm sie aktiv an den Zeremonien teil - was ihr Expertise auf diesem Gebiet verschaffte.

Ihr Buch "Divine Horsemen: The Living Gods of Haiti" (1953) wird bis heute als eines der wichtigsten Werke zum Thema angesehen. Bekannt für ihre Vielseitigkeit, Willenskraft und Persönlichkeit wurde Deren oft gelobt. Anäis Nin bezeichnete ihr Gesicht gar als "eckig", aber ähnlich schön, wie das einer Botticelli-Malerei! Noch beeindruckender war jedoch immer wieder die entschiedene Stimme dieser Künstlerin: Eine Frau, welche mühelos zwischen Dichtung, Tanz-und Filmform wechseln konnte oder diese Formen kombinierte. Und doch zweifelte auch Deren manchmal an ihrem Können, deshalb suchte sie Halt bei Tagebuchaufzeichnungen oder Briefwechseln mit Ihrem Alter Ego.

Ulrike Haage, eine talentierte Musikerin und Hörspielmacherin aus Berlin, hat sich Maya Deren auf besondere Weise angenähert. Sie studierte Aufzeichnungen wie Briefe oder Essays sowie Interviews der Künstlerin intensiv. Dabei fielen ihr besonders die Gedichte und Tagebuchnotizen von Deren auf, welche einen starken Wunsch nach Freiheit und körperlichem Ausdruck außerhalb jeglicher Norm zeigten - ein inspirierender Aspekt für jede Künstlerpersönlichkeit.

Zum Autor

Im Jahr 2003 erhielt die Musikerin, Komponistin und Hörspielmacherin Ulrike Haage, Jahrgang 1957, als erste Frau den Deutschen Jazzpreis (Albert Mangelsdorff Preis) in Anerkennung ihres bisherigen Lebenswerkes an der Schnittstelle zwischen Popmusik-Kunst-Avantgarde-Szene. Für ihr Gesamtwerk im Bereich des Hörspiels wurde sie 2022 mit dem Günter-Eich-Preis ausgezeichnet. Unter ihren zahlreichen Werken finden sich auch Produktion wie "Exakte Vision" (gemeinsam mit Ulrike Voswinckel), das Stück "dingfestmachen", welches auf Aufzeichnungen von Louise Bourgeois basiert (2003) oder aber auch das Drama "Die Stille hinter den Worten". Ebenso ist zu erwähnen: Ihre zwölf Miniaturen über Eva Hesse unter dem Titel "alles aber anders".

""Dear alter Ego" von U. Haage und M. Deren" im Überblick

"Dear alter Ego" von U. Haage und M. Deren

von U. Haage, M. Deren

Produktion: 2023

Sendezeit Fr, 29.09.2023 | 20:05 - 22:00 Uhr
Sendung Bayern 2 "Hörspiel"
Radiosendung