
Hörspiel
Die verlorenen Söhne von Robert Schoen
Am 9. März 1918 zählt Buhamad Azau ben Ali bis zehn. Dieses Ereignis wurde im Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin auf einer Schellackplatte mit der Kennung PK 1229 festgehalten.
Aufgenommen wurde dies im sogenannten Halbmondlager nahe Wünsdorf in der malerischen brandenburgischen Heide, südlich der Hauptstadt Berlin gelegen. In dieser Einrichtung sollten muslimische Gefangene aus verschiedenen Ländern einer ideologischen Umerziehung unterzogen werden, um im Verbund mit der deutsch-türkischen Allianz als dschihadistische Kämpfer den Ersten Weltkrieg zugunsten des Deutschen Kaiserreichs zu beeinflussen. Der Mann an den technischen Geräten war der Sprachforscher Wilhelm Doegen, dessen Interesse nicht den politischen Machthabern oder historischen Entwicklungen galt. Für ihn war einzig der Kriegskaiser relevant, da er die finanziellen Mittel für Doegens ehrgeiziges Vorhaben bereitstellte: den Stimmen des vielfältigen Weltgeschehens im märkischen Sand der Nachwelt Gehör zu verschaffen, indem er sie auf Walzen konservierte und auf Platten verewigte.
Zum Autor
Robert Schoen wurde 1966 in Berlin geboren und führte seitdem ein Amateur-Leben als Schulabsolvent (mit Mühe), Kaufmannslehrling (abgeschlossen), Studienabbrecher sowie Volontär-Absolvent und lebt seine Liebe zur Hörspielkunst aus. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet er klassisch und krepuskular im Radio, zunächst mit einem Vierspur-Kassettengerät Tascam 414 MK2. Sein erstes Hörspiel war eine O-Ton-Collage über Deutschland (ungesendet = zu Recht). Derzeit bastelt er vorwiegend in seiner Kalmäuserklause an diesem oder jenem Werk herum.
"Die verlorenen Söhne von Robert Schoen" im Überblick
Die verlorenen Söhne von Robert Schoen
von Robert Schoen
Mit Lorenz Eberle, Bernd Pompina-Marschall, Wilhelm Doegen, Max Myron, Karl Heinrich, Paul Bousquet, Bernard Bilhès
Produktion: 2017
| Sendezeit | Di, 17.11.2026 | 20:05 - 21:00 Uhr |
| Sendung | Deutschlandfunk "Hörspiel" |