
Hörspiel
"Fegefeuer in Ingolstadt" von Marie-Luise Fleißer
Die Schriftstellerin erwähnte, dass ihr erstes Theaterstück, das ursprünglich den Titel "Die Fußwaschung" trug, aus der Kollision ihrer katholischen Klostererziehung – sechs Jahre verbrachte sie bei den Englischen Fräulein in Regensburg – und der Auseinandersetzung mit Feuchtwangers Einflüssen sowie Brechts Arbeiten hervorging. Diese Elemente passten nämlich nicht zueinander. Brecht etablierte eine Verbindung zur Berliner Theaterszene, wodurch im April 1926 das Werk unter dem geänderten Titel "Fegefeuer in Ingolstadt" bei der Jungen Bühne unter der Leitung von Paul Bildt uraufgeführt wurde. Erst 1971 erschien eine überarbeitete Version wieder auf deutschen Bühnen.
In der dramatischen Darstellung dieser Adoleszenz-Katastrophe werden nicht Einzelschicksale psychologisch beleuchtet, sondern gesellschaftliche Modellkonflikte inszeniert. Eine Schülergruppe manifestiert in variierenden Rollen Feindseligkeit und Aggressionen. Die Außenseiter Olga und Roelle erdulden am meisten Grausamkeiten und Unterdrückung, beteiligen sich allerdings am intensivsten, wenn die Attacken auf andere gerichtet sind. Marieluise Fleißer bezeichnete "Fegefeuer in Ingolstadt" als eine Analyse des Rudelverhaltens und des Außenseitertums. Geschrieben wurde es um die Wirrungen des Heranwachsens, voller provinzieller Beschränktheit und durch repressiv-katholische Vorstellungen geprägt; die Charaktere kämpften darum, sich von ihren einschränkenden Fesseln zu befreien.
""Fegefeuer in Ingolstadt" von Marie-Luise Fleißer" im Überblick
"Fegefeuer in Ingolstadt" von Marie-Luise Fleißer
von Marie-Luise Fleißer
Mit Jens Harzer, Dorothee Hartinger, Barbara Bauer, Florian Fischer, Harry Täschner
Produktion: 2001
| Sendezeit | So, 22.11.2026 | 15:05 - 17:00 Uhr |
| Sendung | Bayern 2 "Hörspiel" |