
Hörspiel
"Glenns Listen" von Philipp Blom
Er wird und wurde als der Inbegriff eines komplexen Musikers angesehen: Von inneren Antrieben getrieben und von Obsessionen geleitet, brillant und ohne Kompromisse, zugleich aber auch von Neurosen geplagt und exzentrisch, scheute er den Kontakt zu anderen Menschen.
Schon mit 32 Jahren entschied er, nicht mehr vor Publikum zu spielen. Die ständigen Reisen wurden ihm lästig, und er entwickelte eine wachsende Abneigung gegen das Musikgeschäft. Seine hohen Qualitätsansprüche konnten nur noch im Studio befriedigt werden, indem zahlreiche Aufnahmen, genannt "Takes", von seinem Tontechniker zusammengestellt wurden, um jene Tonträger zu schaffen, die heute als bahnbrechend und historisch relevant gelten. Glenn Goulds Interpretationen von Johann Sebastian Bachs "Goldbergvariationen" und sein unkonventioneller Umgang mit Mozarts Werken sicherten ihm einen festen Platz in der Musikgeschichte. Dabei summte er gelegentlich bei seinem Klavierspiel mit. Kurz nach seinem 50. Geburtstag am 4. Oktober 1982 erlag der kanadische Pianist, Organist und Musikwissenschaftler Glenn Gould in Ontario den Folgen eines Schlaganfalls.
Philipp Blom, ein in Wien ansässiger deutscher Schriftsteller, Historiker und Journalist, ergründet in seinem Hörspiel die facettenreiche Persönlichkeit des extravaganten Genies. Während einer Aufnahme lässt Glenn Gould seine Gedanken schweifen und denkt über seine Schwächen, seine komplizierten Beziehungen und seine Bewunderung für Petula Clark nach.
In nächtlichen Telefonaten und bei Gesprächen mit seinem Arzt ordnet er sein Leben: Er zählt all die Medikamente auf, die er benötigt, führt akribisch Listen über seine Ausgaben und erinnert sich an all jene Orte, an denen er als junger Pianist aufgetreten ist. "Ich bin", so Glenn Gould, "ein verletzlicher Mensch."
Unter der Regie von Peter Kaizar, der selbst Musiker, Arrangeur und Komponist ist, dringt Cornelius Obonya, ein Schauspieler mit einer starken Verbindung zur Musik, in die geistigen Höhen und Tiefen dieses Mannes ein, der einst sagte: "250 Tage im Jahr im Tonstudio zu verbringen, das ist das echte Glück."
""Glenns Listen" von Philipp Blom" im Überblick
"Glenns Listen" von Philipp Blom
von Philipp Blom
Mit Cornelius Obonya, Toni Slama, Michou Friesz, Eduard Wildner, Thomas Kamper, Michael Köppel
Produktion: 2012
| Sendezeit | Sa, 10.01.2026 | 14:00 - 15:00 Uhr |
| Sendung | Ö1 "Hörspiel" |