Dirigent Justin Doyle präsentiert Werke von Duruflé und Schnittke
Dirigent Justin Doyle präsentiert Werke von Duruflé und Schnittke © cyano66 / iStock.com

Klassik-Konzerte & Oper

Musikfest Berlin

Der RIAS Kammerchor Berlin und das Deutsche Symphonie-Orchester unter der Leitung von Justin Doyle präsentieren im Rahmen des Musikfests Berlin Alfred Schnittkes Requiem. Im Gegensatz zu typischen Totenmessen verzichtet dieses Werk stark auf dramatische Gegensätze. Statt eines triumphierenden Chors, der Gottes Größe in die höchsten Höhen erhebt, bewegt sich die Chormusik hier auf ruhige, beinahe improvisierend wirkende Weise durch die gesprochenen Worte. Das Stück entpuppt sich als ein vielschichtiges Klangmosaik, das zwischen humanistischen und spirituellen Überzeugungen balanciert. Maurice Duruflés himmlisches Requiem bietet nach der Konzertpause eine Mischung aus gregorianischen Gesängen und einem magischen Spiel aus Klangfarben, dessen feinsinniges akustisches Geflecht an die Stilistik von Claude Debussy und Maurice Ravel erinnert. Das Ergebnis ist eine visionäre Vorstellung des Himmels.

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Maurice Duruflé erklärte, dass er sein Requiem auf der "Grundlage von gregorianischen Themen der Totenmesse" komponierte. Manchmal wird der originale Notentext vollständig zitiert, während das Orchester ihn lediglich stützt oder kommentiert. In anderen Passagen dient er lediglich als Inspirationsquelle. Der französische Musiker mied jedoch bewusst die Dramatik des Dies irae und ließ in den impressionistisch schimmernden Orchesterpassagen Engel durch "himmlische" Harfen und das Paradies durch Celesta- sowie Orgelklänge darstellen.

Alfred Schnittke hingegen setzte den Text der Totenmesse mit introvertierter Musik um, auch wenn sich impressionistische Elemente in der Partitur nur schwer finden lassen. Überraschenderweise entstand das Werk während seiner Zeit in der Sowjetunion und entwickelte sich aus der Bühnenmusik zu Friedrich Schillers Drama "Don Carlos". Ursprünglich wurde diese "in Form eines Requiems" (so Schnittke) für eine Aufführung am Mossowjet-Theater in Moskau im Jahr 1975 geschaffen, die in einem katholischen Kirchenmusik-Kontext inszeniert werden sollte. Der tragische Inhalt von Schillers Stück führte zu einer einzigartigen Requiem-Vertonung - hervorstehend nicht nur durch ihre ungewöhnliche Instrumentation mit Orgel, Klavier, Celesta, Vibraphon, Glocken, Gong, Flexaton, Pauken, Trompete, Posaune und zwei E-Gitarren. Zarte Klavierklänge und flüsternder Chorgesang im Stil einer Litanei wechseln sich mit allmählich anwachsenden Solo-Koloraturen und Orgelclustern ab, während der polystilistische Ansatz der Musik von Schnittke immer wieder gespenstisch durchklingt.

"Musikfest Berlin" im Überblick

Musikfest Berlin

von Duruflé, Schnittke

Mit Leitung: Justin Doyle / Jennifer Johnston, Mezzosopran; RIAS Kammerchor Berlin; Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Philharmonie Berlin

23.09.2026

Sendezeit Di, 29.09.2026 | 20:00 - 22:00 Uhr
Sendung Deutschlandfunk Kultur "Konzert"
Radiosendung