Gioachino Rossinis Oper "Il Turco in Italia" kommt in Madrid zur Aufführung
Gioachino Rossinis Oper "Il Turco in Italia" kommt in Madrid zur Aufführung © Étienne Carjat (1828-1906) / Wikimedia Commons / Public Domain

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Rossinis Oper "Il Turco in Italia"

Ein Dichter findet Inspiration durch eine Zigeunertruppe, einen türkischen Prinzen und eine fremdgehende Ehefrau für sein Libretto. Und Rossini sorgt für eine spritzige Komödie in der Oper.

Wenn ein Schriftsteller eine Opernlibretto schreiben muss, jedoch keine Ideen hat, kommt ihm die Ankunft einer Zigeunertruppe, eines türkischen Prinzen und einer untreuen italienischen Ehefrau als Inspiration gerade recht. Dank Rossinis musikalischer Begabung wird daraus eine spritzige Komödie, mit endlosem Vergnügen für das Publikum.

Das Werk "Il turco in Italia", geschrieben von Felice Romani im Jahr 1814, feierte seine Premiere an der Mailänder Scala. Anfangs war es nur mäßig erfolgreich - wohl auch, aufgrund des Irrtums des Publikums darüber, dass es sich um einen Aufguss des zuvor aufgeführten "Italienerin in Algier" handelt. Doch inhaltlich und musikalisch stimmt es nicht mit Rossinis Oper überein. Denn Rossini hatte fast alles neu komponiert und überraschte sein Publikum mit einem innovativen Konzept von Theater im Theater sowie neuen musikalischen Arrangements. Der Dichter durchstreift das Stück, ohne selbst zu singen und beobachtet dabei gleichzeitig den Fortgang seines eigenen Werkes, während einzelne Charaktere gelegentlich kritische Blicke auf ihre zugedachte Rolle werfen, welche sie bereits verkörpern müssen.

Der junge Felice Romani hat mit diesem Werk einen wahren Geniestreich vollbracht. Später schrieb er fast alle bedeutenden Textbücher für Donizetti und Bellini, aber hier griff er auf ein älteres Libretto von Caterino Mazzolà zurück. Rossini war jedoch genau der richtige Mann für die ironische Brechung des Stoffes durch seine Anlage: Der turbulent-wirbelige erste Akt gehört zu den besten Beispielen seiner Charakterisierungskunst in der Opera buffa.

In diesem Werk spielt die Rolle der Ensembles eine größere Bedeutung als in jedem anderen Stück des Komponisten. Obwohl es immer wieder zu ergreifenden und "seriösen" Momenten kommt, ist "Il turco in Italia" überwiegend ein wundervolles Fest voller Klischees - sowohl musikalisch als auch thematisch -, das gelegentlich sogar satirisch wirkt. Gerade diese Kombination macht das Stück so unglaublich unterhaltsam. Die Inszenierung von Laurent Pelly im Madrid war sehr gelungen und raffiniert auf die 1950er-Jahre abgestimmt; hierbei stach vor allem Lisette Oropesa hervor, welche die durchtriebene italienische Ehefrau verkörperte und somit zum Star des Abends wurde.

Auch Misha Kiria brillierte mit seiner Darstellung eines einfältigen, aber dennoch sympathischen betrogenen Ehemanns sowie Alex Esposito als machohafter türkischer Prinz beeindruckte das Publikum zutiefst. Florian Sempey in der Rolle des Dichters war großartig, verschmitzt-ironisch. Die Aufführung bot allen Beteiligten wie auch dem Publikum großen Spaß.

"Rossinis Oper "Il Turco in Italia"" im Überblick

Rossinis Oper "Il Turco in Italia"

von Rossini

Mit Leitung: Giacomo Sagripanti / Lisette Oropesa als Fiorilla; Misha Kiria als Geronio

Teatro Real

6. Juni 2023

Sendezeit Sa, 14.10.2023 | 20:00 - 23:00 Uhr
Sendung hr2-kultur "Opernbühne"
Radiosendung