
Hörspiel
Spenderherz von Torsten Enders
Kurt Siebert, der als Hausmeister an einer Erweiterten Oberschule tätig war, machte nie ein Geheimnis aus seiner kritischen Einstellung zum ständigen Pseudoglanz in der DDR. Diese Offenheit brachte ihm allerdings Probleme mit der Staatssicherheit ein. Wegen seiner anhaltenden Widerspenstigkeit forderte man ihn schließlich auf, einen Antrag auf Ausreise zu stellen, um die sozialistische Gemeinschaft nicht weiterhin mit seinem als kleinbürgerlich empfundenen Verhalten zu belasten.
Er entschloss sich dazu, zusammen mit seiner Frau in der malerischen Region Franken neu anzufangen, und leitete erfolgreich einen Reinigungsservice. Doch dann kam die Wende und ganze Scharen von Kroaten mit ihren preisgünstigen Angeboten.
Nach Jahren des Wartens fand schließlich die ersehnte Herztransplantation statt. Aber statt der erhofften Verbesserung fühlte sich der Genesende durch das neue Herz seltsam gedrängt. Als schließlich bekannt wurde, dass das Transplantat von einem ehemaligen Verkehrstoten stammte, der niemand anderes als Oberstleutnant Rinkewitz war, der ihn einst im Gefängnis der Stasi verhört hatte, stand Kurts Entschluss fest: Das Herz muss wieder entfernt werden, selbst wenn das bedeutet, aus dem Fenster zu springen.
Zum Autor
Torsten Enders, Jahrgang 1954 aus Altenburg in Thüringen, studierte zunächst Theaterwissenschaft und begann 1978 seine Karriere als Dramaturg im Rundfunk. Er lebt aktuell in Berlin und hat zahlreiche Hörspiele, Features sowie Theaterstücke verfasst, darunter Werke wie "Kein Wort von Einsamkeit" und "Kanzelkarl". Das Hörspiel "Spenderherz" wurde 2001 mit dem Hörspielpreis der Stiftung Kulturpflege und Kulturförderung der Sparkasse Neuss geehrt.
"Spenderherz von Torsten Enders" im Überblick
Spenderherz von Torsten Enders
von Torsten Enders
Mit Hermann Beyer, Jutta Hoffmann, Irm Hermann, Herbert Bötticher
Produktion: 2001
| Sendezeit | Mo, 02.03.2026 | 20:00 - 21:00 Uhr |
| Sendung | MDR KULTUR "Hörspiel" |