Die Künstlerin Hannah Höch hat ihre Reisezeit während des Nationalsozialismus in Kunstwerke festgehalten
Die Künstlerin Hannah Höch hat ihre Reisezeit während des Nationalsozialismus in Kunstwerke festgehalten © Lauren Lank / freeimages.com

HörspielKlangkunst

"Weiter in die Nacht ..."

Ein Hörstück in acht Sätzen beschreibt die Reisen der Künstlerin Hannah Höch und ihres Ehemanns durch NS-Deutschland in den 30er-Jahren. Die Fahrt durch Nacht und Nebel, Stadtbesichtigungen und Besuche von Ausstellungen werden von Autounfällen begleitet.

In acht Sätzen wird ein Hörstück für Sprechstimme und Streichquartett präsentiert. Die Titel lauten Erster Unfall, Zweiter Unfall, Fluchtversuch, Dritter Unfall, Vierter Unfall, Fünfter Unfall, Sechster Unfall und Benzin.

In den späten 1930er Jahren unternahm Hannah Höch gemeinsam mit ihrem Ehemann Kurt Heinz Matthies, der als Vertreter vor allem Maschinenbau- und Rüstungsunternehmen aufsuchte, oft monatelange Autofahrten durch das von den Nationalsozialisten beherrschte Deutschland.

Während dieser täglichen Fahrten durchquerten sie das Land, übernachteten in Privatzimmern, Hotels oder auf Rastplätzen in ihrem Wohnwagen. Hannah Höch nutzte diese Reisen vor allem für Malereien, Skizzen und Naturbeobachtungen und hielt die Stationen und Erlebnisse in ihren Terminkalendern stichpunktartig fest.

Die Fahrten führten sie durch Landstraßen und Autobahnen, oft durch Nacht und Nebel. Sie erlebten Erschöpfungszustände, besichtigten Städte und besuchten die Ausstellung Entartete Kunst in mehreren Städten. Doch immer wieder wurden sie in Autounfälle verwickelt. Obwohl vieles Andeutung blieb, wurden auch familiäre und private Themen sowie die Schicksale verfolgter Freunde angesprochen.

Das Hörstück beginnt im Mai 1937 und beschreibt eine Reise von Berlin nach Dresden und weiter bis Stuppen. Es endet im September 1939 mit den Worten: "Jammer! Krieg!!! Jammer! Deutschland steht im Krieg mit Polen." Die Nacht wird als Metapher für die düstere Zeit verwendet, in der die Künstlerexistenz nomadenhaft und von Unruhe geprägt ist. Das Land treibt dem politischen Untergang, der europäischen Zerstörung und der Shoah entgegen.

Zum Autor

Hannah Höch wurde 1889 in Gotha geboren und absolvierte eine Ausbildung im Kunstgewerbe in Berlin. Sie war Teil der Berliner Dada-Bewegung, und gemeinsam mit Raoul Hausmann erfand sie die Fotomontage. Ihr umfangreiches Werk beinhaltet Collagen, Gemälde, Zeichnungen und die Serie "Aus einem ethnographischen Museum". Seit den 1950er Jahren nahm sie regelmäßig an internationalen Ausstellungen teil.

""Weiter in die Nacht ..."" im Überblick

"Weiter in die Nacht ..."

von Hannah Höch

Sendezeit Fr, 13.10.2023 | 20:05 - 22:00 Uhr
Sendung Bayern 2 "Hörspiel"
Radiosendung