
Klassische Musik
Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Hans Werner Henze war alles andere als ein Künstler, der sich in der Abgeschiedenheit eines Elfenbeinturms versteckte. Er fiel regelmäßig als unbequemer und politischer Akteur auf, denn für ihn war das Komponieren weniger eine Frage des Stils als vielmehr eine Erkundung des Bewusstseins.
Die gescheiterte Uraufführung seines "Oratorio volgare e militare" Das Floß der Medusa in Hamburg, das zusammen mit seinem Librettisten Ernst Schnabel dem gerade ermordeten kubanischen Revolutionsführer Che Guevara gewidmet war, führte inmitten der politisch angespannten Atmosphäre des Vietnamkriegs, der Notstandsgesetze und des Attentats auf Rudi Dutschke zu einem regelrechten Skandal, welcher durch die Berichterstattung der Springer-Presse weiter verstärkt wurde.
Das Thema behandelt den Untergang der Fregatte Méduse im Jahr 1816, auf deren Flöße die von den Offizieren zurückgelassenen Passagiere unter dramatischen Bedingungen vier Wochen lang auf dem Atlantik trieben. Diese Erzählung wurde schon früh als Allegorie für den Machtmissbrauch der Verantwortlichen interpretiert, unter anderem vom französischen Künstler Théodore Géricault in seinem berühmten Gemälde "Le radeau de la Méduse", das Henze bekanntermaßen während des Kompositionsprozesses stets vor Augen hatte. In diesem Konzert widmet sich Sir Simon Rattle dem einst berüchtigten Werk: Musik von düsterer Intensität und aufbrausender Verzweiflung, der man sich nur schwerlich entziehen kann.
"Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks" im Überblick
Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
von Neuwirth, Henze
Mit Leitung: Simon Rattle / John Tomlinson, Sprecher; Anna Prohaska, Sopran; Georg Nigl, Bariton;Tölzer Knabenchor; WDR-Rundfunkchor
Herkulessaal der Münchner Residenz
06.02.2026
| Sendezeit | Fr, 06.02.2026 | 20:03 - 22:00 Uhr Da die Sendung live übertragen wird, können sich Anfang/Ende der Sendung verschieben! |
| Sendung | BR-KLASSIK "Konzert" |