Robert Schumanns Kinderszenen op. 15 (1838) gehören zu den poetischsten Klavierzyklen der Romantik. Trotz ihres Titels sind sie nicht primär als Musik für Kinder gedacht, sondern als Musik über Kindheit.
Schumann selbst sprach von «Rückspiegelungen eines Älteren für Ältere». Im Zentrum steht also Erinnerung: eine idealisierte, innere Vorstellung von Kindheit. Der Zyklus umfasst 13 Miniaturen, jede mit einem poetischen Titel wie Von fremden Ländern und Menschen, Hasche-Mann oder Träumerei. Die Musik entstand zuerst, die Überschriften wurden später ergänzt und sind daher eher assoziativ als streng programmatisch. Schumann wählt eine bewusste Einfachheit: klare Melodien und überschaubare Formen. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der technischen Virtuosität, sondern im Ausdruck – in feiner Dynamik, nuancierter Artikulation und lyrischem Klang. Besonders die berühmte Träumerei wurde zum Sinnbild sanfter Melancholie: nicht sentimental, sondern «innig».
In der Diskothek werden sechs Interpretationen von Schumanns Kinderszenen verglichen. Wie unterschiedlich kann diese scheinbar einfache Musik klingen? Und wie viele Freiheiten darf sich eine Interpretin oder ein Interpret nehmen, ohne den Charakter dieser Miniaturen zu verlieren? Gäste von Eva Oertle sind die Musikwissenschaftlerin Cristina Urchueguía und der Pianist Manuel Bärtsch.
Klassische MusikTalk
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In der «Diskothek» reden wir über Musik und ihre Interpretationen. Zwei versierte Gäste mit guten Ohren vergleichen im Blindtest verschiedene Aufnahmen eines Werks und exponieren sich mit ihren Urteilen. In mehreren Hörrunden wird die Auswahl immer kleiner, bis die «beste» Aufnahme übrigbleibt – Spiel und Hörschulung zugleich. Die Werke stammen aus allen Epochen der klassischen Musik, vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
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Folge vom 02.02.2026Robert Schumann: Kinderszenen. Leichte Stücke für Klavier op. 15
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Folge vom 26.01.2026Revue JanuarJeweils in der letzten Diskothek-Ausgabe des Monats stellen wir die Gewinnerinnen und Gewinner der vorangegangenen Sendungen vor. Die in der Diskothek prämierten Interpret:innen und Ensembles treten hier auch mit anderem Repertoire oder in anderer Besetzung auf. In diesem Monat: - Antonín Dvořák: Streichquartett F-Dur op. 96 «Amerikanisches» - Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur - Vincenzo Bellini: I Puritani. Oper
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Folge vom 19.01.2026Vincenzo Bellini: I Puritani. Melodramma serio in 3 AktenDie Liebesgeschichte inmitten der Wirren des Englischen Bürgerkriegs im 17. Jahrhundert bietet Belcanto-Kunst vom Feinsten: Koloraturen, scheinbar endlos schwebende Melodiebögen und extrem hohe Spitzentöne für den Tenor. Der Cataneser Bellini wusste ganz genau, was seine Sänger konnten: In seiner letzten Oper schrieb er wenige Monate vor seinem Tod dem Starsänger Giovanni Battista Rubini die Partie des Arturo auf den Leib: extra hoch, nicht nur bis zum hohen C, sondern bis zum hohen F! Giulia Grisi war die erste Elvira, auch für sie komponierte er eine entsprechend vielschichtige und virtuose Partie. Selbstverständlich wollten und wollen alle Primadonnen und Primiuomini diese Rollen singen, und so gibt es auch diverse Gesamteinspielungen, allerdings eher wenige neueren Datums. Ein Belcantofeuerwerk in der Puritanerfestung und im Radiostudio; Gäste von Moritz Weber sind die Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer und der Tenor Rolf Romei.
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Folge vom 12.01.2026Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-DurGustav Mahlers 9. Sinfonie ist Abschied und Aufbruch zugleich. Entstanden 1909, kurz vor seinem Tod, blickt sie existenziell auf Leben, Verlust und Vergänglichkeit. Zwischen tänzerischer Ironie, eruptiver Dramatik und dem entrückten Adagio-Finale entfaltet Mahler ein extremes Klangspektrum. In der Diskothek vergleichen wir prägende Aufnahmen und Interpretationen – und hören uns auch an, wie Mahler auf historischen Instrumenten der Zeit klingt. Gäste von Annelis Berger sind der Komponist David Philip Hefti und der Dirigent Manuel Oswald.