
Klassik-Konzerte & Oper
Internationales Bachfest Hamburg 2026
Was passiert, wenn Emotionen wie Hass, Neid und Eifersucht in die Zuneigung zwischen zwei Menschen eindringen? Wenn die freundliche Seite einer Person auch etwas Finsternis birgt? Diese Oper taucht ein in die Schattenseite der Liebe, angefangen mit dem Negativen und der chaotischen Umkehrung der herkömmlichen Ordnung. Die böse Magierin Arcabonne gesteht beschämt eine für sie fremde Gefühlsregung: ihre Zuneigung zum Ritter Amadis, dem Mörder ihres Bruders. Daraus entspringt ein seelisches Abbild von vier Charakteren in zwei Konstellationen: das bösartige Geschwisterpaar Arcalaus und Arcabonne gegenüber der Prinzessin Oriane und dem Ritter Amadis.
Gehüllt in den Konflikt zwischen ihrem Drang zu töten und ihrer Begierde, verstreut Arcabonne, angestiftet durch Arcalaus, Misstrauen und Streit zwischen den Verliebten und sorgt für deren Trennung. Im Fortgang distanziert sich Oriane von Amadis, bezichtigt ihn aufgrund von Enttäuschungen der Untreue. Amadis dagegen fühlt sich missverstanden und zurückgewiesen.
Der Handlungsstrang ist simpel und gleicht einem klassischen Ritter-Epos mit Drachen, Magiern, Rittern und der Befreiung einer Prinzessin. Doch bei Johann Christian Bach liegt der Fokus nicht auf der greifbaren Handlung. Es ist vielmehr die fortlaufende Änderung der Charaktere Amadis und Oriane, deren seelische Entwicklung zum hauptsächlichen Thema dieser Oper wird. Tests und Prüfungen, ähnlich wie in der "Zauberflöte", begleiten den Zuschauer bei der Verwandlung zu einem idealen Paar.
Weshalb jedoch scheiterte die leichte, frühmozartähnliche Oper bei ihrer Uraufführung in Paris? War das Publikum noch nicht bereit für diese Art Musik? War es das Schwanken zwischen italienischer und französischer Opernkultur oder die Rückbesinnung auf ein traditionelles Thema? Die Oper "Amadis de Gaule" des jüngsten Sohnes von Johann Sebastian Bach, der in London wie Händel berühmt wurde und als Schöpfer und Konzertveranstalter das Publikum fesselte, sticht in die Wunde des Opernpublikums im Paris des vorrevolutionären Jahres 1779: Es ist die Kritik an Lust und Gier, an Bosheit und Neid sowie an Oberflächlichkeit und Scheinheiligkeit, die hier dargestellt werden und wodurch der Opernbetrieb zum Sinnbild wird. Es ist eine der frühesten Werke der Aufklärung für ein bürgerliches Publikum, doch im Jahr 1779 war die Oper noch ein Schauplatz des Adels. Als dann zehn Jahre später die Revolution entbrennt, werden die Opernhäuser symbolisch durch das aufständische Volk geschlossen.
Die Liebe, die die düstere Magierin empfindet, ist zugleich unheilvoll. Da Arcabonne weder Amadis lieben noch ihn töten kann, erleidet sie den ersten tragischen Liebestod in der Operngeschichte. Am Ende triumphiert jedoch das Erhabene, die göttlich-reine Zuneigung zwischen Oriane und Amadis. Doch war es tatsächlich der Kampf zwischen zwei Liebespaaren oder vielmehr die Darstellung eines einzigen Paares in doppelten Bildern?
"Internationales Bachfest Hamburg 2026" im Überblick
Internationales Bachfest Hamburg 2026
von J. Chr. Bach
Mit Leitung: Hansjörg Albrecht / Lenneke Ruite, Oriane; Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg; B'Rock Orchestra
Elbphilharmonie, Hamburg
06.04.2026
| Sendezeit | So, 24.05.2026 | 21:30 - 00:00 Uhr |
| Sendung | NDR Kultur "Konzert" |