
Klassik-Konzerte & Oper
Musikfest Berlin
Brett Dean hat tiefgehende Kenntnisse im Bereich der Streichinstrumente, nicht zuletzt durch seine eindrucksvolle Karriere als Bratschist bei den Berliner Philharmonikern, wo er 14 Jahre lang spielte. Danach entwickelte er sich zu einem der herausragenden Tondichter seiner Epoche. In einem Konzert, bei dem er sein ehemaliges Orchester dirigiert, stellt Dean sein Stück "Beggars and Angels" vor. Die Entstehung dieser Musik wurde durch eine Ausstellung in Potsdam angeregt, in der Skulpturen von Bettlern gegen Gemälde von Engelwesen kontrastiert wurden – für Dean jedoch keine wirklichen Gegensätze, da er in einigen Engelgestalten Abbildungen der Bettler erkannte. Neben weiteren Kompositionen Deans wird Debussys "La cathédrale engloutie," meisterhaft für das Orchester von Colin Matthews adaptiert, aufgeführt: ein Klangwunder, das eine Welt voller Mystik und Legenden hervorruft.
Brett Dean hat zahlreiche Werke geschaffen, die sich subtil auf Robert und Clara Schumann sowie deren soziales Umfeld beziehen – Verbindungen, die weniger durch direkte Zitate, sondern durch transformierte Anklänge und fragmentarische Erinnerungen hergestellt werden, in denen die Stimme der musikalischen Romantik wie ein verwaschenes Echo in der heutigen Zeit mitschwingt. Die traditionelle Harmonielehre wird durch mikrotonale Modifikationen und Klänge verfremdet, ähnlich einem verzerrenden Spiegel, wodurch ein oft surreal wirkender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart entsteht. Dean zitiert dabei auch konträre Klänge, um auf Schumanns poetische Alter Egos Florestan und Eusebius hinzuweisen. Ein solches Gespräch führte er auch in seinem Werk "Conversations with Schumann" für Sopran und Orchester, eine Suite, die zwischen den leidenschaftlichen (Florestan) und den nachdenklich-lyrischen (Eusebius) Passagen wechselt. In "And once I played Ophelia" für die gleiche Besetzung umkreist die schwebende Musik Shakespeares Ophelia, die singend in den Tod geht. Die Sopranistin muss dabei eine anspruchsvolle Partie meistern, die von klagenden Vierteltönen bis zu hohen Spitzentönen reicht. "La cathédrale engloutie" von Debussy, in Matthews' herausragender Orchesterfassung, zaubert eine atmosphärische Klanglandschaft, die an mittelalterliche Gesänge, Glockentöne und Orgelklänge erinnert, und das legendäre Bild der Kathedrale von Ys heraufbeschwört, die laut einer bretonischen Sage im Morgengrauen aus dem Meer auftaucht und wieder versinkt. Der vielschichtige Abend endet mit Deans Werk "Beggars and Angels," in dem eindringliche Klangexplosionen und schwirrende Streicherharmonien sich begegnen: Die Himmelswesen erscheinen dabei als instabile und möglicherweise gefährliche Figuren.
"Musikfest Berlin" im Überblick
Musikfest Berlin
von Dean, Debussy
Mit Leitung: Brett Dean / Jennifer France, Sopran; Berliner Philharmoniker
Philharmonie Berlin
11.09.2026
| Sendezeit | Fr, 11.09.2026 | 20:00 - 22:30 Uhr Da die Sendung live übertragen wird, können sich Anfang/Ende der Sendung verschieben! |
| Sendung | Deutschlandfunk Kultur "Konzert" |