
Kultur & Gesellschaft
Der Kampf ums Auto – Freiheit, Klima und die Zukunft der Städte
Kaum ein alltägliches Objekt polarisiert die Menschen wie das Auto: Für manche stellt es ein umweltpolitisches Dilemma dar, das Straßen überfüllt und die Luft verunreinigt, während es für andere ein unverzichtbares Fortbewegungsmittel sowie ein Symbol persönlicher Unabhängigkeit ist. Die Debatte über das Auto hat mittlerweile sogar Auswirkungen auf die demokratische Ordnung: In Städten, wo Behörden die verkehrsfreie Stadt fördern wollen, verlieren sie mitunter Wählerstimmen, wie kürzlich in Berlin beobachtet. Konservative und rechtsextreme Gruppierungen gewinnen mit Slogans wie "Autoverbot verboten" Anhänger. In Tschechien hat eine Auto-Partei sogar großen Anklang gefunden. Muss die Vision einer nachhaltigen Stadt der Radfahrer und Fußgänger, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln vernetzt ist, aufgegeben werden, um zu akzeptieren, dass städtische Gebiete von schweren, dieselbetriebenen Fahrzeugen dominiert werden, die oft nur einen Passagier transportieren?
Oder gibt es eine Lösung, die sowohl den Fahrbedürfnissen der Autofahrer als auch dem ökologischen Zeitgeist gerecht wird? Könnten städtische Zonen, wie in Paris praktiziert, für große Fahrzeuge gesperrt werden, während man leichtere Fahrzeuge entwickelt, die alle städtischen Anforderungen erfüllen – wie das Befördern von drei Kindern zum Sport oder das Abholen der Oma bei Regenwetter mit Gepäck vom Bahnhof, oder vielleicht eine Fahrt zu viert zum See unternehmen und dabei nicht mehr als 300 Kilogramm wiegen? Städte werden weiterhin auf flexible Verkehrssysteme angewiesen sein. Die Art und Weise, wie Mobilität organisiert wird, könnte entscheidend für die Zukunft des sozialen Miteinanders sein. Es ist daher essenziell, nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes, über Lösungen jenseits der derzeitigen Situation nachzudenken.
Niklas Maak, geboren 1972, ist Feuilletonredakteur bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und thematisiert dort sowohl Kunst und Architektur als auch die Ästhetik des Alltags und Design. Zu seinen bedeutendsten Schriften zählen die Bücher "Fahrtenbuch: Roman eines Autos" (2011), "Technophoria" (2020) sowie die Sachbücher "Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen" (2014) und "Atlas der seltsamen Häuser und ihrer Bewohner" (2016). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Henri-Nannen-Preis und der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Der Kampf ums Auto – Freiheit, Klima und die Zukunft der Städte im Überblick
| Sendezeit | So, 12.07.2026 | 09:30 - 10:00 Uhr |
| Sendung | Deutschlandfunk "Essay und Diskurs" |