Das politische Gerange, um die Erbschaftssteuer zur staatlichen Haushaltsfinanzierung
Das politische Gerange, um die Erbschaftssteuer zur staatlichen Haushaltsfinanzierung © Thorben Wengert / pixelio.de

Kultur & Gesellschaft

Die Erbschaftssteuer als politisches Instrument

Sobald das Thema auf die Erbschaftssteuer kommt, schaukelt sich die Empörung in der Gesellschaft rasch hoch. Angesichts wachsender Disparitäten und eines erhöhten Finanzbedarfs des Staates scheint der Ruf nach einer stärkeren Besteuerung der Erbenden lauter zu werden.

Auf der anderen Seite wird die Zukunftsangst des Mittelstands betont. Bereits über ein Jahrhundert ist die Erbschaftssteuer ein heiß diskutiertes politisches Thema, da sie zentrale Konflikte innerhalb liberaler Gesellschaften berührt: das Zusammenspiel von Staat und Familien, wirtschaftliche Chancen, die Legitimität von Reichtum und den Einfluss von politischer Macht. Trotz der beträchtlichen Erbschaften sind die Steuereinnahmen daraus gering, die Diskussion jedoch von Symbolgehalt geprägt. Reformen erscheinen aufgrund der zunehmenden Ungleichheit und der begrenzten fiskalischen Möglichkeiten erforderlich, sind allerdings schwer umzusetzen: Wirtschaftsverbände und konservative Parteien warnen vor Risiken für Unternehmen, während linke Parteien höhere Abgaben für große Vermögen fordern.

Die hitzige Diskussion steht jedoch im Widerspruch zur begrenzten Effektivität dieser Steuer. Realistisch betrachtet kann sie lediglich einen geringen Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben liefern und ein Zeichen geteilter Verantwortung darstellen.

Jens Beckert ist als Soziologieprofessor an der Universität Köln tätig und leitet das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung. Seine Forschungsgebiete umfassen die soziale Verankerung der Wirtschaft, die Marktforschung und die Klimasoziologie. Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde er 2018 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr veröffentlichte er das bedeutende Werk "Imaginierte Zukunft: Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus". Sein neuestes Buch "Verkaufte Zukunft – Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht" (2024) wurde für den Deutschen Sachbuchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

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Die Erbschaftssteuer als politisches Instrument im Überblick

Sendezeit So, 01.03.2026 | 09:30 - 10:00 Uhr
Sendung Deutschlandfunk "Essay und Diskurs"
Radiosendung