Franz Liszt, der unaufhörliche Produzent von pianistischem Virtuosengeflitter, was will der mit dem "Faust" von Goethe? Eine Sinfonie, die obendrein Beethovens Neunte imitiert und am Schluss, reichlich schwach und unmotiviert, einen Solisten und einen Chor ins Feld führt - was das Stück für Aufführungen unprofitabel teuer macht...
Ein Fall für Paul Bartholomäi: Im "Notenschlüssel" zeigt er, wie hochintelligent Liszt als Komponist mit dem Faust-Stoff umgeht, indem er ihn auf drei Figurenporträts beschränkt und diesen Figuren ein treffendes, sorgsam und mit viel Verstand designtes musikalisches Gewand schneidert - und so ganz nebenbei hat Liszt, lange vor Schönberg, wohl die erste Zwölftonreihe komponiert, und zwar sehr prominent gleich zu Beginn des Werkes.
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Klassische Musik – noch Fragen? Paul Bartholomäi gibt ganz persönliche Antworten: In jedem Podcast entschlüsselt er ein anderes Werk, lässt Zusammenhänge hörbar werden, führt in die Welt der Komponisten. Weitere Folgen gibt’s hier ab dem 23. September.
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62 Folgen
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Folge vom 20.11.2025Notenschlüssel - Liszt: Eine Faust-Sinfonie
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Folge vom 20.11.2025Notenschlüssel - Chopin: Geisterwelt der Sonate b-MollMan könnte auf den Gedanken kommen, Chopin sei nur auf der Erde gewesen, um sein ganzes kurzes Leben lang einen Schwanengesang zu schreiben, unendlich schön, aber auch unendlich traurig. Einer der traurigsten Sätze ist wahrscheinlich der berühmte Trauermarsch, um den Chopin eine ganze Klaviersonate herumkomponiert hat. Robert Schumann meinte, Chopin habe in dieser b-Moll-Sonate vier seiner tollsten Kinder zusammengekoppelt - Paul Bartholomäi ist anderer Meinung und erläutert die Zusammenhänge in der Sonate, Chopins Anspruch jenseits von Salon und polnischen Nationalklängen und vergleicht die Interpretationsansätze verschiedener Pianistinnen und Pianisten.
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Folge vom 07.11.2025Notenschlüssel - Kurt Weill: Mahagonny an der SpreeKurt Weill und Bertolt Brecht - wer denkt da nicht an den Dauerbrenner "Dreigroschenoper"? Am Anfang der legendären Zusammenarbeit stand das Mahagonny "Songspiel", mit dem sich die beiden auf das musikalisch-ästhetisch neue Terrain vortasteten. Theodor W. Adorno hörte die Musik "als sei sie aus Lumpen und Abfall und Sentimentalität zusammengeflickt" - und das war durchaus nicht boshaft gemeint. Paul Bartholomäi stellt das "Songspiel", die Vorstudie zur späteren abendfüllenden Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny", vor, wirft einen Blick in die Arbeit der beiden Künstler vor ihrem gemeinsamen Wirken und beleuchtet auch ästhetische Fragen zu dieser musikdramatischen Revolution.
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Folge vom 06.11.2025Notenschlüssel - Schumanns "Album für die Jugend"Wenn Komponisten in die Seele ihrer Kinder blicken, wird leicht daraus Musik. Robert Schumann schenkte seiner Tochter Marie zum 7. Geburtstag einige Klavierstücke, die sie selbst spielen sollte. Das wurde der Grundstock für Schumanns "Album für die Jugend", eine Sammlung, die bis heute im Klavierunterricht Kinderhände in Bewegung bringt. Warum der in der Realität vielleicht gar nicht so glücklich agierende Papa Schumann mit diesen Stücken musikalisch Neuland betritt, was für einen Einfluss die Komposition jenseits der musikalischen Aspekte auf die Situation der Familie Schumann hatte und was das 1848 entstandene Werk vielleicht mit Politik zu tun haben könnte, das alles untersucht Paul Bartholomäi bei seinem kursorischen Durchgang durch Schumanns "Album für die Jugend".