Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass es ein starkes Bedürfnis gibt nach seelischer Unterstützung im Spital oder der Klinik – auch bei Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben. Was braucht es also in Zukunft, um den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten gerecht zu werden?
Rund die Hälfte der Zürcher Bevölkerung wünscht sich eine spirituelle Unterstützung bei schwerer Erkrankung. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Studie der Universität Zürich. Dieses deutliche Ergebnis habe ihn überrascht, sagt Simon Peng-Keller, Theologieprofessor für Spiritual Care und Leiter der Studie: «Erstaunt hat mich, dass dieser Wunsch besonders bei jungen Menschen zwischen 16 und 29 ausgeprägt ist.»
Viele der Befragten seien spirituell offen, wollten aber mit institutionalisierter Religion nichts zu tun haben. Was heisst das für die Seelsorge der Zukunft? Soll sie sich weiter öffnen, wie das in den letzten Jahren unter dem Stichwort «Spiritual Care» bereits geschehen ist? Oder bleibt eine konfessionell gebundene Seelsorge wichtig? Welche Konsequenzen hat die eine oder andere Haltung fürs Berufsverständnis und letztlich auch für die Finanzierung?
Mit Simon Peng-Keller werden in «Perspektiven» die Studienergebnisse diskutiert ebenso wie die aktuellen Entwicklungen und Zukunftsszenarien im Bereich der Seelsorge im Gesundheitswesen.
Autorin: Léa Burger
Religiös
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Perspektiven aufs Leben. Der wöchentliche Podcast von SRF Kultur rund um Religion, Spiritualität und Ethik. Hier haben Glaube, Zweifel und Hoffnung Platz. Wir erzählen, erklären, debattieren und sinnieren. Immer nah am Menschen und den grossen Fragen auf der Spur.
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Folge vom 25.04.2026Seelsorge imGesundheitswesen:Wie sieht die Zukunftaus?
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Folge vom 18.04.2026Schürt KI religiösen Fundamentalismus?Ein herziges Lämmchen in der Bibel-App, das Ratschläge gibt. KI gesteuert. Der spirituelle KI-Chatbot. Oder KI-Agenten, die gar eine eigene Religion gründen. Die KI geht auch an der Religion nicht vorbei. Wo lauern Gefahren, etwa der Radikalisierung? Und wo kann KI nützlich sein? Je extremer, desto besser. Nach diesem Prinzip funktionieren die Algorithmen von Instagram, Youtube, Tiktok und Co. Religiöser Fundamentalismus wird so eher verbreitet als moderate Positionen. Doch wie sieht’s aus bei der KI? Fragt man ChatGPT und Co etwas nach der Stellung der Frau im Koran, erhält man eine differenzierte Antwort. Doch eine neue Untersuchung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (Prompting the Qur’an) zeigt auch, dass die KI wenig Raum lässt für verschiedene Interpretationen – und kaum Inhalte aus feministischer oder humanistischer Koran-Interpretation zitiert. Zudem sind im Netz traditionalistische und fundamentalistische Interpretationen von Islam und Christentum weit verbreitet – und daraus speist sich die KI. Christliche Apps wie Hallow werden zudem gefördert und finanziert von US Vizepräsident JD Vance und Tec-Gigant Peter Thiel, die konservative bis weltverschwörerische Positionen vertreten. Was also passiert, wenn Menschen ChatGPT und andere Large Language Models nach religiösen Inhalten befragen? Schürt die neue Technologie religiösen Fundamentalismus? Oder kann sie als Instrument für religiöse Bildung und spirituelle Horizonterweiterung dienen? In Perspektiven sprechen wir mit: • Professor Beth Singler, Religionsanthropologin an der Universität Zürich, Co-Direktorin der Forschungsschwerpunkts «Digital Religion(s)» • Dr. Ibrahim Aslandur, Koranwissenschaftler und Religionspädagoge, forscht an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe u. a. zu Hermeneutik und Bildung in digitalen Räumen. Buchhinweis: Beth Singler. Religion and Artificial Intelligence. An Introduction. Routledge, 2025. Autorin: Nicole Freudiger
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Folge vom 11.04.2026Heilige Wiborada: eingesperrt und gleichzeitig frei? (W)Die heilige Wiborada liess sich im 10. Jh. in eine Klause einsperren. Sie wollte sich ganz Gott widmen. Gleichzeitig blieb sie mit der Welt verbunden. Bis heute inspiriert das: Menschen lassen sich für eine Woche einsperren und eine neue Erzählung spürt dem mittelalterlichen Frauenleben nach. Die heilige Wiborada verbrachte ihre letzten zehn Lebensjahre bei St. Gallen, auf eigenen Wunsch eingesperrt in einer kleinen Klause. Menschen suchten die Inklusin auf und baten um Rat. Den wichtigsten Rat gab sie Abt Anglibert, indem sie ihn frühzeitig vor dem sogenannten Ungareneinfall im Jahr 926 warnte. So konnten Menschen, die Klosterbibliothek und der Kirchenschatz gerettet werden. Sie selbst wurde von den einfallenden Ungaren allerdings in ihrer Zelle erschlagen. Als erste Frau wurde Wiborada heiliggesprochen, im Jahr 1047 durch Papst Clemens II. Heute zählt sie zu den Schutzheiligen St. Gallens und inspiriert mit ihrer Spiritualität zwischen Selbst- und Weltbezug. Denn: Wie können Menschen emotionale Sicherheit finden in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint? In der Sendung kommen zu Wort: · Gabriel Imhof, Podcaster und Religionspädagoge i.A., liess sich 2024 in der nachgebauten Wiborada-Zelle einschliessen und erzählt von seinen Erfahrungen · Moni Egger, röm.-kath. Theologin und Märchenerzählerin, erzählt basierend auf den Heiligenlegenden von Wiborada das mittelalterliche Frauenleben neu · Hildegard Aepli, röm.-kath. Theologin, hat das Wiborada-Projekt in St. Gallen initiiert Autorin: Léa Burger Wir wiederholen diesen Beitrag von 2025 anlässlich des Wiborada-Jubiläumsjahres in St. Gallen.
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Folge vom 04.04.2026Ostern feiern: Gespräch zum Sinn des Osterfests heuteHeute bedeutet Ostern für viele: ein verlängertes Wochenende mit Familie oder Freundinnen, im Stau stehen Richtung Süden. Doch Ostern hat mehr zu bieten: Das christliche Fest feiert, dass Jesus vom Tod auferstanden ist. «Perspektiven» erkundet diesen Sinn für Menschen von heute. Die römisch-katholische Theologin Sandra Schmid Fries lebt auf dem «Sonnenhügel» im Entlebuch. Hier war bis vor wenigen Jahrzehnten ein Kapuzinerkloster. Heute ist es ein Ort, an dem Menschen in Krisensituationen neuen Lebensmut schöpfen können. Für die Theologin weist das Osterfest denn auch auf die Erfahrung von Menschen hin, dass es das Dunkle und die Verzweiflung gibt, dass aber auch neues Leben und neue Hoffnung wachsen können. Der reformierte Theologe Andreas Nufer leitet das Tagungs- und Seminarhaus Kloster Kappel im Kanton Zürich. Das Motto der Osterfeierlichkeiten ist heuer «Aufstehen»: Aufstehen zu neuen Taten, aufstehen und sich gegen Missstände wehren, aufstehen und die Mitmenschen würdigen. Im Klostergarten des Klosters Kappel treffen sich Sandra Schmid Fries und Andreas Nufer und sprechen darüber, wie sich Ostern heute feiern lässt. Autorin: Yvonn Scherrer