
Kultur & Gesellschaft
Wie das Leistungsprinzip den Sozialstaat zu verändern droht
Der Wohlfahrtsstaat gerät unter Druck: Einsparungen bei medizinischen Dienstleistungen, Pflege und sozialer Integration folgen einem altbekannten Prinzip – dem Recht des Stärkeren. Doch wie hat sich diese Denkweise entwickelt, und was für eine Gesellschaft formt sich, wenn die Fähigkeit zu leisten wichtiger ist als die Möglichkeit zur Teilhabe?
Die Menschen sollen produktiver werden und stärker zur Förderung der Wirtschaft beitragen. Gleichzeitig sind Reduzierungen bei den Mitteln für Gesundheitswesen, Pflege und Integration geplant. Die als schwach angesehenen Mitglieder der Gesellschaft sollen zurückstehen. Dies alles folgt einem uralten Prinzip: der Dominanz der Stärkeren. Einige scheinen dies heute als völlig legitim anzusehen.
Dieses vermeintliche Vorrecht lässt sich in der Geschichte bis in die griechische Antike zurückverfolgen. Es findet sich etwa bei Platon und führte letztlich zu großen Zerstörungen. Immer wieder taucht es in anderen Varianten auf. Welche Art von Gesellschaft entsteht, wenn die Stärkeren, häufig verstanden als die Gesunden, Anpassungsfähigen und Makellosen, die Oberhand haben sollen? Und vor allem – wollen wir tatsächlich in einer solchen Gesellschaft existieren?
Lea De Gregorio, die als Autorin und Journalistin in Berlin tätig ist, hat Geistes- und Kulturwissenschaft sowie Philosophie studiert. Sie widmet sich in ihren Schriften den Themen Machtverhältnisse, Diskriminierung und gesellschaftliche Fragen. Ihre Werke sind unter anderem bei Deutschlandradio, in der taz und der ZEIT publiziert. Im Jahr 2024 brachte sie ihr Buch "Unter Verrückten sagt man du", eine kritische Betrachtung der Psychiatrie und Gesellschaft, bei Suhrkamp heraus.
Wie das Leistungsprinzip den Sozialstaat zu verändern droht im Überblick
| Sendezeit | So, 18.10.2026 | 09:30 - 10:00 Uhr |
| Sendung | Deutschlandfunk "Essay und Diskurs" |