Wenige Minuten zuvor war noch eine Straßenbahn drübergefahren. Dann, mitten in der Nacht, stürzt ein Teil der Carola-Brücke in die Elbe. Zwei Jahre später steht fest, wer Dresdens Hauptverkehrsachse neu bauen darf.
Jan Tröber, Partner bei TSSB Architekten in Dresden, hat gemeinsam mit dem spanischen Ingenieurbüro FHECOR und dem Landschaftsarchitekturbüro UKL den Wettbewerb um die neue Carola-Brücke gewonnen – nur wenige hundert Meter vom eigenen Büro entfernt, wo Tröber den Einsturz am 11. September 2024 hautnah miterlebte. Entstanden ist "Carola-Brücke 3.0": eine leichte Bogenkonstruktion aus Stahl und Sandstein, die Elemente der historischen Vorgängerbauten verbindet und erstmals seit 1895 wieder mit Bögen durch die Dresdner Altstadtkulisse spannt.
Der Weg dorthin: ein vierstufiges Auswahlverfahren mit Fachexpertengremium, einer Bürgerabstimmung mit 26.000 Teilnehmenden, einem Begleitgremium aus Politik und Verbänden und einem klaren Votum des Stadtrats mit 39 zu 31 Stimmen. Tröbers Team punktete vor allem bei der Bevölkerung, wo eigene Kommunikationsarbeit – Visualisierungen, Erklärfilme, eine eigene Website – eine zentrale Rolle spielte. Ziel: eine Brücke, die 140 Jahre halten soll, mit Baubeginn 2028.
Ein Gespräch über die Grenze zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus im Wettbewerbsverfahren, die Rolle von Bürgerbeteiligung bei Stadtratsentscheidungen, ingenieurtechnische Baukunst bei 120 Metern Spannweite und die Frage, wie eine Stadt einen Symbolverlust in eine bessere Zukunft verwandelt.
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Host Klaus Füner spricht alle 14 Tage mit den Vordenker*innen und Newcomern aus Architektur, Design, Stadtplanung und Landschaftsplanung. Ob visionäre Konzepte oder bauliche Innovationen: Alles, was die hochkarätig besetzten Netzwerkveranstaltungen von Heinze an Themen hervorbringen und was relevant erscheint, wird hier ins Gespräch gebracht. Damit Ihr nichts verpasst, von dem, was die Baubranche bewegt. Das Klimafestival für die Bauwende wird hier auditiv weitergeführt und die Bauwende inhaltlich weiter verfolgt. Denn es gibt viel zu tun, hören wir denen zu, die schon ins Handeln gekommen sind.
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Folge vom 10.09.2026#217 – Jan Tröber, TSSB Architekten - Carolabrücke 3.0 - der Gewinnerentwurf!
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Folge vom 27.08.2026#216 – Dr. Max von Bredow, MvB Baukultur – Besser bauen, besser lebenDr. Max von Bredow, Immobilienentwickler und Unternehmer, verbindet mit seinem Unternehmen „MvB Baukultur“ wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte des Bauens. Der promovierte Maschinenbauer kam über seinen Schwiegervater zur Projektentwicklung und entwickelte daraus ein Geschäftsmodell, das Baukultur nicht als Zusatz versteht, sondern als Grundlage. Von Bredow setzt auf Nutzungsmischung statt Monofunktion: Wohnen, Arbeiten, Gastronomie, Pflege, Co-Working – alles unter einem Dach, alles im selben Quartier. Seine Winkelbauerhöfe in Holzkirchen zeigen, wie weit das gedacht werden kann: Inklusionscafé, Geothermie, Holzbauweise, Caritas-Tagespflege, Lastenfahrräder und ein Stellplatzschlüssel von 0,7. 80 Wohneinheiten, zwei noch verfügbar. Seine Lieblingsfrage: "Wann hast du das letzte Mal jemand zufällig in deinem Wohnzimmer kennengelernt?" Die Antwort erklärt alles und warum die Qualität der Zwischenräume über das Gelingen eines Quartiers entscheidet. Ein Gespräch über Bürgerbeteiligung als Planungsinstrument, soziale Bodennutzung, den Quartiersverein als Partyverantwortlichen und die Frage, warum besser bauen immer auch besser leben bedeutet.
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Folge vom 16.07.2026#215 – Florian Waller, Behnisch Architekturbüro: Moderne LernlandschaftenViele Schulgebäude, die wir heute kennen, stammen aus einem pädagogischen Modell des frühen 20. Jahrhunderts: Flur, Klassenzimmer, Tafel, Frontalunterricht. Doch wie lernen Kinder heute und welche Räume brauchen sie dafür wirklich? Florian Waller, Partner bei Behnisch Architekturbüro, einem der international renommiertesten deutschen Architekturbüros, hat die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn realisiert – Teil des Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung und eines der meistdiskutierten Beispiele zeitgemäßer Lernarchitektur. Das Büro widmet sich seit jeher dem Bauen für eine offene, demokratische Gesellschaft – Schulen inklusive. Wallers Ansatz: Lernen passiert nicht ausschließlich im Klassenzimmer, sondern in der gesamten Schule. Die Josef-Schwarz-Schule übersetzt das konsequent: ein terrassiertes Gebäude auf einem Sockel, drei pavillonartige Baukörper für Grund-, Mittel- und Oberstufe, natürliche Lüftung statt Klimaanlage, Holz und Lehm statt HPL und Kunststoff. Fast 60.000 Quadratmeter – und kein Geschoss gleicht dem anderen. Seine Überzeugung: Das pädagogische Konzept gibt die Architektur vor, nicht umgekehrt. Und Nachhaltigkeit beginnt damit, Kindern beizubringen, dass ihre Handlungen Konsequenzen haben, auch wenn es im Klassenzimmer mal stinkt. Ein Gespräch über Lernlandschaften, die Grenzen von Flexibilität, natürliche Materialien als pädagogisches Mittel und die Frage, wie viel Identität eine Schule braucht, um wirklich zu wirken. Wichtige Partner für die Entwicklung des Projektes sind Planstatt Senner für die Außenanalagen sowie Transsolar für das Klimakonzept.
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Folge vom 25.06.2026#214 – Lara Katscher, Werner Sobek AG - Das 1x1 der BauphysikJedes Gebäude, das wir heute planen, ist der Bestand von morgen. Doch noch immer werden Gebäude geplant, als ob Klimawandel, Ressourcenknappheit und zirkuläres Bauen Sonderthemen wären – und nicht die Grundlage einer jeden Planung. Lara Katscher, seit 2025 Vorständin der Werner Sobek AG, verantwortet dort die Bereiche Bauphysik, Nachhaltigkeit und Technische Gebäudeausrüstung. Das Unternehmen begleitet komplexe Bauprojekte von der Energiebilanzierung bis zur simulationsgestützten Klimaanpassung. Katscher begann 2016 als Werkstudentin und schaffte den Weg in den Vorstand in knapp zehn Jahren. Ihr Ansatz: Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Zertifikat, sondern beim Entwurf. Kompakte Gebäudevolumen, optimierte Fassadentransparenz, Low-Tech-Strategien dort wo möglich und Technik nur dort, wo sie wirklich nötig ist. Ihre Beobachtung: Während der Fokus lange auf Energieeffizienz lag, rücken heute Materialwahl, Grauemissionen und Rückbaufähigkeit in den Mittelpunkt. Gebäude als temporäre Rohstofflager zu denken, ist für sie kein Zukunftsszenario, sondern dringende Gegenwart. Ein Gespräch über adaptive Fassaden, klimaresiliente Planung, die Rolle der Bauphysik im Zeitalter des Klimawandels und warum integrale Planung von Anfang an der einzige Weg zu wirklich nachhaltigen Gebäuden ist.