NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 30.09.2024Vom Dammbau nach SyltAuch schon Anfang des 20. Jahrhunderts war Sylt so etwas wie des Hamburgers und der Hamburgerin Lieblingsinsel. Der Weg dorthin war damals freilich noch beschwerlich, denn es handelte sich dabei zumindest zeitweise um einen Seeweg, wobei der Raddampfer vom Festlandhafen Hoyerschleuse zum Inselhafen Munkmarsch sagenhafte sechs Stunden benötigte. So gab es bereits vor dem Ersten Weltkrieg Pläne, zur deutlichen Verkürzung der Reise und zur Anbindung Sylts an das Festland einen Bahndamm zu errichten, die vehement beschleunigt wurden, nachdem in Folge des Weltkriegs der Hafen Hoyerschleuse und der Umsteigebahnhof Tondern dänisch geworden waren. Elf Kilometer Brücke galt es nun in das Wattenmeer zu setzen – vom Stand dieses gewaltigen technischen Vorhabens unterrichtete seine Leserinnen und Leser am 30. September 1924 der Wandsbeker Bote. Und uns Rosa Leu.
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Folge vom 29.09.2024Robert Breuer rechnet mit den Deutschnationalen abAuf den Namen Robert Breuers stößt man heutzutage nur mehr selten; dabei zählte er zu den prägenden Figuren der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik. Von Hause aus Journalist, gehörte Breuer zu den engsten Vertrauten von Reichspräsident Friedrich Ebert und wechselte 1919 als stellvertretender Pressechef zu diesem in die Reichskanzlei. Später wirkte er unter anderem als Direktor des Verlages für Sozialwissenschaft sowie als Abteilungsleiter in der Reichszentrale für Heimatdienst, der Vorläuferin der heutigen Bundeszentrale für politische Bildung. Über die Tschechoslowakei floh Breuer 1933 nach Frankreich und von dort später weiter nach Marokko. Da er kein Einreisevisum für die Vereinigten Staaten erhielt, strandete er schließlich auf der Karibik-Insel Martinique, wo er 1943 verarmt und entkräftet an den Folgen einer Malariaerkrankung verstarb. Dem Feind von rechts widmete er schon am 29. September 1924 einen Text im Hamburger Echo, mit dem für uns Frank Riede an Robert Breuer erinnert.
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Folge vom 28.09.2024Nochmal Stahlhelm versus Reichsbanner Schwarz-Rot-GoldAuch gut 24 Stunden nach den blutigen politischen Auseinandersetzungen in Altona, von denen wir gestern berichteten, war der Hergang der Ereignisse polizeilich noch immer nicht aufgeklärt. Der eher konservativ ausgerichtete Hamburgische Correspondent unternahm auf Basis des bislang Bekannten einige Spekulationen, die ein deutlich anderes Bild zeichnen als der Kommentar im Hamburger Echo vom Vortag. Mehr als über den damaligen Stand der Ermittlungen verrät der Text denn wahrscheinlich auch über die politische Stimmung in Deutschland zwischen den beiden Reichstagswahlen des Jahres 1924 – und darüber wie schwer sich die gemäßigte Rechte tat, sich zwischen den pro-republikanischen Parteien des Mitte-Links-Spektrums und den völkischen Republikgegnern zu positionieren. Es liest Rosa Leu.
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Folge vom 27.09.2024Stahlhelm versus Reichsbanner Schwarz-Rot-GoldEin Toter, mehrere Schwerverletzte – das war die Schreckensbilanz einer blutigen Auseinandersetzung, zu der es am 26. September 1924 zwischen Aktivisten des rechtsextremen Stahlhelmbundes und Mitgliedern des republikanischen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Altona gekommen war. Die Umstände dieser Konfrontation lagen am Folgetag noch im Dunkeln. Dass die Hintergründe für derartige immer häufiger zu verzeichnende gewalttätige Eskalationen in der planmäßigen Vergiftung des politischen Klimas von daran interessierter antidemokratischer, völkischer Seite kamen, stand zumindest für das Hamburger Echo außer Frage. Dessen Kommentar wider die Hassprediger von rechts vom 27. September liest Frank Riede.