NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 07.02.2024Mal wieder ein Blick nach WienAuch sie sind in vier Jahren ein Evergreen von Auf den Tag genau: Artikel, die von der Spree an die Donau schauen und Facetten des Lebensgefühls in Wien nach Berlin zu vermitteln versuchen. Für die Vossische Zeitung war es zumeist Karl Lahm, der diese Korrespondentendienste übernahm. Am 7. Februar 1924 widmete er sich ausnahmsweise keinen direkt politischen Fragen, berichtete nicht aus dem regen Wiener Musik- oder Theaterleben und entwickelte auch keine feuilletonistische Typenkomödie. Vielmehr geht es ihm hier um die Bauaktivitäten, die in der alten Metropole von Kakanien nach dessen Untergang aufgenommen wurden – und führt uns damit zu den äußersten Anfängen des bis heute berühmten kommunalen Gemeindebauwesens im Roten Wien. Angeschlossen auf seiner Tour hat sich für uns Frank Riede.
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Folge vom 06.02.2024Vor dem Prozess gegen die Putschisten vom 9. November 1923Würde sich die Republik diesmal als wehrhaft erweisen oder ihr der in großen Teilen illoyale, weil aus der Kaiserzeit übernommene Justizapparat wieder in den Rücken fallen? Die Spannung vor dem Prozess gegen die Putschisten vom 9. November 1923 war groß, und die Presse brachte sich bereits Wochen vor dessen Auftakt in Position. Aus der zuverlässig republikanischen Berliner Volks-Zeitung vom 6. Februar 1924 erfahren wir, dass man in den rechten Blättern wohl vor allem versuchte, für die Person Ludendorffs Stimmung zu machen und nichts unversucht ließ, Einfluss auf das Gericht in seiner Angelegenheit, aber auch in der des bayerischen Generalstaatskommissars Gustav von Kahr und der des Landeskommandanten der Reichswehr in Bayern Otto von Lossow auszuüben. Letztere wurden tatsächlich beide nur als Zeugen geladen und Ludendorff als einziger Angeklagter schließlich freigesprochen – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Es liest Paula Rosa Leu.
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Folge vom 05.02.2024Mahatma Gandhi freigelassenIm August 1920 rief Mahatma Gandhi die Kampagne der Nichtkooperation in Indien aus, die zu dem passiven Widerstand weiter Bevölkerungsteile gegenüber der britischen Kolonialmacht führte. Nachdem 1922 eine lokale Mobilisierungs-Kampagne, die friedlich und im Geiste Gandhis begonnen hatte, in Gewalt gegen britische Polizisten und zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften umschlug, wurde Gandhi verhaftet und zu 6 Jahren Haft verurteilt, zumal er vor Gericht die Schuld für die Gewalt auf sich genommen hatte. Offiziell wegen einer Blinddarmoperation wurde er aber 1924 vorzeitig freigelassen, um kurze Zeit später der Präsident des Indischen Nationalkongresses zu werden. Die Vossische blickt am 5. Februar 1924 auf die Lage in Indien, beschäftigt sich aber nicht nur mit Mahatma Gandhi, sondern auch mit den Herausforderungen, vor denen die neue britische Labour-Regierung stand. Für uns liest Frank Riede.
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Folge vom 04.02.2024Nachruf auf Woodrow WilsonDer Historiker und Demokrat Woodrow Wilson war von 1913 bis 1921 für zwei Amtszeiten Präsident der USA. Unter seiner Führung traten die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg ein und er saß nach dem Krieg mit am Verhandlungstisch, als es darum ging eine Nachkriegsordnung zu schaffen. Sein 14-Punkte Programm prägte die Debatten auch wesentlich und auf Wilsons Initiative hin wurde der als letzter Programmpunkt dieser Liste anvisierte Völkerbund begründet. Wilson war aber weder in der Lage, die Reparationsforderungen der Franzosen zu verringern, noch ein wirklich wirkmächtiges Weltparlament zu errichten, weshalb er auch in Deutschland der Nachkriegszeit teilweise zum Feindbild wurde. Zwar wurde er 1919 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, gerade seine außenpolitischen Projekte müssen aber als zu großen Teilen gescheitert angesehen werden, zumal die Stimmung in Amerika wieder in Richtung Isolationismus kippte und die USA selbst nicht dem Völkerbund beitrat. Wilson war nach einem Zusammenbruch und einem Schlaganfall im Herbst 1919 halbseitig gelähmt und konnte die Amtsgeschäfte kaum noch führen. Er starb am 3. Februar 1924. Wie der Vorwärts in seinem Nachruf vom 4. Februar die Leistungen von Wilson bewertete weiß Paula Rosa Leu.