NachrichtenKultur & Gesellschaft
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Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 27.05.2023Das Leithammel-MotivEine der wohl zeitlosen Regeln des Film- und man muss wohl auch sagen: des Fernsehbetriebes besteht darin, dass finanziell Erfolgreiches so lange wie nur möglich reproduziert und kopiert wird wie es nur geht. Es ist diese Regel, die Formate rund um die Welt wandern lässt und uns die gefühlt 1000ste Comic-Superheldenverfilmung aus Hollywood beschert. Der Autor des heutigen Artikels aus der Berliner Börsen-Zeitung vom 27. Mai 1923, der Regisseur Paul Ludwig Stein nennt diese Regel „Leithammel-Motiv“ und macht sich über sie lustig. Frank Riede liest.
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Folge vom 26.05.2023Guided Tour ins verruchte BerlinDer Tourismus zählt längst zu den wichtigsten Einnahmequellen Berlins, und gerade hier an der Spree sind es nicht in erster Linie die klassischen Bildungsreisenden, die in die Stadt strömen. Entsprechend diversifiziert haben sich mittlerweile auch die Angebote an Guided Tours, die nicht länger nur Paläste, Kirchen und Museen im Sortiment haben, sondern die Fremden wahlweise auch die gruseligen oder verruchten Seiten der Großstadt näherzubringen verheißen. Dass auch diese Programme, mal wieder, keine ganz neue Erfindung sind, entnehmen wir der B.Z. am Mittag vom 26. Mai 1923, in der Egon Jacobsohn der Versuchung nachgibt, sich durch das ‘dunkle Berlin‘ führen zu lassen. Um am Ende, so will es scheinen, statt dem Laster zu frönen freilich doch nur in eine klassische Touristenfalle getappt zu sein. . Immerhin, eine Heizdecke hat er sich nicht aufschwatzen lassen. Begleitet hat ihn bei diesem Nepp Paula Rosa Leu.
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Folge vom 25.05.2023Deutschland und das russische ErdölDie russische Invasion in die Ukraine hat uns schlagartig die ganze Komplexität der Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen aufgezeigt. Ganz offen liegt die Frage zutage, wie wir es beim Rohstoffhandel mit autoritären Regimes handhaben wollen. Bilder vom sich in Katar verbeugenden Robert Habeck machen die Runde. In den 70ern soll Bundeskanzler Helmut Schmidt, als die Gasimporte aus Russland verdoppelt wurden, den US-Präsidenten Carter mit der Aussage schockiert haben: „Wer Handel miteinander treibt, schießt nicht aufeinander.” Und schon von hundert Jahren stellte sich die Frage: Soll Deutschland sich von Russland mit Erdöl beliefern lassen? Thematisiert finden wir dies im Berliner Börsen-Courier vom 25. Mai 1923. Der Autor spricht sich hier für den Einkauf russischer Rohstoffe aus, Frank Riede liefert für uns seine Argumentation.
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Folge vom 24.05.2023Berlins BücherschrankWenn die Menschen in Deutschland 1923 in die eigene Zukunft blicken wollten, schauten sie vermehrt nach Amerika, dem Land der Wolkenkratzer, Ford-Werke, des Fortschritts. Selbst in der Volksbildung brillierten in den Augen vieler die Vereinigten Staaten. So wurden die öffentlichen Bibliotheken der großen Städte für ihren Umfang und die Geschwindigkeit der Bereitstellung von Büchern gelobt. Nun erhob aber ein gewisser Dr. J. L. in der Vossischen Zeitung vom 24. Mai Einspruch gegen das „Schlechtmachen“ der eigenen Institutionen – und führte die Berliner Stadtbibliothek ins Feld. Trotz Ihrer Beschränkungen durch Inflation und Wirtschaftskrise könne sie sich sehen lassen. Paula Rosa Leu liest für uns das Lob von Berlins Bücherschrank, mit dem wir auch einen Gruß an die Zentral- und Landesbibliothek Berlin senden, mit der wir im Herbst 2022 über Monate eine sehr schöne Kooperation hatten.