NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 12.05.2022Passionsspiele in OberammergauDie Geschichte ist Legende: Als 1633 im oberbayerischen Oberammergau die Pest wütete, taten die Bewohner in ihrer Verzweiflung ein Gelübde, den „Herrn“ zukünftig alle zehn Jahre in einem Passionsspiel zu ehren, wenn „Er“ sie von dieser Geißel befreie. Das Wunder geschah, und seither wird die dortige Dorfgemeinschaft in dezimaler Regelmäßigkeit zunächst zur friseurfreien Zone und dann für einen Sommer zu einer riesigen Laienspieltruppe, deren vielstündiges Spiel bereits seit dem 19. Jahrhundert zunehmend auch den internationalen Jetset ins sonst so beschauliche Ammertal lockt. Abweichungen vom Zehn-Jahres-Turnus kannte der Passionsfestspielbetrieb nur in bedeutenden historischen Ausnahmefällen. War es 2020 eine globale Pandemie, die eine Verlegung des Spektakels ins Jahr 2022 erzwang, so ließen 1920 die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs die Veranstalter den nämlichen Beschluss fassen und die nächste Passion gleichfalls um zwei Jahre verschieben. Für die Berliner Morgenpost berichtete von dieser am 12. Mai 1922 Max Osborn, für uns tut dies Frank Riede.
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Folge vom 11.05.2022Sind die anderen Gestirne bewohnt?Eine der ganz großen und zeitlosen Menschheitsfragen stellt das Friedenauer Tageblatt am 11. Mai 1922: „Sind die anderen Gestirne bewohnt?“ Und auch die Motivation für diese Frage klingt für uns vertraut – der jammervolle Zustand unseres Planeten. Und so geht es im Folgenden auch nicht nur um die Existenz von Außerirdischen, sondern auch um die Möglichkeiten für Menschen anderweitig im Weltraum einen neues Plätzchen zu finden. Paula Leu begibt sich mit auf die Suche.
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Folge vom 10.05.2022Wassily Kandinsky bei Goldschmidt-WallersteinDie von den zwei Kunsthistorikern Dr. Fritz Goldschmidt und Dr. Victor Wallerstein nach dem Ersten Weltkrieg gegründete und nach ihnen benannte Galerie am Schöneberger Ufer 36a eröffnete 1921 eine Abteilung für die Moderne. Und in ihr fand vom April bis zum Juni 1922 eine Ausstellung von Wassily Kandinsky statt. Sie begleitete sozusagen Kandinskys Rückkehr nach Deutschland. War er vor dem Krieg als Mitbegründer der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ in München tätig, zog ihn die russische Revolution nach Moskau, wo er 1920 der Leiter des „Instituts für Künstlerische Kultur“ wurde. Als ihm klar wurde, dass die neuen Machthaber in Rußland weder der künstlerischen Freiheit allgemein, noch der abstrakten Malerei im Besonderen zugeneigt waren, kehrte er zurück und folgte im Juni 22 dem Ruf Walter Gropius‘, um am Bauhaus in Weimar zu unterrichten. Die Berliner Börsen-Zeitung veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 10. Mai eine Kritik der Einzelausstellung bei Goldschmidt-Wallerstein. So ganz kann sich der Rezensent nicht für die Abstraktion Kandinskys erwärmen, wie Paula Leu zu berichten weiß.
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Folge vom 09.05.2022Bericht aus Charkow/CharkiwCharkow oder Charkiw – diese dieser Tage so erschütternd blutig ausgetragene Frage war auch schon vor einhundert Jahren bedrückend aktuell und hatte die Stadt im Osten der Ukraine zwischen 1917 und 1920 während des Russischen Bürgerkriegs mehrfach zum Schauplatz schwerer Kämpfe gemacht. Charkow oder Charkiw – für Colin Roß stellte sich diese Frage, zumindest sprachlich nicht. Der berühmte Reiseschriftsteller (der hier in diesem Podcast schon verschiedentlich aus Südamerika berichtet hatte) hielt sich, wie damals in der deutschen Berichterstattung weithin üblich, an die russischen Sprech- bzw. Schreibweisen – und griff auch ansonsten auf einige heute nicht mehr gebräuchliche, weil als diskriminierend in Verruf gerate Redewendungen zurück. Seine Aufzeichnungen aus der Berliner Morgenpost vom 9. Mai 1922 vermitteln interessanterweise den Eindruck, als habe sich nach der Oktoberrevolution und der Herrschaftssicherung der Bolschewiki sooo viel doch (noch) gar nicht geändert. Es liest Frank Riede.