NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 09.02.2022Ein neuer Patriarch in KonstantinopelDass im ersten Rom im Januar 1922 ein Papst gestorben war, dürfte im zweiten Rom im Februar 1922 keine besonders große Nachricht gewesen sein. In Istanbul alias Stambul alias Konstantinopel waren die Christen seit geraumer Zeit erstens in der Minderheit und zweitens bekanntlich noch viel länger schon von Rom ‘abgefallen‘, d.h. bereits seit der Spätantike nur ihrem Patriarchen als Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Konstantinopel, wie auch, als primus inter pares, des gesamten orthodoxen Christentums religiös Untertan. Auch dieser zweite wichtige christliche Thron – Duplizität der Ereignisse! – stand freilich gerade zur Neubesetzung an. Nach einigen Jahren der Sedisvakanz unterstützten die in der Stadt seit 1918 herrschenden westlichen, vor allem britischen Besatzungsmächte die Kandidatur des Kreters Meletios Metaxakis, weshalb der Artikel aus der Vossischen Zeitung vom 9.2. neben dessen Beziehungen nach Griechenland auch diplomatische Annäherungen an die anglikanische Kirche in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung rückt. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 08.02.2022Berlin, wie es streikt und lebtBerlin war am 8.2.1922 wegen eines Streikes nun schon einige Tage lang de facto ohne Strom, Gas und fließend Wasser. Alle Zeitungen lieferten entweder drastische Berichte über die verzweifelte Lage in den Krankenhäusern, in denen Operationen abgesagt wurden, weil es vor allem an sauberem Wasser und Beleuchtung fehlte, oder Impressionen aus der in Dunkelheit versunkenen Metropole. Wir bringen einen in letztere Kategorie gehörenden Stimmungsbericht aus der Berliner Volks-Zeitung. Für uns begibt sich Frank Riede auf den Weg in die Bibliothek, zu Wasserstellen und durch die Straßen, auf denen keine Elektrische fährt.
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Folge vom 07.02.2022Die verunglückte ArbeiteraktieManfred Krug kaufte Telekom-Aktien und viele Leute kauften mit. Der Boom an der Börse in den 90er Jahren führte bekanntlich spätesten mit dem Platzen der “New Economy-Blase” zu unzähligen um ihre Lebensersparnisse gebrachten Kleinanleger. Den Versuch über Belegschafts- oder Volksaktien breitere Bevölkerungsschichten an den Gewinnen der Wirtschaft zu beteiligen gab es freilich schon früher. Ludwig Erhardt förderte dies etwa in den 60ern. Aber auch schon 1922 wurden solche Kleinanleger-Modelle diskutiert und die Firma Krupp versuchte, Aktien an ihre langjährigen Arbeiter:innen zu verteilen, … also zu verkaufen. Einen Überblick über das Entstehen oder eben Nicht-Entstehen des Kleinanlegertums in Deutschland bietet die Berliner Volks-Zeitung am 7. Februar 1922. Paula Leu, die bei einem Börsengang von Auf den Tag genau garantiert Belegschaftsaktien bekommt, liest.
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Folge vom 06.02.2022Wider den StreikWer ‘Auf den Tag genau‘ schon etwas länger verfolgt, weiß: Die frühen Jahre der Weimarer Republik waren eine Zeit harter Arbeitskämpfe, die hier im Podcast nicht nur verschiedentlich Thema waren, sondern hin und wieder auch die Auswahl erheblich einschränkten, weil bisweilen auch Druckereien oder Zulieferer bestreikt wurden und Zeitungen nicht erscheinen konnten. Anfang 1922 befanden sich zunächst nur die Eisenbahner im Ausstand und schränkten die Verbindung zwischen den deutschen Städten über Wochen krass ein. Dann aber folgten ihnen in Berlin auch die Arbeiter der städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke in den Ausstand und beamten die Millionenstadt für wenige Tage bei winterlichen Temperaturen zurück in einen fast vorindustriellen Zustand. Die politische Ablehnung dieses Streiks fiel bis hin zur USPD überraschend einhellig aus. Auch die am 6, Februar trotz Streiks erscheinende Vossische Zeitung wetterte heftig und verband ihre Missbilligung mit einem Plädoyer für die Wirtschaftspolitik der amtierenden Reichsregierung Wirth. Ihr Argument präsentiert uns Frank Riede.