NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 19.02.2021Freie Fahrt für AutosDass es Zeiten gab, als Personenkraftwagen auf deutschen Straßen eine Rarität darstellten, ist heute nicht mehr vorstellbar. Tatsächlich hatte aber auch im Jahre 1921 das Auto noch nicht überall freie Bahn. Die dynamische Entwicklung des Automobilismus war durch den ersten Weltkrieg erst einmal ausgebremst worden und auch die Bestimmungen im Friedensvertrag von Versailles machten die Situation nicht wirklich besser. Da war es schon eine wichtige Nachricht, als im Februar zumindest ein großer Teil der motorisierten fahrbaren Untersätze eine für das gesamte Deutsche Reich gültige Zulassung bekamen. Ob der damals eh noch lichte Schilderwald von vier auf nur noch ein Zeichen reduziert werden solle, ließ sich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht definitiv entscheiden. Aus der Voss vom 19.2. liest für uns Paula Leu.
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Folge vom 18.02.2021Die Bedeutung der preußischen LandtagswahlMit der Novemberrevolution von 1918 und ihren Folgen hatte sich Deutschland politisch tiefgreifend verändert; ein Konstruktionsproblem des alten Reiches hatte indes auch die Weimarer Verfassung nicht überwunden: Wie zu Kaisers Zeiten blieb auch die erste deutsche Republik durch eine wider-proportionale Dominanz des Landes Preußen geprägt, das sowohl mehr Fläche wie auch mehr Einwohner auf sich vereinte als alle anderen Teilstaaten zusammen. Wahlen zum preußischen Landtag, wie sie erstmals regulär am 20. Februar 1921 abgehalten wurden, waren entsprechend fast so etwas wie kleine Reichstagswahlen. Wer das noch nicht wusste, dem rief das Berliner Tageblatt vom 18. Februar die Bedeutung des anstehenden Urnengangs für das gesamte Reich dringlich ins Bewusstsein. Und verband diese Mahnung nur wenig verklausuliert mit einer Wahlempfehlung für die Deutsche Demokratische Partei, die angeblich allein die notwendige Demokratisierung des alten Obrigkeitsstaates Preußen garantierte. Warum, verrät uns Frank Riede.
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Folge vom 17.02.2021Baden + Württemberg = ?„Über Baden lacht die Sonne, über Schwaben die ganze Welt.“ Man kennt die Nickligkeiten, die Animositäten und Feindschaften, die das Verhältnis der beiden großen Teile des sogenannten deutschen Südweststaats heute noch prägen. Dass Baden und Württemberg 1952 überhaupt zusammenfanden, war alles andere als selbstverständlich. Und doch hatte die Vereinigung der so unterschiedlichen schwäbischen und badischen Mentalitäten in einem Bundesland damals bereits eine lange, bis an den Beginn des 19. Jahrhunderts zurückreichende Vorgeschichte. Auch in den Jahren direkt nach dem 1. Weltkrieg wurde diese Frage heftig diskutiert: Das größere und wirtschaftlich stabilere Württemberg würde gerne; aber Baden ziert sich. Die Deutsche Allgemeine Zeitung berichtet aus Karlsruhe, für uns liest der in Norddeutschland gebürtige, rheinisch sozialisierte, in Hessen ausgebildete Wahlberliner Frank Riede.
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Folge vom 16.02.2021Aufschwung der ParfümindustrieOft gibt es bei Auf den Tag genau eher negative Berichte zur wirtschaftlichen Lage des Deutschen Reiches zu hören. Der Rohstoffmangel, die Auflagen des Friedensvertrags wurden immer wieder als Ursache für eine schleppende Wiedererrichtung der deutschen Wirtschaft angeführt. Umso überraschender der Artikel von Paul Elsberg im Wirtschaftsteil der Vossischen Zeitung vom 16. Februar 1921 über den Aufschwung der deutsche Parfümindustrie. Zweifelsfrei hatte die Vorreiterstellung der chemischen Industrie dazu geführt, dass Deutschland vor dem Krieg Marktführer für synthetische Duftstoffe war, insofern gab es eine Entwicklung an die man nun anknüpfen konnte. Trotz aller Hindernisse, wachse der inländische Markt und deutsche Parfums seien mit denen Frankreichs konkurrenzfähig. Ob letztere Feststellung nicht eher ein frommer Wunsch des Autors war, sei dahingestellt. Vielmehr stellt sich die Frage: Warum produziert die deutsche Parfümindustrie „Duft-Eier“? Aufklärung bringt für uns Paul Leu.