Sven Regener schickt zwei Brüder durch das verschneite Westberlin der 1980er-Jahre. Und die US-amerikanische Autorin Sierra Greer erzählt von einem weiblichen Roboter, der um seine Freiheit kämpft.
Westberlin, 23. Dezember 1980: Die Brüder Frankie und Freddie Lehmann ziehen durch die verschneite Stadt auf der Suche nach einer verschwundenen Tasche. Unterwegs holen sie nach, was sie seit Jahren nicht mehr getan haben: Sie sprechen sich aus. In «Frankie und Freddie» erzählt Sven Regener vom Erwachsenwerden, von Entscheidungen, die man später vielleicht bereut, und vom Leben in einer Stadt, die von der Aussenwelt abgeschnitten ist und allmählich vor die Hunde geht. Diesen Fragen geht Regener in seiner gewohnt eloquenten und unterhaltsamen Art nach.
In ihrem Debütroman «Annie Robot» erzählt die US-Amerikanerin Sierra Greer die Geschichte eines weiblichen Roboters namens Annie. Sie lebt in naher Zukunft und gehört dem Mittdreissiger Doug, der glaubt, an der Menschmaschine hemmungslos sein chauvinistisches Frauenbild ausleben zu können. Annie soll putzen, kochen und sich ihm jederzeit sexuell zur Verfügung stellen. Doch dann beginnt sie zu lernen – und damit beginnt ihr Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung. Der packende Roman biete «einen guten Mix aus Unterhaltung und Tiefgang» und sei thematisch «voll auf der Höhe der Zeit», urteilt Literaturredaktor Felix Münger.
Buchhinweis:
Sven Regener. Franke und Freddie. 288 Seiten. Galiani Berlin, 2026.
Sierra Greer. Annie Robot. Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer. 351 Seiten. Liebeskind, 2026.
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Folge vom 06.10.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Sven Regener und Sierra Greer
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Folge vom 15.09.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Sonja Sophie Kreis, Julia von Lucadou«Zeiten erhöhter Gefahr» der deutschen Schriftstellerin Julia von Lucadou und der soeben für die Shortlist des Schweizer Buchpreises nominierte Roman «Das grosse Eis» von Sonja Sophia Kreis sind die aktuellen Buchtipps der SRF-Literaturredaktion. Anna besucht ihren Bruder in Grönland, der aber irgendwo im Landesinnern festsitzt. Beim Warten notiert sie Erinnerungen an ihre Familie. Im Zentrum von «Das grosse Eis» von Sonja Sophia Kreis steht Annas Mutter, die nach dem Krieg von der deutschen auf die Schweizer Bodenseeseite geheiratet hatte und dort unglücklich wurde. Über vier Generationen spannt sich die Erzählung und enthüllt das Bild einer Familie, in der über alles geschwiegen wird und alle einsam sind. Das grosse Eis in Grönland wird so zum Spiegel für die innerlichen Vergletscherungen, sagt Markus Gasser, der das Buch im Gespräch vorstellt. «Zeiten erhöhter Gefahr» von Julia von Lucadou erzählt von einem Mittfünfziger, der von obsessivem Sicherheitsdenken getrieben ist. Er unterhält im Keller seines Hauses einen atombombensicheren Bunker, arbeitet in einer Firma für Festungsanlagen und beschäftigt sich auch in der Freizeit mit Sicherheitsfragen. Als der Mann im Wald eine Leiche entdeckt, gerät seine Welt aus den Fugen. Literarisch geschockt verbindet das Buch das stark verbreitete Gefühl der Verunsicherung aufgrund der globalen Lage mit inneren Konflikten eines Einzelnen - und biete dadurch eine überaus fesselnde Lektüre, sagt Felix Münger. Buchhinweise: Sonja Sophie Kreis. Das grosse Eis. 255 Seiten. Rowohlt Berlin, 2026. Julia von Lucdou. Zeiten erhöhter Gefahr. 221 Seiten. Hanser Berlin, 2026.
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Folge vom 08.09.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Alain Claude Sulzer und Micha LewinskyDer Basler Autor Alain Claude Sulzer bringt uns das Theater als Lebensweise näher. Und der Zürcher Filmemacher und Schriftsteller Micha Lewinsky erzählt vom Älterwerden und davon, was bleibt, wenn jugendliche Ideale auf die Realität treffen. Ein bedeutender Regisseur und Intendant eines Berliner Thaters stirbt auf tragische Weise. Jetzt treffen sich seine früheren Mitstreiterinnen und Mitstreiter zur Trauerfeier. Alain Claude Sulzers Theaterroman erzählt im Wesentlichen die Biografien der verschiedenen Theaterleute auf dieser Feier. Der Roman überzeugt mitunter dadurch, dass der Autor sehr genau weiss, wovon er spricht, sagt SRF-Literaturredaktor Michael Luisier. Konkret heisst das, dass Alain Claude Sulzer das Theater als das beschreibt, was es tatsächlich ist: eine Lebensweise. Zürich in den 1990er-Jahren: besetzte Häuser, illegale Bars und für viele junge Leute das Gefühl, die Welt neu erfinden zu können. In seinem neuen Roman «Freunde von früher» blickt der Filmemacher und Schriftsteller Micha Lewinsky auf diese Zeit zurück und erzählt die Geschichte von Béla, der auf einmal die Chance hat, zusammen mit seinen alten WG-Kameraden, ein Haus zu kaufen. Ein unterhaltsamer Roman über das Älterwerden und vom Altern jugendlicher Ideale, meint SRF-Literaturredaktorin Jennifer Khakshouri. Buchhinweise: Alain Claude Sulzer. Szenenwechsel. 255 Seiten. Galiani Berlin, 2026. Micha Lewinsky. Freunde von Früher. 272 Seiten. Diogenes, 2026.
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Folge vom 25.08.2026Aktuelle Buchempfehlungen: Ruth-Maria Thomas und Ronja von RönneVon Lügen und Liebe: «Die zweitgrösste Liebe» von Ruth-Maria Thomas und «Alles Liebe» von Ronja von Rönne, dies die beiden Romane dieser Ausgabe von «Literaturclub Buchtipps». Er: grossgeworden mit Au-pairs und Austern. Sie: Aufgewachsen in Ostdeutschland als Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die Tag für Tag im Altenheim malochen musste. Als die beiden einander begegnen, funkt es sofort. Aber kann eine Beziehung halten, wenn die Startbedingungen ins Leben dermassen unterschiedlich waren? Diese Frage lotet die deutsche Autorin Ruth-Maria Thomas in ihrem Roman «Die zweitgrösste Liebe» aus. 300 Seiten mit knackigen Sexszenen, Beschreibungen behaglicher Liebesmomente sowie mit Diskussionen ums Geld. Literaturredaktorin Katja Schönherr ist begeistert von diesem Buch. Ronja von Rönnes Figuren sehnen sich nach Aufmerksamkeit und Nähe. Ihr Mittel zum Zweck sind immer dreistere Lügengeschichten. Die deutsche Autorin führt in ihrem neuen Roman «Alles Liebe» vor, wie weit Menschen für etwas Zuneigung gehen – und seziert nebenbei gesellschaftliche Konzepte von Lüge, Wahrheit und Liebe. Simon Leuthold hat das Buch grosses Vergnügen bereitet, nicht zuletzt wegen des moralischen Glatteises, auf das ihn die Autorin beim Lesen geführt hat. Buchhinweise: Ruth-Maria Thomas. Die zweitgrösste Liebe. 304 Seiten. dtv, 2026. Ronja von Rönne. Alles Liebe. 240 Seiten. dtv, 2026.