Im Wettbewerb um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 hat sich Chemnitz gegen Nürnberg, Hannover, Magdeburg und einige andere durchgesetzt. Dresden hatte zuvor selbst aufgegeben. Sachsens drittgrößte Stadt ist weder schön noch eine Kultur-Metropole. In seiner Bewerbung hatte Chemnitz versprochen, im Kulturhauptstadtprogramm auch die Ausschreitungen vom August 2018 aufzuarbeiten. Damals jagten Neonazis und andere Rechtsextremisten Ausländer und andere, die nicht in ihr Weltbild passen, durch die Straßen der Stadt.
Im 19. Jahrhundert galt Chemnitz als das „sächsische Manchester“. Damals war sie eine der reichsten Industriestädte Deutschlands. Spuren des Aufbruchs finden sich im größten zusammenhängenden Jugendstilviertel Deutschlands auf dem Kassberg und im sächsischen Industriemuseum, einem der größten des Landes.
Die DDR wollte aus den Trümmern der Industriemetropole nach dem Zweiten Weltkrieg eine sozialistische Musterstadt bauen. Sie hieß nun Karl Marx Stadt und erhielt die weltgrößte Büste der Welt, den Karl Marx Kopf, sächsisch Nischel genannt.
Nach der Wende verschwanden die Industrie, die Arbeitsplätze und viele Menschen. Fast ein Drittel der einst 360.000 Einwohner zog weg. Die Brüche und Widersprüche finden sich überall im Stadtbild: DDR-Plattenbauten, prächtige Bauwerke aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, Brachflächen und Freiräume.
Die immer noch günstigen Mieten locken Kreative nach Chemnitz, aber auch Neonazis aus ganz Deutschland, die sich hier ihre eigenen Netzwerke geschaffen haben. Eine bunte Zivilgesellschaft hält mutig dagegen. In kaum einer Stadt dieser Größe gibt es eine so bunte, lebendige Kunst- und Kulturszene. Junge Leute bauen einen alten Bahnhof zum Club um, andere organisieren Festivals in leerstehenden Fabriken aus dem 19. Jahrhundert. Ein Mäzen kauft und renoviert leerstehende Bauten, um sie günstig an Künstlerinnen und Künstler zu vermieten. Alternative Wohnprojekte begegnen dem Rechtstrend mit positiven Visionen der Zukunft.
Eine Reportage von Robert B. Fishman aus Europas Kulturhauptstadt 2025
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Folgen von Zwischen Hamburg und Haiti
98 Folgen
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Folge vom 20.10.2024Chemnitz - Kulturhauptstadt Europas 2025
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Folge vom 13.10.2024Nunavik - Duch Kanadas große WildnisNunavik, in der Sprache der Inuit „Das Land, in dem es sich leben lässt“, liegt im hohen Norden der kanadischen Provinz Québec und erstreckt sich über eine Fläche von 510.000 Quadratkilometer - so groß wie Deutschland, Dänemark, Niederlande, Belgien und die Schweiz. Ein Land, das sich aus Millionen von Seen und Flüssen zusammensetzt, unterbrochen von Wäldern, Bergen und leuchtenden Moos- und Flechtenteppichen. Ein einzigartiges Stück Natur, in dem Wölfe, Moschusochsen, Karibus, Füchse, Weißkopfseeadler sowie Schwarz- und Polarbären leben. Nur 11.000 Inuit und Naskapi, das Volk jenseits des Horizonts, bewohnen diesen fantastischen Naturraum. Von Montréal fliegen Achill Moser und Aaron Moser nach Kuujjuag, die größte Inuit-Siedlung (2.500 Einwohner) in Nunavik. Als Gäste der Inuit, die ihnen tiefe Einblicke in ihre Kultur geben, erfahren sie, dass Kanadas große Wildnis durch die Erkundung von Erzvorkommen bedroht ist, sodass die Inuit um die Erhaltung ihrer angestammten Heimat fürchten. Ein Hubschrauber bringt Vater und Sohn von Kuujjuaq in die Wildnis von Nunavik - und setzt sie dort ab. Auf sich allein gestellt erlebt das Duo, per Faltkajak und zu Fuß, eines der letzten großen unberührten Natur- und Tierparadiese unserer Erde. Reportagen der Naturfotografen und Buchautoren Achill Moser & Aaron Moser