NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 25.06.2022Der Tag der TrauerIn den wenigen Jahren ihres Bestehens hatte die junge Weimarer Republik schon zahlreiche blutige Anschläge auf sich und etliche ihrer Protagonisten erlebt. Aber kein Ereignis hatte sie so tief ins Mark erschüttert wie der Mord an Außenminister Walther Rathenau am 24. Juni 1922. Auch 24 Stunden später stand das politische Berlin noch immer unter Schockstarre. Während eine fieberhafte Suche nach den Tätern anlief, macht sich der Berliner Börsen-Courier vom 25. Juni seine Gedanken über das ursächliche Klima des Hasses und die dafür verantwortlichen Hintermänner, deren furchtbare Rechnung man in dem Attentat aufgegangen sehen mochte. Denn eine Figur, die in Rathenaus Fußstapfen treten und die großen Herausforderungen zu stemmen vermöge, vor der die unruhige Republik stand, sei weit und breit nicht in Sicht. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 24.06.2022Walther Rathenau ermordet!Am 23. Juni 1922 hatte der amtierende Außenminister der Weimarer Republik Walther Rathenau noch bis tief in die Nacht mit dem industriellen Hugo Stinnes und dem amerikanischen Botschafter Alanson Houghton über die Reparationsfrage diskutiert, am folgenden Vormittag wurde er von seinem Chauffeur in einem offenen Wagen von seinem Wohnsitz durch den Grunewald zum Auswärtigen Amt gefahren – trotz wiederholter Morddrohungen ohne Polizeieskorte. An einer Kreuzung wurde er von rechten Attentätern, Mitgliedern der geheimen „Organisation Consul“, die zuvor bereits für die Attentate auf Matthias Erzberger und Philipp Scheidemann verantwortlich war, von einem vorbeifahrenden Auto aus ermordet. Dieser politische Mord erschütterte die junge Republik zutiefst. Spätestens hier musste allen klar werden, dass auf Hass, Hetze, Propaganda und antisemitisch motivierte Beschimpfung auch tatsächlich brutale Gewalt, Mord- und Totschlag folgen. Am 24. Juni wurde noch nicht viel analysiert, die Zeitungen berichteten über den Hergang der Tat. Aus dem Berliner Tageblatt liest Frank Riede.
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Folge vom 23.06.2022Baden in der Zitadelle SpandauDer Sommer ist da, in Berlin scheint endlich mal die Sonne, es wird heiß zwischen Häuserfassaden, geteerten Straßen und rissig gestalteten Kopfsteinpflasterbürgersteigen. Wohin also zur Abkühlung? Zum überlaufenen Wannsee? Nach Brandenburg? Die DAZ vom 23. Juni 1922 hat da einen Geheimtipp auf Lager: Das Freibad in der Zitadelle Spandau. In der sehr gut erhalten Festungsanlage aus der Renaissance, war 1922 tatsächlich eine Badeanlage der dort stationierten Militäreinheit, die diese aber für das Publikum öffnete. Der Autor, der über seinen Besuch dort berichtet hat nicht nur Augen für Architektur und Landschaft, sondern auch für die Badestelle für Damen auf der anderen Seite des Kanals, bei deren Betrachtung er eine leider zeittypisch etwas sexistische Haltung offenbart. Paula Leu liest für uns dieses Zeitdokument zu den Schwimmstellen in der Zitadelle.
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Folge vom 22.06.2022Die Erfindung der Welt-Zeit-UhrDie globale wirtschaftliche Verflechtung brachte die Notwendigkeit mit sich, die Zeit des Gegenübers am anderen Ende der Welt zu kennen. Hatten einzelne große Flächenstaaten wesentlich auf Betreiben der Eisenbahngesellschaften Zeitzonen auf ihrem Territorium durchgesetzt, so wurde das weltweite System der Zeitzonengrenzen auf der Internationalen Meridiankonferenz 1884 in Washington verankert. 1922 berichtet die Berliner Volkszeitung von der Erfindung einer Weltzeituhr, die die drängenden Fragen: Wieviel Uhr ist es in New York? Und wann öffnet die Börse in Sidney? schnell beantworten sollte. Frank Riede schaut für uns mit auf das Ziffernblatt.