NachrichtenKultur & Gesellschaft
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Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 20.03.2021Die Trauerfeier für Talât PaschaWar es alte deutsch-türkische Verbundenheit aus Weltkriegstagen? Oder hat man es als schlichtes ‘De Mortuis nihil nisi bene‘ zu werten? In ihrem Bericht von der Trauerfeier für den unlängst in Berlin ermordeten ehemaligen türkischen Innenminister Talât Pascha enthielt sich die Deutsche Allgemeine Zeitung vom 20. März 1921 auf jeden Fall aller weiterreichenden Erläuterungen zu dessen Rolle beim Völkermord an den Armeniern. Stattdessen galt ihr Hauptaugenmerk dem Zeremoniell, das für mitteleuropäische Augen seinerzeit offensichtlich überaus exotisch anmutete – und dessen Beschreibung hier doch in all ihrer Schwäche für Karl-May-artige Orientklischees zugleich auf faszinierende Weise andeutet, wie international, wie kosmopolit, wie multiethnisch Berlin auch schon Anfang der 1920er Jahre geprägt war. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 19.03.2021Auflösung der StädteStadtfeindschaft? Sehnsucht nach dem Land? Wieder nimmt einer der von uns gesendeten Artikel Schlagworte und Themen vorweg, die auch heute die Runde machen. Ist das Stadtleben noch zeitgemäß? Oder ist Urbanität nicht eher ein Konstrukt, inauthentisch und überbewertet? Das sogenannte Neue Bauen der 1920er versuchte sich zumindest sehr daran, die alten Mietskasernen durch naturnahe Gartenstädte und ähnliche Siedlungen zu ersetzen. Einer seiner wichtigsten Protagonisten, der Berliner Architekt Bruno Taut, veröffentlichte 1921 nicht zufällig ein Skizzenbuch mit dem programmatischen Titel: „Die Auflösung der Städte“. Die Freiheit zeigt sich in ihrem Artikel vom 19.3. durchaus angetan. Gelesen von Frank Riede.
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Folge vom 18.03.2021Gravierende Diskriminierung “unehelicher Mütter”Für heutige Verhältnisse unvorstellbar, war es gemäß der Richtlinien der Postbeamtinnen-Organisation 1921 möglich, uneheliche Mütter - wegen dieser in Anführungsstrichen „moralischen“ Verfehlung – zu entlassen. Dass zumindest einige Parteien eine solche Regelung des Beamtinnen-Rechts auch schon in den 20er Jahren für skandalös hielten, zeigt sich an dem Bericht von einer Reichstagsdebatte zu diesem Thema aus dem Vorwärts vom 18. März. Der zuständige Postminister Johannes Giesberts von der katholischen Zentrumspartei sah, wie man sich denken kann, keinen Handlungsbedarf, weshalb ihm auch entsprechende Bibelzitate aus dem Munde von SPD-Abgeordneten um die Ohren flogen. Für uns liest Paula Leu.
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Folge vom 17.03.2021Wieder aufgelegt: Paris-Warschau (über Berlin)Die Eisenbahn ist nicht nur eine Ikone der Industrialisierung, sie steht auch für Grenzüberschreitung, Internationalität und Weltläufigkeit. Die prächtigen Bahnhofsbauten waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts keine einfachen Verkehrsknotenpunkte. In ihrer rastlosen Betriebsamkeit wurden sie Zeichen der Mondänität ihrer Stadt, ihres Landes. Kein Wunder, dass der erste Expresszug der Nachkriegsjahre von Paris über Berlin nach Warschau gerade für Deutschland ein großes Ereignis war. Dem Bericht des Berliner Tageblatts vom 17. März 1921 zumindest merkt man die Genugtuung darüber an, wieder irgendwie, mindestens ein wenig dazuzugehören. Gelesen von Paula Leu.