NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 16.09.2020Sturmtage in TriestNachdem die Podcast-Folge am vergangenen Freitag den turbulenten Ereignissen in Fiume alias Rijeka gewidmet war, wandert unser heutiger Blick ein paar Kilometer westwärts über den Karst nach Triest, wo sich die politische Lage zwei Jahre nach Kriegsende gleichfalls noch bemerkenswert chaotisch darstellte. Vormals Österreich-Ungarns wichtigster Hafen und dank dieser Funktion dort so etwas wie die dritte Stadt im Reiche, lieferten sich jetzt auf seinen Straßen und Plätzen Rechte und Linke, Italiener und Slowenen erbitterte Kämpfe – und ließen Triest, selbst für den Fall eines baldigen Anschlusses an Italien, einer ökonomisch unsicheren Zukunft entgegenblicken. Der Journalist und später berühmte Reiseschriftsteller Richard Katz sah dies in seinem Bericht für die Vossische Zeitung vom 16. September 1920 präzise voraus. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 15.09.2020Das LautarchivÜber Jahrtausende sammeln Bibliotheken Texte, sei es in Form von Schriftrollen, Tontafeln, Papyri oder Druckerzeugnissen.... Um 1900 ermöglichen die technischen Erfindungen der Tonaufzeichnung das Festhalten von Tönen, Sprache und Geräuschen – die ersten Lautarchive sind geboren. Von Anfang an hat die Sammlungstätigkeit einen entweder stark ethnologischen oder sprachwissenschaftlichen Fokus, bzw. bewahrte die Stimmen großer Persönlichkeiten. Von der Gründung einer der bedeutendsten Sammlungen dieser Tonplatten und -zylinder, dem Berliner Lautarchiv an der Staatsbibliothek, berichtet voller Begeisterung im Berliner Tageblatt vom 15. September 1920 Dr. Hermann Schönhof. Heutzutage ist das Lautarchiv dem Helmholzzentrum für Kulturtechnik angegliedert. Wir haben für diese Podcastfolge die Stimme von Frank Riede aufgezeichnet.
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Folge vom 14.09.2020Die Taille ist zurückJulie Elias war eine feste Größe des Kulturlebens der Weimarer Republik, die heute weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Sie verband, fest davon überzeugt, dass diese eng miteinander verknüpft sind, den modischen Geschmackssinn mit dem kulinarischen Geschmackssinn. Als Modejournalistin veröffentlichte sie unzählige Artikel und als, wie man heute sagen würde, Food-Journalistin zahlreiche Kochbücher, wobei besonders ihre Auseinandersetzung mit der jüdischen Küche Bekanntheit erlangte. Vor den Nazis floh sie nach Norwegen, wo sie im Untergrund lebend, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges verstarb. Ihr Sohn wurde zwei Jahre zuvor verhaftet und in Auschwitz ermordet. Paula Leu liest Julie Elias’ Modeglosse aus dem Berliner Tageblatt vom 14. September 1920, in der sie sich mit der Wiederkehr der Taille und dem Japonismus beschäftigt.
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Folge vom 13.09.2020Grabrede auf Rudolf MosseRudolf Mosse gehört zweifelsfrei zu den prägenden Verlegergestalten der Berliner Stadtgeschichte. Ursprünglich aus Grätz bei Posen stammend, baute er seit den 1860er Jahren in der Hauptstadt des baldigen Kaiserreiches ein Zeitungsimperium auf, das vor allem das aufgeklärte Berliner Bürgertum adressierte. Flaggschiff war das 1872 gegründete Berliner Tageblatt, das sich spätestens ab 1906 unter der Ägide seines berühmten Chefredakteurs Theodor Wolff, einem Vetter Mosses, zum Inbegriff der liberalen Großstadtzeitung entwickelte. Als Mosse am 8. September 1920 starb, war Wolff es auch, der in Weißensee auf dem Jüdischen Friedhof die Grabrede hielt. Aus ihr, abgedruckt am 13. September – natürlich – im Berliner Tageblatt, liest Frank Riede.