NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 08.09.2020Lessing am HakenkreuzKaum ein deutscher Klassiker widersetzte sich jeder völkisch-nationalistischen Vereinnahmung im 20. Jahrhundert so konsequent wie Gotthold Ephraim Lessing. Sein leidenschaftlicher Einsatz für den Toleranzgedanken und namentlich die Sache der Judenemanzipation machten ihn schon Anfang der 1920er Jahre, also lange vor dem Aufstieg der Nazis zum Feindbild in den entsprechenden Kreisen wie etwa der antisemitisch besessenen ‘Deutschen Zeitung‘. Deren durchschaubare Versuche, Lessings Stellung im Literaturkanon in Frage zu stellen, nahm das Berliner Tageblatt am 8. September 1920 zum Anlass für eine polemische Replik, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig lässt – und in der Rückschau Nathans des Weisen Schicksal nach 1933 fast schon vorausahnt. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 07.09.2020Polen und Litauen - der neueste osteuropäische KonfliktIm September 1920, also knapp zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, stellte sich die politische Lage in Ostmitteleuropa noch immer sehr unübersichtlich dar; etliche Territorialkonflikte waren weiter ungelöst. Die wiedererstandene Polnische Republik befand sich wenige Wochen nach dem ‘Wunder an der Weichsel‘ nicht nur nach wie vor im Krieg mit der jungen Sowjetunion. Auch mit dem 1918 gleichfalls für unabhängig erklärten Nachbarn Litauen gab es bewaffnete Auseinandersetzungen. Zankapfel war vor allem die Gegend um das von beiden Seiten beanspruchte Vilnius, polnisch: Wilna, das für Litauen von größter historischer Bedeutung, seinerzeit aber ganz überwiegend von polnischsprachiger – und jiddischsprachiger – Bevölkerung bewohnt war. Aus einem Korrespondentenbericht der Vossischen Zeitung vom 7. September 1920 liest Frank Riede.
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Folge vom 06.09.2020Der WeltbücherkatalogNoch um die letzte Jahrtausendwende herum begann ein Universitätsstudium in der Regel mit einer langatmigen Einführung in die Zettelkataloge und endlosen zig-bändigen bibliographischen Nachschlagewerke der Institutsbibliothek, in denen man thematisch sortierte Fachliteratur finden konnte. Diese Nachschlagewerke waren eine Kunst für sich und der Bonner Bibliothekar Wilhelm Erman, der sich bereits vor hundert Jahren um möglichst umfassende, alle Bücher der Welt berücksichtigende Zusammenstellungen bemühte, einer ihrer Pioniere. Der Vorwärts berichtet am 6. September über seine Initiative zu einem Weltbücherkatalog. Für uns liest Paula Leu.
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Folge vom 05.09.2020Vom Brettel - Ausflug in die Berliner KleinkunstszeneBereits in den 1920er Jahren war Berlin nicht allein für seine zahlreichen großen Theater, gleich mehrere Opernhäuser und eine beinahe konkurrenzlos reiche Orchesterlandschaft berühmt, sondern zehrte als Kulturmetropole von Weltruf desgleichen auch von seiner ungeheuer vielfältigen, lebendigen Kleinkunstszene. Einen journalistischen Ausflug in diese Welt von Varieté und Kabarett unternimmt in ihrer Ausgabe vom 5. September 1920 die Berliner Börsen-Zeitung. Mögen uns die Namen der meisten hier genannten Künstlerinnen und Künstler heute auch nicht mehr allzu viel sagen, so vermittelt der Bericht doch einen anschaulichen Eindruck von der damaligen Kunst des sogenannten Brettel. Es liest Frank Riede.