NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 12.08.2020Es wäre kein Brexit nötig gewesen…England und Europa – dieses Verhältnis war schon lange vor dem Brexit ein heikles Thema. Vor hundert Jahren witterte vor allem Frankreich im britischen Hegemonialstreben die Gefahr, Europa könne vollständig nach den Interessen Londons reorganisiert werden, was dann insbesondere zu Lasten der Franzosen ginge. In der Vossischen Zeitung vom 12.8.1920 wird alternativ über eine das europäische Schicksal gemeinsam bestimmende Mächtegruppe, die „Vereinigten Staaten von Europa“, nachgedacht. Der Kern dieser Gruppe müsste nicht zwangsläufig allein aus Siegermächten des 1. Weltkriegs bestehen. Vielmehr wäre gerade ein deutsch-französisches Bündnis in der Lage, Europa zu stabilisieren und seine Zukunft zu sichern. Gelesen von Frank Riede.
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Folge vom 11.08.2020Rückkehr nach ReimsDer Blick zurück auf die Wunden des Weltkrieges ist Anfang der 20er Jahre auch in der Berliner Tagespresse bis weit ins liberale und linke Spektrum hinein von erheblicher Larmoyanz dominiert. Im Mittelpunkt steht in aller Regel das eigene Leiden und die Ungerechtigkeit, die Deutschland durch den Versailler Friedensvertrag widerfahren sei. Davon abweichend und deshalb überaus bemerkenswert nimmt sich vor diesem Hintergrund ein kleiner Artikel am 11. August 1920 in der Berliner Volks-Zeitung aus, der den deutschen Kunsthistoriker Otto Grautoff nach Reims begleitet. Schonungslos und durchaus selbstkritisch wird hier die Kriegszerstörung der dortigen Kathedrale, des vielleicht wichtigsten französischen Nationalheiligtums, durch deutsche Truppen thematisiert. Es liest Paula Leu.
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Folge vom 10.08.2020Der Genozid an den ArmeniernDer Genozid an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges gilt als einer der ersten Völkermorde des 20. Jahrhunderts. Von staatlicher türkischer Seite bis heute geleugnet, gibt es doch hinreichend Augenzeugenberichte, die schon früh Umstände und Ausmaß der Massaker und Todesmärsche publik machten. Eine der wichtigsten Stimmen war diesbezüglich der deutsche Dolmetscher und Kriegsberichterstatter Heinrich Vierbücher, der 1930 das Standardwerk ‘Armenien 1915‘ vorlegte, welches mit erschütternder Klarheit den Völkermord in seinem Ablauf beschreibt und als Zeitdokument bis heute immer wieder neu aufgelegt worden ist. In einer komprimierten Form konnte man die wesentlichen Fakten aus Vierbüchers Feder indes bereits am 10. August 1920 – dem Tag, an dem das Osmanische Reich den Friedensvertrag von Sèvres unterzeichnete - im Vorwärts nachlesen. Hier tut dies Frank Riede.
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Folge vom 09.08.2020Die Rote Armee vor WarschauMitte 1920 sahen die meisten Beobachter des Polnisch-Sowjetischen Krieges Polen als sicheren Verlierer. Die Rote Armee hatte die anfänglichen polnischen Erfolge zunichte gemacht und stand zwischenzeitlich kurz vor Warschau. Die Stadt machte sich zur Verteidigung bereit. Durch einen geschickt geführten Gegenangriff sollte das von Josef Pilsudski geführte Heer es in der Folge tatsächlich schaffen, das Kriegsglück wieder auf polnische Seite zu ziehen und im Frieden von Riga im Folgejahr die Unabhängigkeit des Landes zu sichern. Am 9. August allerdings war das noch nicht abzusehen. Max Theodor Behrmann berichtet für die Vossische Zeitung folglich auch von einer angespannt-nervösen Atmosphäre in Warschau. Es liest Paula Leu.