NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 08.03.2025Die Kandidaten für die ReichspräsidentenwahlDass die ordnungsgemäße Durchführung einer demokratischen Wahl logistisch kein Kinderspiel ist, wissen wir spätestens seit den Komplikationen bei den Berliner Bundestags- und Abgeordnetenhauswahlen 2021, die wegen verschiedener Pannen in Teilen bzw. sogar in Gänze wiederholt werden mussten. Umso erstaunter ist man von dem straffen Tempo, das man diesbezüglich 1925 an den Tag zu legen vermochte: Am 28. Februar starb relativ überraschend Reichspräsident Ebert, bereits am 29. März wurde in einem ersten Wahlgang über seine Nachfolge abgestimmt. Bei der Aufstellung ihrer Kandidaten hatten die Parteien entsprechend wenig Zeit zu verlieren. Auf der Rechten, entnehmen wir den Hamburger Nachrichten vom 8. März, hatte man sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf den Duisburger Oberbürgermeister und ehemaligen Reichsinnenminister Karl Jarres geeinigt, in den Reihen der Weimarer Koalition rang man indes noch um eine Entscheidung. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 07.03.2025Die “Apachen” von ParisAnfang des 19. Jahrhunderts wimmelte es in den Armenvierteln von Paris von sog. „Apachen“. So wurden bezeichnet – und bezeichneten sich so auch selbst – Kleinkriminelle, Zuhälter und Schläger in den Armenvierteln der französischen Hauptstadt. Worin genau der Zusammenhang mit der indigenen Bevölkerung Nordamerikas bestand, lässt sich wohl nicht klären. Der „Petit Robert“ verzeichnet für frz. „Apache“ ab 1902 die Bedeutung: „Gauner, der zu allen Missetaten bereit ist.“ Diese Begrifflichkeit, heute beinahe vergessen, war in den 20er Jahren so sehr verbreitet, dass sie dem Hamburger Publikum nicht erläutert zu werden brauchte. Über „Pariser Nachtgestalten“ berichtet der Hamburger Anzeiger vom 7. März 1925 und taucht tief in den „Bauch von Paris“ ein, in dem es von diesen „Apachen“ wimmelt, in ein Milieu, in dem die Frauenfeindlichkeit samt brutalster Übergriffe wohl zum Alltag gehörte und auch in diesem Bericht nur schwer erträglich ist.
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Folge vom 06.03.2025Die Beisetzung Eberts in HeidelbergGroße Trauerumzüge, an denen gefühlt eine ganze Stadt teilnimmt, sind nicht mehr fester Bestandteil der politischen Trauerrituale in Deutschland. Allerdings kann ich mich, auf ein Nachbarland schauend, sehr gut an den Trauerzug im Jahre 2011 durch die Prager Innenstadt erinnern, als zehntausende Menschen Abschied vom Präsidenten Vaclav Havel (Waazlaff Hawell (Betonungen jeweils auf der ersten Silbe)) nahmen. Bevor der erste Reichspräsident Weimars Friedrich Ebert am 5. März 1925 in seiner Heimatstadt Heidelberg beerdigt wurde, wurde sein Sarg in einem großen Umzug durch die Stadt geführt – und so wie alle Zeitungen des Hamburger Raumes berichtete auch die Wilhelmsburger Zeitung am Tage danach. Wie der Trauerzug ablief, wer mitmarschierte und wer sprach, das weiß Frank Riede.
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Folge vom 05.03.2025So könnte der neue Hamburger Senat aussehenEs war die große Reichspolitik, die die Zeitungen vor einhundert Jahren, nach dem Tod von Reichspräsident Ebert, in Atem hielt. Aber auch in den Ländern und Kommunen standen natürlich weiterhin Entscheidungen, und eben dorthin lenkt das Hamburger Echo in seiner Ausgabe vom 5. März 1925 den Fokus. Bereits im Oktober 1924 war in der Hansestadt eine neue Bürgerschaft gewählt worden, in der die alte Koalition aus SPD und DDP seine Mehrheit knapp verloren hatte. Nach langen Verhandlungen hatte man deshalb getan, was auf Reichsebene nicht geklappt hatte, nämlich die rechtsliberale DVP mit ins ansonsten linksliberale Boot zu holen. Weshalb man in Hamburg als recht gutheißen sollte, was in Berlin nicht billig war, erläutert das Echo seiner sozialdemokratischen Leserschaft – und uns Rosa Leu.