NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 24.02.2025Berlin hat wieder Geld oder gibt es zumindest ausBerlin-Bashing ist beileibe keine Erfindung erst der sogenannten Berliner Republik, sondern wurde, wie wir gleich von Frank Riede erfahren, auch schon in früheren Zeiten eifrig betrieben. Die Spitzen, die der Hamburgische Correspondent am 24. Februar 1925 der Hauptstadt widmete, zielen vor allem klassisch auf die angebliche Verschwendungssucht, der man an der Spree fröne und die man, so der Subtext, natürlich im arbeitenden Rest des Landes finanziere. Im Fokus der Kritik steht dabei eine Ampel, die freilich nichts mit Politik zu tun hat, sowie eine Wintersportanlage im Grunewald, welche sich wegen der Schneelosigkeit im märkischen Winter 1925 als Gegenstand des hanseatischen Spottes ganz besonders aufdrängte.
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Folge vom 23.02.2025Rheinischer Karneval 1925Hamburg war und ist so wenig wie Berlin eine Karnevals-, Faschings- oder Fastnachtmetropole, weshalb der Hamburgische Correspondent am 23. Februar 1925 sich selbstredend extra muros umtun muss, um seiner Leserschaft ein wenig fünfte Jahreszeit ins Haus flattern zu lassen. Die Autorin Liesbet Dill stammt immerhin von der Saar, weshalb sie entsprechend Expertise mitbringt, zu erläutern, was am Karneval spezifisch rheinisch sei und warum sie die Norddeutschen und interessanterweise auch die Süddeutschen diesbezüglich für wenig talentiert hält. Das meiste, was sie zu berichten weiß, kommt dem rheinischen Straßenkarneval, wie man ihn von heute kennt oder zu kennen meint, relativ nahe. Nur vom 11.11. ist noch nicht die Rede, als Beginn des bunten Treibens markiert der Text noch nach alter Sitte den 6. Januar. Für uns ins närrische Getümmel gestürzt hat sich, nein, nicht der Rheinländer Frank Riede, sondern die Berlinerin Rosa Leu.
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Folge vom 22.02.2025Was sagt der Konjunktur-Barometer?Das Barometer, abgeleitete vom altgriechischen „schwer“ und „Maß“, bestimmt den statischen Luftdruck und wird in der Meteorologie bei Wettervorhersagen benutzt. Der Begriff Barometer wurde aber auch im übertragenen Sinn auf andere Prognoseinstrumente übertragen. 1925 muss das Konzept eines wirtschaftlichen Konjunkturbarometers noch recht neu gewesen sein, da das Hamburger Echo in der Ausgabe vom 22. Februar diesen Begriff ihrer Leserschaft zu erläutern versucht. Der monatlich aktualisierte Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung basiert auf der Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts. Wie das Hamburger Echo das Konzept vermittelte, vermittelt uns Frank Riede.
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Folge vom 21.02.2025Das Meisterwerk “Der letzte Mann” in HamburgMit „Der letzte Mann“ gelang dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, dem Autor Carl Mayer und dem Kameramann Karl Freund ein besonderer Stummfilm, der bis heute als Meisterwerk gilt. Das Skript und damit der Film kamen gänzlich ohne Zwischentitel aus, so dass sich die gesamte Geschichte rein über das Schauspiel und die Bildebene erzählt. Die „entfesselte Kamera“ des Films war für die damalige Zeit experimentell und muss die Zuschauer*innen schwer beeindruckt haben. Sie fährt nicht nur durch die Lobby eines Hotels, sondern folgt auch einem Trompetenton über einen Innenhof bis zum Ohr einer Hörenden. In den Zwanzigern kämpfte die verhältnismäßig junge Filmkunst noch um Anerkennung und so stürzten sich sie Filmkritiker auf den Film und erhoben ihn zum Beispiel dessen, was der Film als eigenständige Kunstform erreichen kann. Das äußert sich auch in der Filmkritik anlässlich der Premiere in Hamburg, die ca. zwei Monate nach der deutschen Premiere vom 23. Dezember 1924 in Berlin stattfand, aus dem Hamburgischen Correspondenten vom 21. Februar 1925. Lediglich das durch den einzigen Zwischentitel herbeigeführte Happy-Ende des Films erregte Kritik. In der Tat hatten es weder Murnau noch Mayer gewollt, sie wurden aber von der UFA gezwungen es anzufügen, und taten dies, indem sie sich ironisch davon distanzierten. Der Star-Kult der Zeit lässt sich daran ablesen, dass in der ganzen Kritik die Namen des Autors und des Regisseurs nicht vorkommen, lediglich der Hauptdarsteller Emil Jannings wird genannt. Wir nennen Rosa Leu als diejenige, die für uns heute liest.