Ich ging zum Rhein runter, obwohl ich den Rhein nie leiden konnte, nicht den Rhein selbst, sondern dieses Zum-Rhein-Runtergehen. Am Übergang von der Agentur zur Rheinpromenade stand ein Mann, der Teddy ähnlich sah, aber nicht Teddy war, schlimm genug Teddy allerdings, um mich sofort zu verärgern.
Er sagte, er komme aus dem Jahr 2026.
Ich sagte, das sei keine Information, sondern eine hanebüchende Belästigung.
Er zog ein großes, flaches iPhone hervor, glatt und anmaßend, und zeigte mir darauf Fotos, die Sagrada Familia, weitergebaut als erlaubt, und einen Kassenzettel mit einem Datum, das es noch nicht geben durfte. Ich sagte, das sei alles gefälscht. Kalender armselig, Fotos verdächtig, Kassenzettel die verknüllte Inkorporation einer Niederlage.
Dann gab er mir eine Euro-Münze. Prägedatum 2021. Ich hielt sie in der Hand und dachte, dass es doch lächerlich war, dass die Zukunft, wenn sie sich schon beweisen will, ausgerechnet als Kleingeld erscheint.
Er sagte, nun müsse ich ihm glauben.
Ich sagte, ich müsse gar nichts.
Da öffnete der clonkatzige Teddy sein Telefon und spielte mir eine Podcastfolge vor. Die Stimme von Teddy sagte: Herr Müller. Ich sagte: Herr Teddy. Teddy sagte: Es ist Zeit. Und ich antwortete: Hallo, ja.
Es war, so sagte er, unsere aktuelle Folge aus dem Jahr 2026. Eine Folge darüber, wie man im Jahr 2007 beweist, dass man aus dem Jahr 2026 kommt.
Ich gab ihm seine Münze zurück. Solle sich ein Eis dafür kaufen.
Er sagte, hier ginge das vielleicht noch, im Jahr 2026 würde man dafür nicht einmal mehr 5 Minuten in der Bonner Innenstadt parken können.
Er fragte, ob ich überzeugt sei.
Ich sagte, überzeugt nicht. Aber ruiniert, sagte ich, ruiniert sei ich jetzt immerhin.
Folgen von Esel und Teddy
812 Folgen
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Folge vom 21.06.2026Plötzlich im Jahr 2007
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Folge vom 20.06.2026WM-Spezial 2026: Deutschland gegen ElfenbeinküsteWM-Spezial 2026: Deutschland gegen Elfenbeinküste
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Folge vom 14.06.2026Internationaler ErsteindruckSehr geehrte Wikipedia-Redaktionen der Welt, hiermit bewerbe ich mich auf die Position des Erstbildes. Mir ist bewusst, dass diese Position bei Ihnen nicht ausgeschrieben wird, sondern auf einem komplexen, undokumentierten Konsensverfahren basiert, das jede Sprachversion eigenständig pflegt – manchmal über Jahre, manchmal über Nacht. Genau das macht für mich den Reiz aus. Ich bringe alles mit, was Sie suchen. Ich bin assoziationsoffen. Ich behaupte nichts Falsches, aber auch nichts Eindeutiges. Ich biete genug visuelle Information, um die nachfolgenden Bilder nicht überflüssig zu machen, und nicht so viel, dass ein Klick auf den Artikeltext entbehrlich würde. Ich kann Begriff sein, ohne Begriff zu erklären. Ich neige nicht zur Repräsentationspflicht. Ich arbeite gerne in Umfeldern, in denen ich in einer Zehntelsekunde bewertet werde und in denen niemand erklären muss, warum ich oben stehe. Sollte für die Hauptposition kein Bedarf bestehen, biete ich mich auch für die Position als zweites, drittes, viertes oder fünftes Bild einer Seite an. Die hinteren Plätze sind in meinen Augen unterbewertet, und ich schätze die damit verbundenen Aufstiegschancen. Mit freundlichen Grüßen Friedrich Aufmacher
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Folge vom 14.06.2026WM-Spezial 2026: Deutschland gegen CuraçaoAna sagte, beim ersten Tango spüre man die Bühne unter den Füßen wie heißen Sand. José verstand das nicht, bis er an diesem Mittwochabend am Hafen seinen ersten Schritt tat. Er war nervös. Anfängliche Schwierigkeiten, sagte er sich, das ist normal. Seine Schuhe schienen ihm fremd. Der Rhythmus, den er die ganze Woche gehört hatte, war plötzlich weg, als hätte ihn jemand aus dem Raum getragen. Er trat seiner Partnerin auf die Spitze, entschuldigte sich, trat sie noch einmal. Erst nach dem zweiten Lied fand er hinein. Wie wenn man einen Cocktail mixt und plötzlich merkt: jetzt stimmt die Mixtur. Ein bisschen weniger Druck im Fuß, ein bisschen mehr Vertrauen in das Schwingen der Hüfte. Und plötzlich war es leicht. Leichtfüßig. Als sei die Schwerkraft eine Verabredung, die man auch absagen konnte. Draußen, hinter den großen Fenstern, schlugen die Wellen an die Hafenmauer; das Wasser war wärmer als sonst um diese Jahreszeit, und ein paar Jugendliche sprangen lachend hinein. Drinnen kam José zur Ruhe. Eine Frau am Tresen schob ihm wortlos ein Glas zu, in dem etwas Blaues schimmerte. Curaçao, sagte sie. Probier mal. Er trank, schmeckte etwas zwischen Veilchen und Salz, lächelte, dachte: ein unbeschwerter Abend. Genau so. Ana sah ihm vom Türrahmen aus zu und nickte. Beim ersten Tango, dachte sie, finden manche den Rhythmus, manche das Meer. José hatte heute beides gefunden. Auf dem Heimweg, am Kai, blieb er noch einen Moment stehen. Das Wasser war ruhig jetzt, die Wellen rollten nur leise gegen die Steine, und irgendwo weiter draußen sang jemand auf einem Boot. Unser gemeinsames Orakelergebnis: 3:1 für Deutschland