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Leben & Liebe

Kind im Blick

Kinder sind unsere Zukunft, heißt es. Und trotzdem ist Gewalt gegen sie alltäglich, unabhängig von Corona. Inwiefern und wo Gewalt an Kindern bereits anfängt – dort schaut Lisa Hentschel im MDR-SACHSEN-ANHALT-Podcast hin. „Kind im Blick“ versucht herauszufinden, welchen Beitrag jede und jeder leisten kann, um Kinder besser zu schützen.

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Folgen von Kind im Blick

7 Folgen
  • Folge vom 20.04.2021
    Wie es trauert - Kinder ohne Eltern
    Über den Verlust der Mutter - ab 03:15 Minuten Leonies* Mutter ist vor drei Jahren plötzlich verstorben, ohne Vorerkrankung. Sie hat ihre Mutter selbst gefunden und den Notarzt gerufen und war sich zu dem Zeitpunkt sicher, dass ihre Mutter wieder gesund werden wird.  In den Stunden nach dem Tod war das Haus voll mit Sanitätern, Polizisten, Familie und Freunde und Seelsorgern. Rückblickend hat Leonie an diese Situation nur noch sehr verschwommene Erinnerungen.  Über den Alltag nach dem Tod der Mutter - ab 10:55 Minuten Leonie ist am nächsten Tag zur Schule gegangen, weil sie die Situation im Haus mit den noch immer vielen Leuten und der permanenten Erinnerung zu viel war. Sie sehnte sich stattdessen nach Normalität.  Heute sagt Leonie, dass ihre Trauer sie ein Leben lang begleiten wird und das auch gut so sei. Über die Verarbeitung der Trauer - ab 16:16 Minuten Für Leonie war es wichtig mit Menschen zu trauern, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, aber nicht die gleiche Person verloren haben. Daher hat sie sich einer Trauergruppe für Kinder und Jugendliche angeschlossen. Besonders wichtig für sie ist, dass sie dort mit Gleichaltrigen Erfahrungen austauschen kann. Laut Leonies Erfahrungen versuchen Kinder und Jugendliche schneller wieder einen „normalen“ Alltag zu haben und ihre Trauer nicht permanent nach außen zu zeigen, was bei Erwachsenen oftmals zu Unverständnis führt.   Wie das Umfeld im Trauerfall reagieren sollte - ab 24:23 Minuten Leonie findet, dass aus dem Freundes- und Bekanntenkreis Sätze wie „ich verstehe dich“ und „ich weiß, wie du dich fühlst“ völlig unangebracht sind. Stattdessen wünscht sie sich, ernstgenommen zu werden und dass lieber mehr nachgefragt wird, anstatt irgendwelche Floskeln zu hören zu bekommen. Für Kinder oder Jugendliche ist es wichtig, dass von ihrem Umfeld signalisiert bekommen, dass es für die Betroffene oder den Betroffenen da ist.  Darüber, wie sich Trauer zeigt - ab 32:20 Minuten Trauer hat viele verschiedene Facetten und drückt sich nicht nur im Traurigsein aus. Zur Trauer von Leonie zählen viele verschiedene Emotionen, berichtet sie, auch das Lachen und Fröhlichsein.  Hin und wieder hat sie aber Schuldgefühle, nach Momenten, an denen sie glücklich war. Dass sie diese aber überhaupt nicht haben muss, weil auch Lachen zu ihrer Trauer gehört, daran will Leonie in Zukunft arbeiten.  *Der Name wurde von der Redaktion geändert, ist aber der Redaktion bekannt
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  • Folge vom 13.04.2021
    Wie es alleine kämpft - Kontaktabbruch
    Über die Situation der Protagonistin Anne - ab 03:32 Minuten Bei einem Kontaktabbruch ist es oft kein einzelner Schlüsselmoment, der ausschlaggebend dafür ist. Stattdessen kann es ein Prozess sein, an dessen Ende der Abbruch steht, wie es Anne berichtet, die selbst keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter hat.  Sie ist ein Trennungskind und Annes Mutter hat sie im Kleinkindalter aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen und ist mit ihr in eine neue Stadt gezogen - ohne es mit dem Vater zu besprechen. Für Anne war das ein Vertrauensmissbrauch, der sich nie wieder richtig reparieren ließ, wie sie mittlerweile darauf zurückblickt. Über die Rolle der Mutter und Stiefmutter - ab 12:41 Minuten Die Stiefmutter von Anne hat die Mutterrolle sehr schnell und sehr bewusst angenommen, sodass ein großes Vertrauensverhältnis entstanden ist. Das wiederum hat bei Annes leiblicher Mutter zu Eifersucht geführt, was für Anne die Situation erschwert hat. Sie stand somit permanent zwischen den Stühlen. Ein weiteres Schlüsselerlebnis für den Kontaktabbruch war für Anne, als sie von ihrer Mutter angelogen wurde und sie unter einem Vorwand das Weihnachtsfest nicht gemeinsam verbringen konnten. Daraus schlussfolgerte sie, dass sie ihrer eigenen Mutter egal sei.  Über den letzten Kontakt - ab 20:22 Minuten Drei Jahre nach dem Vorfall ist Anne wieder zu ihrer Mutter gefahren, mit dem Ziel das Verhältnis zu ihr zu verbessern. Ihre Mutter hat sich für ihr Verhalten entschuldigt und gelobt, zukünftig ehrlicher zu ihr zu sein. Anschließend haben sie wieder regelmäßig miteinander telefoniert oder geschrieben. Zu ihrem 17. Geburtstag hat Anne keine Nachricht von ihrer Mutter bekommen und auch in den Wochen darauf gab es keinerlei Kontakt zwischen den Beiden. Als die Mutter mit ihrem 18. Lebensjahr auch die Unterhaltszahlung eingestellt hat, wurde Anne klar, dass sich ihre Mutter von ihr abgekapselt hat und es kam zum Kontaktabbruch. Über das Umfeld in der Situation eines Kontaktabbruchs - ab 29:18 Minuten Aus ihrem Freundeskreis hat Anne sehr viel Verständnis für ihre Entscheidung bekommen. Aber sie hat prinzipiell das Gefühl, dass bei einer „Trennung“ von den Eltern die Sensibilität bei den Menschen nicht so weit ausgeprägt ist, im Vergleich zur Trennung von der Partnerin oder vom Partner.   Besonders der Umstand, dass sich Anne auf die letzte Nachricht ihrer Mutter nicht zurückgemeldet hat, führte bei vielen Menschen zu Unverständnis bzw. Vorurteilen, dass es ihre eigene Schuld sei. Über die Sensibilität des Themas Kontaktabbruchs - ab 38:30 Minuten Das Thema Kontaktabbruch zu den Eltern wird in der Gesellschaft oft pauschalisiert. Dabei sind die Gründe dafür und die Geschichten dahinter sehr divers und individuell. So wurde Anne beispielsweise oft erstaunt angeguckt, als sie gesagt hat, dass sie den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen hat und bei ihrem Vater lebt, weil es normalisierter sei, bei der Mutter zu leben und aufzuwachsen.
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  • Folge vom 06.04.2021
    Wie es umkämpft wird - Trennungskinder
    Über den Unterschied zwischen Umgangs- und Sorgerecht - ab 00:04:21 Minuten Sorgerecht und Umgangsrecht sind zwei paar Schuhe. Beim Sorgerecht geht es darum, wer die großen Entscheidungen für das Kind treffen darf. Also wo lebt das Kind? Wie läuft die Gesundheitsvorsorge oder die Vermögensvorsorge? Beim Umgangsrecht geht es um den regelmäßigen Umgang mit dem Kind, dass man es sehen darf und ggf. auch mal mit ihm zusammen in den Urlaub fahren kann. Beides sind völlig verschiedene Verfahren, wie Angelika Hentschel, Anwältin für Familienrecht, berichtet. Über die Veränderung der Gesetzgebung in den letzten Jahren - ab 00:18:35 Minuten Noch vor etwas mehr als 20 Jahren war es selbstverständlich, dass das alleinige Sorgerecht von Kindern auf die Mutter übertragen wird, wenn es zur Scheidung kommt. Dies hat sich mittlerweile geändert. Heutzutage würde es automatisch ein gemeinsames Sorgerecht im Fall einer Trennung geben. Wenn ein Elternteil die alleinige Sorge beantragt, prüft das Gericht, inwiefern es dem Kindeswohl entspricht. Eine Trennung sei für die Kinder nie gut, berichtet Hentschel. Ausnahmen bilden Fälle von Gewalt oder ähnlichem, wo es besser ist, sich von einem Elternteil zu trennen, um solchen Faktoren aus dem Weg zu gehen. Diese Prozesse um Sorge- und Umgangsrecht sind laut Hentschel oft Kämpfe um Kinder, bei denen es häufig viel zu wenig um die Kinder geht, sondern um Machtkämpfe zwischen Mutter und Vater. Aussagen von Kindern vor Gericht - ab 00:30:34 Minuten Kinder ab einem Alter von 14 Jahren müssen vor Gericht angehört werden. Aber auch jüngere Kinder werden oftmals im Prozess geladen, um ihre Sicht der Dinge zu erfahren. Kindesanhörungen finden in einem ganz kleinem Rahmen statt, nur mit der Richterin oder dem Richter, ggf. der Anwältin oder dem Anwalt des Kindes und dem Kind selbst. Über die Rolle vom Jugendamt und Verfahrensbeiständen in den Prozessen - ab 00:41:50 Minuten Wenn es um Sorgerechts-Streitigkeiten geht, wird das Jugendamt immer involviert und gibt eine Einschätzung ab. Verfahrensbeistände sind die Anwältinnen und Anwälte der Kinder oder oder fachlich vorgebildete Sozialpädagoginnen und -pädagogen, die sich einen Überblick über den jeweiligen Fall verschaffen und dazu eine Stellungnahme abgeben. In diesen hochemotionalen Fällen ist es für die beteiligten Personen wichtig, sich nicht von den Emotionen leiten zu lassen, sondern im Sinne des Kindeswohls zu handeln und die Kinder nicht unnötig mehr zu belasten. Über die verschiedenen Interessen der Elternteile - ab 00:51:22 Minuten Wenn es nach dem Gerichtsprozess zu einem Wechselmodell oder ähnlichem kommt, ist die Angelegenheit für viele Eltern weiter sehr emotional und belastend. Aber ihre wichtigste Aufgabe sollte es sein, das Kind so gut wie möglich zu schützen. Daher rät Hentschel oft, sich Hilfe in solchen Situationen zu holen - für das Wohl der Kinder und das eigene Wohl.
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  • Folge vom 30.03.2021
    Wie es seelisch leidet - traumatisierte Kinder
    Über das Ankerland-Therapiezentrum - ab 00:05:11 Minuten Das Ankerland ist ein Therapie-Zentrum für Kinder, die beispielsweise durch Misshandlung der Erziehungsberechtigten oder Schicksalsschläge traumatisiert wurden und unter Trauma-Folge-Störungen leiden. Andreas Krüger ist als ärztlicher Leiter für die verschiedenen Therapieformen im Ankerland verantwortlich. Er ist der Auffassung, dass Worte alleine nicht genügen, um mit den Trauma-Folge-Störungen umzugehen. Daher gibt es im Ankerland auch musikalische und künstlerische Therapieformen.   Ein ganz wichtiger Faktor  bei allen Therapieformen ist Zeit. Vor allem bei Langzeit-Therapien gibt es laut Krüger nicht die strukturellen Voraussetzungen der Finanzierung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Das Ankerland wird durch Drittmittel finanziert und will somit die nötige Zeit für die Therapien ermöglichen.  Über Kennzeichen für traumatisierte Kinder - ab 00:25:00 Minuten Es ist nicht selten, dass Kinder körperliche Beschwerden haben, aber Ärztinnen und Ärzte die Ursache dafür nicht finden können. Andreas Krüger hat die Erfahrungen gemacht, dass diese Beschwerden auch durch Trauma-Folgen ausgelöst werden können. Wird das Trauma, bzw. die Folgen behandelt, können auch die körperlichen Beschwerden wieder verschwinden.  Die meisten Traumata entstehen durch Gewalt und durch Menschen, die den Betroffenen nahe stehen. Damit eine Therapie auch Heilung bringen kann, ist es notwendig, die Kinder aus dem belasteten Umfeld herauszuholen. Was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen - ab 00:38:20 Minuten Traumatisierte Kinder kommen mit einem Ur-Misstrauen und trauen keinem über den Weg. Daher ist es für Krüger wichtig, auf Augenhöhe mit den Kindern zu kommunizieren und ihnen über den gesamten Prozess Teilhabe und Kontrolle zu ermöglichen, um Vertrauen wiederherzustellen. Dieses Prinzip versucht Krüger auch dann anzuwenden, wenn es um wichtige Entscheidungen mit anderen Institutionen (Jugendamt, Pflegefamilie etc.) gemeinsam geht. Dabei spricht er von der partizipativen Allianz. Diese Allianz kann sehr viel zum Wohle des Kindes bewegen, wenn alle gemeinsam und nicht gegeneinander arbeiten.  Wann fängt die Gewalt an Kindern eigentlich an - ab 00:51:47 Minuten Die Gewalt am Kind fängt nach Krüger dann an, wenn ein Erwachsener seine Macht gegenüber einem Kind missbraucht. Was die gesellschaftlich-kulturelle Entwicklung im Bezug auf das Kindeswohl betrifft, ist diese laut Krüger nicht besonders fortgeschritten. Das grundsätzliche Übel für ihn ist die soziale Ungerechtigkeit, woraus Gewalt gegen die Schwächsten folgt, also auch gegenüber Kindern. Wie kann die Gesellschaft traumatisierten Kindern helfen? - ab 01:07:17 Minuten Die Probleme und die Bedürfnisse der Kinder müssen in der breiten Gesellschaft auch als solche anerkannt und ernst genommen werden. Auch das Kinderrecht sollte Krügers Ansicht nach in Familienstreitigkeiten mehr Bedeutung bekommen. Wenn dies gelingt und die verschiedenen beteiligten Institutionen besser ausgestattet werden, wäre ein großer Schritt getan.
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