Die Biophysikerin Nora Eifler bewegt sich zwischen zwei Welten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben: Molekularbiologie und Musik. Tagsüber arbeitet sie in der Medikamentenentwicklung eines internationalen Pharmaunternehmens, abends übersetzt sie Proteinsequenzen in Klänge und komponiert.
Was passiert, wenn Aminosäuren zu Melodien werden? Und warum klingen manche Proteine fast jazzig oder psychedelisch?
In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle erzählt Nora Eifler von einer Kindheit zwischen Heilkräutern, Naturbeobachtung und einer grossen Angst vor Krankheitserregern. Sie spricht über ihre Faszination für das Unsichtbare, über das genaue Zuhören und Nachahmen von Stimmen und Dialekten – und darüber, wie daraus später ein wissenschaftlicher Blick auf Moleküle entstand.
Die Sendung führt von frühen musikalischen Erinnerungen mit Bruce Low über Amy Winehouse bis zu Heinrich Schütz. Dazwischen erzählt Nora Eifler von ihren Studienjahren und davon, weshalb sie nicht an der Universität geblieben ist, sondern – trotz eigener Vorurteile – auf der «dark side» in der Pharmaindustrie gelandet ist. Sie spricht über ihre Suche nach Mustern: in Proteinen ebenso wie in der Musik. In der Sendung demonstriert sie zudem, wie aus biologischen Sequenzen Melodien entstehen – und erklärt, warum sie sich den Satz «Life is uncertain, eat dessert first» zu Herzen nimmt.
Die Musiktitel:
- Bruce Low: Noah Found Grace in the Eyes of the Lord
- Amy Winehouse: Tears Dry on Their Own
- Juicy Lemon Club: 21st Night of May
- Nora Eifler: Aquaporin - Räägedag
- Heinrich Schütz: Fili mi, Absalon
(Matteo Messori, Bass; Cappella Augustana)
Talk
Musik für einen Gast Folgen
«Musik für einen Gast» – die besondere Talkshow auf SRF 2 Kultur: Ein Mensch und seine Musik. Persönlichkeiten – ob aus Kultur, Wissenschaft, Sport, Politik oder Wirtschaft – erzählen über ihr Leben, ihren Beruf, ihre Träume und Visionen und vor allem über die Musik, die sie geprägt hat und ihnen wichtig ist.
Folgen von Musik für einen Gast
50 Folgen
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Folge vom 10.05.2026«Jedes Protein klingt anders» - die Biophysikerin Nora Eifler
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Folge vom 03.05.2026Paloma Selma: «Ich möchte Räume für Begegnungen schaffen»Die ehemalige Tänzerin Paloma Selma musste ihre Karriere wegen eines Bühnenunfalls vorzeitig beenden. Seither setzt sich dafür ein, Kultur und soziale Arbeit zu verbinden: als Gründerin des Surprise-Strassenchors ebenso wie als Leiterin des Basler Tanzfests. Wer aus eigener Erfahrung weiss, wie sich Brüche im Leben anfühlen, hat mehr Verständnis für Menschen in schwierigen Situationen, sagt Paloma Selma. Sie wuchs in der spanischen Hafenstadt Valencia auf und verliess ihre Heimat schon in jungen Jahren, um professionelle Tänzerin zu werden. Nach ersten Engagements in Bonn und Berlin kam sie 2001 nach Basel, um in der Compagnie von Richard Wherlock zu tanzen. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere riss während einer Vorstellung eine Sehne in ihrem Fuss. Danach sei sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch eine Weile verletzt gewesen, sagt Paloma Selma im Rückblick. Es fiel ihr nicht leicht, ihre Identität als Tänzerin aufzugeben, doch dann fand sie einen neuen Weg, indem sie sich für die Verbindung von Kultur und Sozialem einsetzte. In «Musik für einen Gast» erzählt sie von ihrem Engagement für das Basler Tanzfest und für den «Surprise-Strassenchor», den sie vor rund 20 Jahren gegründet hat. Und sie erklärt am Beispiel ihrer Musikwünsche, was auf Spanisch «Duende» bedeutet. Die Musiktitel: - Fréderic Chopin: Nocturne Es-Dur op. 9 Nr. 2 (Lars Vogt, Klavier) - Irene Cara: Fame - Camarón de la Isla, Paco de Lucía & Tomatito: Como el agua - Edvard Grieg: Åses Tod, aus Peer Gynt (Estonian National Symphony Orchestra; Paavo Järvi, Leitung) - Miriam Makeba: Malaika - Celia Cruz: La vida es un carnaval
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Folge vom 26.04.2026Katja Wünsche: «Mir war es wichtig, die Menschen zu berühren»Wenn sie tanzte, kamen dem Publikum die Tränen. 23 Jahre lang war Katja Wünsche professionelle Balletttänzerin, zuletzt Erste Solistin am Ballett Zürich. Ein lang gehegter Traum, der in Erfüllung ging? Nicht unbedingt. Sie habe sich nämlich gar nie bewusst dazu entschieden, Tänzerin zu werden. Als Katja Wünsche acht Jahre alt ist, stossen ihre Eltern in der Zeitung auf ein Inserat für eine Ballettschule. Und denken sich: Ballett, das würde diesem Mädchen mit dem grossen Bewegungsdrang doch guttun. Damit fängt alles an. Acht Jahre später belegt Katja Wünsche am «Prix de Lausanne», dem berühmten Tanzpreis, den dritten Platz, im Jahr darauf den zweiten. Wird nach Abschluss der Ausbildung in Stuttgart in die Kompagnie aufgenommen. Wechselt 2012 nach Zürich – und wird schliesslich Erste Solistin. Ein Publikumsliebling sei sie, schreibt die Kritik, ein «Popstar des Balletts» mit unwahrscheinlichem Talent. «Mir war immer wichtig, dass ich auf der Bühne authentisch rüberkomme, dass ich die Menschen berühre», sagt Katja Wünsche selbst. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sie merkt: Es ist Zeit, aufzuhören. Christian Spuck, ihr langjähriger Weggefährte und Direktor des Balletts Zürich, wechselt nach Abschluss der Saison 2022/23 nach Berlin. Und Katja Wünsche beschliesst, in Zürich zu bleiben und ihre Karriere zu beenden. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt; die Suche nach einem neuen Alltag, einer neuen Struktur. Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Katja Wünsche, wie sie diesen Prozess erlebt und welche Herausforderungen er mit sich bringt. Und auch von wichtigen, prägenden Kapiteln ihres Privatlebens: dem Kennenlernen ihres Mannes, den sie beim dritten Date gleich schon zum Opernball mitnahm. Und der Geburt ihres Sohnes, der zu den jüngsten (und grössten!) Fans von Dirigent Paavo Järvi zählen dürfte. Die Musiktitel: - Sergej Rachmaninov: Prélude cis-Moll (Sergej Rachmaninov, Klavier – Aufnahme 1919) - Les voix bulgares: Dilmano, dilbero. Humoresque - Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 5, 2. Satz Andante cantabile (Tonhalle-Orchester Zürich; Paavo Järvi, Leitung) - Sebastian Mullaert & Joris Voorn: You’re an Orchestra in the Cosmos - Johnny Cash: Hurt
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Folge vom 19.04.2026Benedikt Weibel: «Und plötzlich wurde die Welt farbig»Benedikt Weibel wächst in den 1960er-Jahren auf, einer Zeit des Aufbruchs und der Träume. Als er die Beatles zum ersten Mal hört, verblassen die grauen 1950er-Jahre schlagartig. Ein schillerndes und unbeschwertes Jahrzehnt der Weltgeschichte beginnt. Weibel feiert das Leben, wird früh Vater. Und reibt sich an seinen bürgerlichen Eltern. Doch der Rausch weicht bald der politischen Ernüchterung, Weibel wird Pragmatiker. Er studiert Betriebswirtschaft, promoviert und übernimmt 1993 die Leitung der SBB. In dieser Funktion streicht das SP-Mitglied Weibel rund 12000 Stellen, strafft Strukturen und prägt mit der Bahn 2000 die Schweizer Bahngeschichte. Nach 14 Jahren tritt er Ende 2006 als SBB-Chef zurück. Weibel ist ein begnadeter Kommunikator, ein leidenschaftlicher Leser und ausgebildeter Bergführer. Wie ihn Herkunft und Zeitgeist geprägt haben und welche Erlebnisse ihn bis heute begleiten, erzählt er in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu. Die Musiktitel: - The Beatles: Here Comes the Sun - Hugues Aufret: J'entends siffler le train - The Rolling Stones: Love in Vain - Johann Sebastian Bach: Menuett G-Dur (Daniil Trifonov, Klavier) - Bob Dylan: Not Dark Yet