In vielen Teilen der Welt gewinnen rechtsnationale und autoritäre Kräfte an Einfluss – und immer öfter steht die Frage im Raum: Ist das schon Faschismus? Wo liegen die Ursachen dieses Rechtsrutsches und gibt es faschistische Tendenzen nur auf der rechten, oder auch auf linker Seite?
Die Schweiz ist in einer neuen Realität angekommen: Zum ersten Mal ist sie von Staaten umgeben, in denen Parteien die Umfragen anführen, die die Politikwissenschaft als «radical right» einordnet: Von Italien über Österreich bis nach Frankreich und Deutschland verschiebt sich das politische Koordinatensystem nach rechts.
Treibende Kraft der neuen Rechten sind nicht zuletzt rechtsextreme Jugendgruppen: Sie organisieren sich über Plattformen wie Instagram, Tiktok oder Telegram und verknüpfen ihre rechtsextreme Ideologie mit Themen wie Ernährung, Sport und Natur. Haben wir es heute mit einer Art «Lifestyle-Faschismus» zu tun? Auch auf der linken Seite nehmen gewalttätige Ausschreitungen von Jugendgruppen zu. Woher kommen diese Entwicklungen? Und wie sinnvoll ist es, die Frage zu stellen: «Ist das schon Faschismus?» Hängt von ihrer Beantwortung überhaupt etwas ab?
Barbara Bleisch spricht mit der Philosophin und Bestsellerautorin Eva von Redecker und dem Historiker und Rechtsextremismusforscher Damir Skenderovic.
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Vertiefende Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Die Sternstunde Philosophie vermittelt lebensnahe Denkanstösse zu zentralen Fragen unserer Zeit.
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Folge vom 30.05.2026Extremismus auf dem Vormarsch – Droht ein neuer Faschismus?
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Folge vom 23.05.2026Geburtenrückgang – Gibt es bald zu wenige Menschen?Paul Morland ist einer der einflussreichsten Demografen weltweit. Und er hat eine alarmierende Nachricht: Nicht mehr die Bevölkerungsexplosion ist die grosse Gefahr für die Welt, sondern das Gegenteil: Wir könnten bald zu wenige sein. Wie kam es dazu und was lässt sich dagegen tun? Bereits leben über 8 Milliarden Menschen auf der Welt. Auch wenn diese Zahl derzeit weiter wächst – die Überbevölkerung ist langfristig nicht das Problem. Denn ab dem Jahr 2080 soll die Menschheit laut Berechnungen der Uno wieder schrumpfen. Mit verheerenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft, warnen führende Demografen, darunter Paul Morland. Der Brite ist ein Experte auf diesem Gebiet und warnt vor einem «demografischen Armageddon», das auch Länder wie die Schweiz langfristig nicht mit Zuwanderung werden lösen können. Ist das reine Panikmache oder eine grössere Gefahr als die Klimakrise, wie Paul Morland sagt? Barbara Bleisch ist zu Gast am St. Gallen Symposium und fragt bei ihm nach.
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Folge vom 16.05.2026Jetzt! – Die Zeit als Schlüssel zum guten LebenBeschleunigung, Zeitdruck, Stress. Der moderne Mensch rennt gegen die Zeit und verpasst dabei allzu oft den Moment, das Jetzt. Doch was ist dieses Jetzt? Wem gehört meine Zeit? Und wie wollen wir am Ende des Lebens gelebt haben? Darüber spricht Yves Bossart mit dem Philosophen Udo Marquardt. Teilzeitarbeit liegt im Trend. Fast 40 Prozent aller Erwerbstätigen in der Schweiz arbeiten Teilzeit. Mehr Zeit für die wichtigen und schönen Dinge im Leben. Das wäre das Ziel, findet auch der Philosoph Udo Marquardt. Doch der moderne Mensch sei gefangen im Strudel der Beschleunigung. Wie also kommen wir da wieder raus? Und wie hat das Ganze angefangen? Udo Marquardt erzählt in seinem Buch «Zeit und Mensch. Facetten einer Kulturgeschichte» die Geschichte des Zeitverlusts und meint: Die Moderne hat die Zeit zum Fetisch gemacht, zu einem Götzen, der unser Leben diktiert. Höchste Zeit, das zu ändern. Zeit sei nicht abstrakt, sondern immer «meine eigene Zeit», Lebenszeit, meint Marquardt. Zusammen mit Yves Bossart spricht Udo Marquardt über das Rätsel der Zeit, über die Anfänge der Beschleunigung und über das gute Leben angesichts der Endlichkeit.
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Folge vom 13.05.2026Ivan Krastev: Wie zukunftsfähig ist Europa?Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, die Abwahl von Viktor Orbán in Ungarn, Donald Trumps mangelndes Geschichtsverständnis und die Angst vor der Zukunft. Der bulgarische Politologe Ivan Krastev zeigt auf, wie Europa den Disruptionen die Stirn bieten und sich neu erfinden kann. Unsere Träume sind europäisch, aber unsere Albträume sind national, sagt der in Wien lehrende bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev. Einst als Friedensprojekt gestartet, ist die EU mittlerweile vor allem ein Bündnis alter Ängste und neuer Traumata. Europas liberale Demokratien stehen auf der Kippe, seine wirtschaftliche Kraft scheint zu schwinden, seine Verteidigungsfähigkeit wirkt mehr als fraglich. Wie lässt sich ein europäischer Neustart denken? Könnte es sein, dass dieser Impuls aus dem Osten kommt? Bedeutet die Abwahl Viktor Orbáns gar den entscheidenden Wendepunkt? Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger analysiert Krastev die Zukunftsaussichten eines Kontinents, der im Angesicht von Krieg und Krise neu um seine Freiheit zu kämpfen hat.