Zwischen Body Positivity und Ozempic-Boom: Philosophin Kate Manne zeigt, warum Fettfeindlichkeit mehr ist als eine Gesundheitsdebatte und stellt verbreitete Vorurteile über Körper infrage.
Mehrgewichtige Personen gelten vielen als unbeherrscht, faul oder sogar dumm. Dabei ist das Körpergewicht weniger einfacher zu beeinflussen als viele denken und das moralische Urteil deshalb fehl am Platz. Mit dem Aufkommen von Medikamenten wie Ozempic und Wegovy könnte das Körpergewicht aber mehr und mehr zu einer Entscheidung werden, selbst für Diätresistente.
Kate Manne, Philosophieprofessorin an der Cornell University in den USA, sieht diese Entwicklung kritisch: Zu gross sei die Gefahr, dass ein sozialer Druck entstehe, von den Medikamenten Gebrauch zu machen. Starkes Übergewicht könne zwar gesundheitliche Folgen haben, doch die Abwertung dicker Körper weist die Philosophin als eigenständiges Unrecht aus, das nicht mit einer Spritze oder Pille, sondern mit dem Kampf gegen die Unterdrückung dicker Menschen angegangen werden müsse. Ausgehend von eigener Erfahrung analysiert sie in ihrem Buch «Grösse zeigen» die strukturelle Diskriminierung in Schule, Job und Medizin – und plädiert für «Body Reflexivity»: den eigenen Körper nicht als Objekt fremder Moralstandards zu begreifen.
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Folge vom 22.08.2026Dicke Körper, dünne Moral: Kate Manne über Fettfeindlichkeit
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Folge vom 15.08.2026Was ist psychisch krank? Über Normalität und WahnsinnJede zweite Person erfährt in ihrem Leben eine psychische Erkrankung. Doch was heisst überhaupt krank? Und warum verstehen wir noch heute nicht richtig, woher psychische Leiden kommen? Ein Gespräch über Diagnosen, Vererbung und soziale Umstände – und über die heilende Kraft von Geschichten. Angststörungen, Depressionen, Sucht: Jede zweite Person erkrankt in ihrem Leben psychisch. Eine erschreckend hohe Zahl, welche die Frage aufwirft, ob wir als Gesellschaft immer kränker werden. Oder wird eher das Raster, was als normal gilt, immer enger? Welche Ursachen liegen den Krankheiten zugrunde, sind es die Gene oder macht doch das gesellschaftliche Umfeld krank? Und welche Rolle spielt die Psychiatrie, um seelischen Leiden zu begegnen oder sie sogar zu heilen? Darüber spricht Olivia Röllin mit Leon Engler, Autor des Buchs «Botanik des Wahnsinns» und angehender Psychotherapeut, sowie dem Mediziner und Wissenschaftshistoriker Michael Hagner. Wiederholung vom 22. Februar 2026
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Folge vom 08.08.2026Geburtenrückgang – Gibt es bald zu wenige Menschen?Paul Morland ist einer der einflussreichsten Demografen weltweit. Und er hat eine alarmierende Nachricht: Nicht mehr die Bevölkerungsexplosion ist die grosse Gefahr für die Welt, sondern das Gegenteil: Wir könnten bald zu wenige sein. Wie kam es dazu und was lässt sich dagegen tun? Bereits leben über acht Milliarden Menschen auf der Welt. Auch wenn diese Zahl derzeit weiter wächst, die Überbevölkerung ist langfristig nicht das Problem. Denn ab dem Jahr 2080 soll die Menschheit laut Berechnungen der UNO wieder schrumpfen. Mit verheerenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft, warnen führende Demografen, darunter Paul Morland. Der Brite ist ein Experte auf diesem Gebiet und warnt vor einem «demografischen Armageddon», das auch Länder wie die Schweiz langfristig nicht mit Zuwanderung werden lösen können. Ist das reine Panikmache oder eine grössere Gefahr als die Klimakrise, wie Paul Morland sagt? Barbara Bleisch ist zu Gast am St. Gallen Symposium und fragt bei ihm nach. Wiederholung vom 24. Mai 2026
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Folge vom 01.08.2026Annette Kehnel – Mit dem Mittelalter in die ZukunftDüster, rückständig, frauenfeindlich – das Mittelalter hat einen schlechten Ruf. Völlig zu Unrecht. Vielmehr würden seine Wirtschafts- und Lebensformen den Weg in eine bessere, nachhaltigere, emanzipiertere Zukunft weisen, argumentiert Historikerin Annette Kehnel. Mittelaltermärkte boomen, Fantasy-Sagas werden zu Bestsellern und Streaming-Hits. Abgesehen davon wird jedoch mit Abscheu und Angst auf das sogenannte Mittelalter geblickt. Die Zeit zwischen 500 und 1500 n. Chr. gilt als verlorene Epoche der Stagnation, des Aberglaubens und der Unterdrückung. Schuld daran sei eine Mischung aus Unwissen und Überheblichkeit, argumentiert Historikerin und Sachbuchautorin Annette Kehnel. Tatsächlich offenbart ein Blick auf die vormoderne Geschichte wertvolle Anregungen für unsere Zukunft – jenseits von Gewinnstreben und Eigennutz. Baustoffrecycling, Crowdfunding, nachhaltige Fischerei, Secondhand-Märkte – das alles gab es schon einmal. Wie konnte dieses Wissen verloren gehen? Und wie wäre es neu fruchtbar zu machen? Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger entwirft Annette Kehnel Wege in ein anderes Wirtschaften. Wiederholung vom 22. März 2026