Nach den US-amerikanisch-israelischen Luftangriffen gegen den Iran steht fest, dass dessen geistlicher Führer, Ali Chamenei, getötet wurde. Auch Irans Verteidigungsminister, der Generalstabschef und der Anführer der mächtigen Revolutionsgarden sind tot. Letztere haben blutige Rache geschworen. Viele Fragen sind offen. Für Dr. Bente Scheller, Nahost-Expertin bei der Heinrich-Böll-Stiftung, steht fest: Bis zu einem Zerfall des iranischen Regimes ist es ein weiter Weg. Für einen Umsturz ist viel Energie nötig – und ein langfristiges Engagement. Inwiefern US-Präsident Donald Trump dazu überhaupt bereit ist, darüber sprechen Anna Engelke und Stefan Niemann in dieser Sonderausgabe von "Streitkräfte und Strategien" mit der Politikwissenschaftlerin und ehemaligen Referentin der Deutschen Botschaft Damaskus: "Die Aufmerksamkeitsspanne von Trump hat gezeigt: Heute ist er hier, morgen macht er etwas ganz anderes", so Scheller. So könnte ein Moment für den Regimewechsel verpasst werden – wie im vergangenen Jahr im Libanon nach der Tötung des Hisbollah-Anführers Nasrallah: Dies in politisches Kapital umzumünzen, sei dort damals nicht gelungen, so die Expertin. Weiterhin zieht sie Parallelen zwischen der aktuellen Situation im Iran und dem US-Angriff gegen den Irak Anfang der 2000er Jahre und betont: Militärschläge könnten nur begrenzt etwas erreichen, etwa ein Machtvakuum – Verhandlungen seien aber wichtig, um dieses dann mit einer Sicherheitsarchitektur zu füllen, meint Scheller: "Wie wird umgebaut, wie wird aufgebaut? Das sind Fragen, die überhaupt nicht auf dem Tisch liegen".Diese Podcast-Ausgabe beleuchtet auch Trumps Kriegsziele – ausgegeben hatte er die Zerstörung des iranischen Raketen- und Atomprogramms sowie einen Regimewechsel. Bente Scheller beobachtet eine "Abwesenheit von Meilensteinen", woran das Erreichen dieser Ziele gemessen werden könnte, etwa: wann ein relevanter Teil der Waffen, die Israel gefährlich werden könnten, zerstört sei. Der Krieg könnte sich auf diese Weise, mit einer "Unklarheit der Kriegsziele", noch lange ziehen, sagt die Expertin. Fest steht, solange die Kampfhandlungen andauern, werde es Folgen für die Weltwirtschaft haben, wie aktuell bereits die iranische Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zeigt. Anna Engelke und Stefan besprechen außerdem mögliche Szenarien für die iranischen (unbewaffneten) Oppositionellen und inwiefern ihnen Trumps "Hilfe zur Selbsthilfe" eine Chance bieten kann. Und sie schauen auf die Reaktionen innerhalb der USA und der sogenannten E3-Staaten auf den wohl völkerrechtswidrigen Angriff. Lob und Kritik, alles bitte per Mail an streitkraefte@ndr.de Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien”:https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html Podcast-Tipp: “ARD Klima Update”: https://1.ard.de/ARD_Klima_Update?cp=sus
Politik
Streitkräfte und Strategien Folgen
Euer Podcast zum Krieg in der Ukraine – auch mit dem Blick auf andere Krisen und Kriege in der Welt. Jeden Dienstag und Freitag ab 16.30 Uhr. Die langjährigen ARD-Korrespondent:innen Anna Engelke, Stefan Niemann, Kai Küstner und Astrid Corall sprechen mit sicherheitspolitischen Expert:innen über die neue Weltordnung und Europas Antwort auf die Machtinteressen der USA, Russlands und Chinas. Fragen und Anregungen zum sicherheitspolitischen Podcast: streitkraefte[at]ndr.de Weitere Interviews und Hintergründe: https://www.ndr.de/nachrichten/info/sendungen/streitkraefte_und_strategien/index.html
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Folge vom 01.03.2026Krieg im Nahen Osten (mit Bente Scheller)
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Folge vom 27.02.2026Autoritär und ambitioniert - Weltmacht China (mit May-Britt Stumbaum)Bundeskanzler Merz ist zurück von seiner China-Reise. Das Land spielt bei der Unterstützung des russischen Kriegs gegen die Ukraine eine wichtige Rolle. In Peking wollte der Bundeskanzler u.a. seine Gastgeber dazu bringen, sich stärker für eine Beendigung des Ukraine-Krieges einzusetzen. In einem gemeinsamen deutsch-chinesischen Statement wird immerhin die "Ukraine-Frage" erwähnt. Und: Die früher regelmäßigen Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und China sollen wieder aufgenommen werden, nachdem sie in den letzten Jahren ins Stocken geraten waren - ein Erfolg. "Kanäle wieder aufzumachen" - das sei das Ziel des Bundeskanzlers, sagt Prof. Dr. May-Britt Stumbaum, die Direktorin des Spear-Instituts, einer sicherheitspolitischen Denkfabrik, und assoziierte Professorin an der Bundeswehr-Universität München. Allerdings: Auf Augenhöhe sehe sich China nur mit den USA, Russland sei für Peking "nützlich". Wichtig für Deutschland sei, "zu Hause" stark zu werden und den eigenen Mittelstand zu schützen - insbesondere vor chinesischer Technologie- und Wirtschaftsspionage, so Stumbaum, die auch Reserve-Offizierin der Luftwaffe ist. Sie berichtet im Gespräch mit Anna Engelke von Chinas kognitiver Kriegsführung. Dabei geht es darum, die Wahrnehmung des Gegners zu verändern. Dafür nutze China auch TikTok: Durch kurze Videos solle die Konzentrationsfähigkeit der User:innen untergraben werden: "Innerhalb Chinas sind diese Reels wesentlich länger. Außerhalb Chinas sind diese Reels wesentlich kürzer und das hat die Auswirkung, dass sie die Konzentrationsfähigkeit systematisch untergraben. Und natürlich ist das Zentrum einer Demokratie, dass ich mich konzentrieren kann, um mich mit den Informationen auseinanderzusetzen", so die Sicherheits-Expertin. China habe sehr viel in KI und Big Data investiert: "Dass man damit eben Inhalte für soziale Medien kreieren kann und die stimulieren eben diese Polarisierung in der Gesellschaft", sagt Stumbaum.Außerdem berichten Stefan Niemann und Kai Küstner von der aktuellen Lage in der Ukraine: Diese konnte den dritten erfolgreichen Treffer ihres Marschflugkörpers "Flamingo" gegen russische Ziele verzeichnen. Nach Erkenntnissen des US-Thinktanks Institute for the Study of War hat Russland nach zweijähriger Invasion die ostukrainische Stadt Pokrowsk eingenommen. Unterdessen hat der Haushaltausschuss des Bundestages grünes Licht für Kamikazedrohnen gegeben.Lob und Kritik, alles bitte per Mail an streitkraefte@ndr.de Aktueller Lagebericht des Institute for the Study of War (ISW), u.a. zur russischen Eroberung Pokrowks: https://understandingwar.org/research/russia-ukraine/russian-offensive-campaign-assessment-february-26-2026/ Interview mit Prof. Dr. May-Britt Stumbaum: https://www.ndr.de/nachrichten/info/audio-429720.html Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien”: https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html Podcast-Tipp: “Ready for Liftoff! Der Raumfahrtpodcast”: https://1.ard.de/ready-for-liftoff
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Folge vom 24.02.2026Krieg ohne Ende? Vier Jahre nach der VollinvasionVier Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion senden wir eine besondere Folge von Streitkräfte und Strategien - produziert in Kiew. Stefan Niemann und Kai Küstner besuchen eine ukrainische Familie, die seit Wochen ohne Strom und Heizung lebt. Der fünfjährige Lew sagt, er warte darauf, dass der Krieg endlich vorbei sei. Seine Eltern harren aus - trotz Kälte, Dunkelheit und nächtlicher Angriffe. "Wir werden kämpfen. Wenn es schwierig wird, unterstützen wir uns gegenseitig und bleiben eine Einheit", sagt sein Vater Wsewolod.Die Hosts erleben an einem Tag junge Menschen bei einer Techno-Nacht in Kiew, die sich zwischen Luftalarm und Lebenswillen ein paar Stunden Normalität gönnen. An einem anderen Tag besuchen sie eine geheime Drohnenfabrik. Unter größten Sicherheitsvorkehrungen wurden sie an den Ort gebracht - Handys eingeschlossen im Faradayschen Käfig, Kameras tabu. Das deutsche Start-up Quantum Systems entwickelt dort gemeinsam mit einem ukrainischen Partner moderne Aufklärungsdrohnen. Ein seltener Einblick in eine Hightech-Produktion - an einem Ort, der selbst zum Angriffsziel werden könnte. Im Gespräch mit dem Leiter des ARD-Studios Kiews, Vassili Golod, geht es um sein Exklusiv-Interview mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und um die Perspektiven im beginnenden fünften Kriegsjahr. Golod beschreibt auch das Dilemma bei der Mobilisierung: "Alle Ukrainer wollen siegen, aber nicht alle wollen kämpfen". Zudem besuchen die beiden Hosts die ARD-Korrespondentin Rebecca Barth in ihrer Wohnung. Sie berichtet über das Leben in den von Russland besetzten Gebieten, die sie als eine Art "Freiluftgefängnis" beschreibt. Es geht um systematische Russifizierung, Repression - und darum, was das für Kinder und ihre Familien bedeutet. Diese besondere Ausgabe über Widerstandswillen und Erschöpfung geht der Frage nach, woher die Menschen in der Ukraine nach vier Jahren Krieg die Kraft nehmen, weiterzumachen. Lob und Kritik, alles bitte per Mail an streitkraefte@ndr.de Vier Jahre im Verteidigungskampf:https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-russland-vier-jahre-krieg-100.html Wie der Krieg Deutschland verändert hat:https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ukraine-krieg-deutschland-102.htmlGespräch mit Rebecca Barth:https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9e2dbaea8c947e04/ Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien” https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html Tipp: ARD Story - “Putin und Trump · Ziemlich beste Feinde?” https://1.ard.de/Ziemlich_beste_Feinde
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Folge vom 20.02.2026Kriegsalltag in der Ukraine (mit Susanne Petersohn)Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine geht am 24. Februar in sein fünftes Jahr. Anlässlich des Jahrestages sind die Hosts von Streitkräfte und Strategien, Stefan Niemann und Kai Küstner, in die Ukraine gereist. In dieser Ausgabe melden sie sich aus Lwiw in der Westukraine. Im Podcast fassen sie ihre Eindrücke aus einer Stadt zusammen, in der der Krieg auf den ersten Blick weit weg zu sein scheint. Beim genauen Hinsehen und in Gesprächen aber ist er allgegenwärtig. Kai und Stefan berichten über den bewegenden und ergreifenden Austausch mit Menschen, die im Krieg schwer verletzt worden sind und sich zurück ins Leben kämpfen. Patienten haben den Hosts in einer Klinik ihr Schicksal geschildert, ein Soldat aus der Ostukraine hat über seinen Einsatz für gefallene Kameraden erzählt, die er aus den Frontgebieten birgt, damit deren Familien sie beerdigen können. Außerdem berichten Kai und Stefan über den Besuch einer Firma, die neue Boden-Drohnen produziert. Einen Blick auf die Front werfen die beiden Hosts mit der ARD-Korrespondentin Susanne Petersohn. Sie hat in der Ostukraine in Frontnähe ukrainische Soldaten begleitet und mit ihnen über Fortschritte und Frustrationen gesprochen. Man merke schon, dass die Stimmung sehr gedrückt sei, die Soldaten seien sehr, sehr müde. Sie haben der Korrespondentin erklärt, was sie im Abwehrkampf gegen Russland brauchen und ob aus ihrer Sicht Gebietsabtretungen eine Option sind. Nach dem Besuch von Lwiw fahren Kai und Stefan weiter nach Kiew, wo sie weitere Eindrücke sammeln, Gespräche führen und am Dienstag die kommende Ausgabe von Streitkräfte und Strategien produzieren. Schickt uns gerne Fragen, die wir in der Ukraine stellen sollen: streitkraefte@ndr.de Video von ARD Korrespondentin Susanne Petersohn von der ukrainischen Front https://www.tagesschau.de/tagesschau_20_uhr/video-1557008.html Kommentar zu Ukraine Gesprächen in Genf https://www.tagesschau.de/kommentar/ukraine-gespraeche-genf-104.html Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien” https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html TV Doku: Selenskyj – das entscheidende Jahr https://1.ard.de/Selenskyj-Das-entscheidende-Jahr