NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 23.11.2025Der Sturz der französischen RegierungZur Kabinettskrise Frankreichs des Jahres 1925 führte nicht unbedingt eine Kontroverse rund um die Unterzeichnung des Vertrags von Locarno. Grund war vielmehr das endgültige Zerbrechen des „Cartel des gauches“, des Links-Bündnisses, welches nach den Wahlen 1924 an die Macht gekommen war. Premierminister Paul Painlevé versuchte, der hohen Staatsverschuldung mit einer Austeritätspolitik zu begegnen, und wurde darob (aber auch als Reaktion auf andere Kompromisse mit dem bürgerlichen Lager) vom linken Flügel am 22. November gestürzt. Painlevé war ein renommierter Mathematiker, mit dem Spezialgebiet der nicht-linearen Differentialgleichungen zweiter Ordnung, deren eine Eigenschaft heute als Painlevé-Eigenschaft bezeichnet wird. Im Zuge der Dreyfus-Affäre trat er, bereits Mitglied der Liga für Menschenrechte, in die Politik ein. Er pflegte gute Beziehungen nach Deutschland, sprach wohl fließend Deutsch und war ein glühender Anhänger der Mahlerschen Musik. Zudem begeisterte er sich fürs Fliegen, war 1908 der erste französische Passagier beim Flug Wilbur Whrigts und begründete die Lehre der Aeronautik an den französischen Universitäten… Aber: In der heutigen Folge liest Rosa Leu für uns aus der Bergedorfer Zeitung vom 23. November die damals aktuellsten Nachrichten und Agenturmeldungen über den Sturz Painlevés.
-
Folge vom 22.11.2025Stimmungen im Schützengraben: Militärische PostüberwachungDass die Kommunikation zwischen den Soldaten an der Front und ihren Familien daheim eine wertvolle Informationsquelle zur Stimmungslage der Soldaten ist, war der militärischen Führung im 1. Weltkriegs sehr bewusst, weshalb sog. Militärische Überwachungsstellen geschaffen wurden, die die Feldpost mitlasen, zensierten und Berichte, man könnte sagen, zur Lage in den Köpfen der Soldaten verfassten. Ob der Geheimrat L. Gülle ein Historiker, ein Militär war, oder ein Pseudonym ist, konnten wir nicht feststellen. Jedenfalls berichtet er sehr freimütig und konkret im Hamburgischen Correspondenten vom 22. November 1925 über diese Zensur-Stellen und über die Aufgaben der dort tätigen Offiziere, dass man vermuten müsste, der Autor selbst wäre einer dieser Offiziere gewesen. In seiner „Skizze“ erfahren wir recht detailliert, wie sich im Kriegsverlauf die Stimmung, die aus der Feldpost sprach, wandelte. Frank Riede gibt uns Einblick in die Stimmungen im Schützengraben.
-
Folge vom 21.11.2025Historische und aktuelle TotenbräucheDen Totensonntag des Jahres 1925, der auf den 22. November fiel, nahm in der Schiffbeker Zeitung ein gewisser Gustav Lindt zum Anlass, über unterschiedliche aktuelle und historische Totenbräuche zu berichten. Sein Artikel stellt diese Praktiken recht unsystematisch zusammen, enthüllt dabei aber vielleicht noch unbekannte und überraschende Fakten, was ihn sicherlich zu einem Artikel macht, den man leicht überarbeitet alle paar Jahre publizieren konnte. Rosa Leu führt uns also von China bis in die „Toten-Tram“ Göteborgs.
-
Folge vom 20.11.2025Zustimmung zu LocarnoDie Vertragsverhandlungen von Locarno waren – wir berichteten im Podcast ausführlich – zwar zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Deutschland stürzten sie jedoch abermals in eine schwere Regierungskrise, da die Deutschnationale Volkspartei die Beschlüsse nicht mittragen wollte und ihren Auszug aus dem Kabinett Luther beschloss. Weniger Widerstand, erfahren wir aus dem Hamburgischen Correspondenten vom 20. November 1925, wurde dem Vertragswerk aus den deutschen Ländern entgegengebracht, die dessen Konsequenzen mitzutragen hatten und deren Zustimmung deshalb, neben der des Reichstags, für die Annahme der Vereinbarungen unabdingbar war. Außerdem informiert der Correspondent sein Publikum noch über Reaktionen auf Locarno aus England bzw. über die Reaktionen deutscher Tageszeitungen wiederum darauf. Paula Leu lichtet den Nebel.