NachrichtenKultur & Gesellschaft
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Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 26.08.2024Rheingold - Neueinstudierung an der DammtorstraßeVolle zehn Jahre hatten die Bayreuther Festspiele seit dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 pausiert, um bei der Wiederaufnahme des Festspielbetriebs im Sommer 1924 sogleich einen mittleren Eklat zu provozieren: In Anwesenheit zahlreicher prominenter Figuren der rechts-völkischen Szene wie etwa Erich Ludendorff geriet die Premiere der Meistersinger am 22. Juli zu einem Manifest nationalistischer Gesinnung, als das versammelte Publikum die berühmt-berüchtigte Schlussansprache des Hans Sachs wider den ‘welschen Tand‘ mit dem stehend gesungenen Deutschlandlied beantwortete. Ähnliche Reaktionen waren in Hamburg natürlich nicht zu verzeichnen, als wenige Wochen später im dortigen Stadt-Theater an der Dammtorstraße, dem Vor-Vorgängerbau der heutigen Hamburgischen Staatsoper, eine ähnlich lang ersehnte Neueinstudierung des Ring des Nibelungen über die Bühne ging. Berührungspunkte mit Bayreuth gab es indes hinsichtlich der Besetzung. Walter Soomer aus Leipzig, der in Bayreuth 1924 mehrere große Basspartien gesungen hatte, etwa war in Hamburg als Wotan engagiert. Und in durchaus etwas kurios anmutender Weise widmete der Kritiker des Hamburger Fremdenblattes, bei dem es sich vermutlich um Heinrich Chevalley handelt, am 26. August 1924 fast seine gesamte Rezension des Rheingold dieser Personalie. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 25.08.202425 Jahre ZeppelinSo wie der Markenname Tempo zum Synonym für Taschentücher, oder Tesa zur Bezeichnung von allen Klebestreifen wurde, so setzte sich in der Luftschifffahrt der Zeppelin durch. Im August 1924 gab es gleich zwei Anlässe dafür, dass wir in nahezu allen Zeitungen Artikel zur Geschichte der Zeppeline finden. Zum einen Stand ein Testflug für eine feste Verkehrslinie über den Atlantik unmittelbar bevor, zum anderen jährte sich das erste Patent des Grafen Zeppelin zum 25. Mal. Wir haben uns für den Text aus dem Wandsbeker Boten vom 25. August entschieden, der uns unter anderem schildert, wie das erste Patent eines „Luftzuges“ aussah, aber auch die militärische Nutzung aufzeigt. Für uns liest Rosa Leu.
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Folge vom 24.08.2024Krähwinkeleien zwischen Hamburg, Altona und PinnebergDeutsche Bürokratie erfreut sich zweifelhafter Berühmtheit in aller Welt, und zu besonderer Absurdität vermag sie sich traditionell dort aufzuschwingen, wo sie sich mit deutscher Kleinstaaterei paart. Landesgrenzen verliefen vor einhundert Jahren bekanntlich noch quer durch heute Hamburger Stadtgebiet. Während die eine Straßenseite des Schulterblattes zur Freien und Hansestadt gehörte, lag die andere in Altona und damit auf preußischem Terrain, wo zum Teil völlig andere Gesetze galten. Das Bestattungsrecht gilt in Deutschland bis heute als sehr rigide, und das, erfahren wie aus dem Hamburger Echo vom 24. August 1924, war auch damals schon der Fall – mit feinen regionalen Abschattierungen. Frank Riede begibt sich mit uns auf eine Ämter-Odyssee zwischen Hamburg, Blankenese und Pinneberg.
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Folge vom 23.08.2024Von Wilhelmsburg zum Mount EverestDer Mount Everest gilt bekanntlich als höchster Berg der Welt. 8848 Meter erhebt er sich über den Meeresspiegel – und damit 8852 Meter über den tiefsten Punkt von Hamburg-Wilhelmsburg. Da Gegensätze sich aber nun einmal anziehen, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die Wilhelmsburger Zeitung am 23. August 1924 mit einem Artikel in den Wettlauf um die Bezwingung dieses höchsten aller Gipfel auf dem Planeten einschaltete. „Wie der Everest sich wehrt“ – das klingt fast wie einer der vielen Berichte aus unseren Tagen über den Overtourism im Himalaya. Faktisch geht es aber um die alten Themen der Sauerstoffknappheit in großer Höhe und ihre Konsequenzen für den menschlichen Körper, die, wie wir heute wissen, die erfolgreiche Erstbesteigung des Everest damals noch um weitere 29 Jahre aufschoben. Unsere Frau am Berg ist Rosa Leu.