NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 22.10.2023Babylon HamburgGlaubt man einer populären zeitgenössischen TV-Serie, so lag Babylon in den 1920er Jahren an der Spree. Das an der Spree erscheinende 12-Uhr-Blatt meint es hingegen an der Elbe gefunden zu haben. In Hamburg, genauer gesagt: im damals noch zwischen der Freien und Hansestadt und dem preußischen Altona geteilten St. Pauli stürzt sich die Ausgabe vom 22. Oktober 1923 – Kostenpunkt: 200 Millionen Mark – ins pralle Nachtleben und wirbelt dort jede Menge Kolorit auf. Aufgrund der schlechten Valuta sind es, mehr noch als sonst in der Hafenmetropole, internationale Gäste, die sich hier vergnügen, verführen und zum Teil auch ausrauben lassen – da hilft es auch nichts, dass Autor Fritz Löwe von einem waschechten Kriminalkommissar durch sein Großstadtrevier begleitet wird. Trotz einiger heute nicht mehr üblicher, da als diskriminierend empfundener Begriffe hat sich für uns Paula Rosa Leu den beiden angeschlossen.
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Folge vom 21.10.2023Erdwärme - Energiequelle der Zukunft?Um unseren CO2-Ausstoß beim Beheizen von Wohnraum zu reduzieren, dürfte die Nutzung von Wärmepumpen und, noch besser, Geothermie eine gute Idee zu sein, die freilich nicht besonders neu ist. Während heute die Gefahren des Klimawandels unsere Aufmerksamkeit auf die Erdwärme lenken, so war es im Deutschland des Jahre 1923 vielmehr die Kohlenknappheit. Das Reich hatte die schlesischen Kohlereviere nach dem Ersten Weltkrieg verloren und die Vorkommen im Ruhrgebiet waren durch die Besetzung durch Belgien und Frankreich nicht verfügbar. Und so erkundete die 300 Millionen Mark teure Deutsche Allgemeine Zeitung vom 21. Oktober 1923 die Möglichkeiten der Erdwärme. Frank Riede war bei den Probebohrungen für uns dabei.
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Folge vom 20.10.2023Die RentenmarkDer Preis für die Vossische vom 20. Oktober 1923, inklusive der darin enthaltenen Auslandsbeilage Voss, hatte den dreistelligen Millionenbetrag erreicht. Genau 100 Millionen Mark kostete sie. Zum Glück für die Leser:innen, oder noch mehr für diejenigen, die sich die Zeitung nicht mehr leisten konnten, war Hoffnung am Horizont. In der Voss wird halbwegs laienkompatibel die geplante Einführung der Rentenmark beschrieben. Bis zur tatsächlichen Ausgabe dieses Heilmittels gegen die Hyperinflation sollte es noch Wochen dauern, Paula Rosa Leu beschreibt für uns schon mal an dieser Stelle den finanzpolitischen Plan.
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Folge vom 19.10.2023Die Sache MakropulosWer die BZ am Mittag vom 19. Oktober 1923 für mittlerweile schon 80 Millionen Mark erwarb, konnte darin von der Wiener Premiere des Theaterstückes „Die Sache Makropulos“ des großen tschechischen Schriftstellers Karel Čapek lesen, das dieser 1922 verfasst hatte. Der Autor zahlreicher Romane, Kinderbücher und Dramen, der als einer der größten Stilisten der Tschechischen Literatur gilt, ist heute im deutschsprachigen Raum, wenn überhaupt, dafür bekannt, dass auf ihn das weltweit benutzte Wort „Roboter“ zurückgeht. Er hatte es für sein Theaterstück „R.U.R“, Rossums Universal Robots, kreiert, das in der deutschen Übersetzung „W.U.R.“ heißt. „Die Sache Makropulos“, in der es um die Unsterblichkeit der gleichnamigen Protagonistin Elina Makropulos geht, hat hierzulande hingegen nur in der grandiosen Opernvertonung von Leoš Janáček überlebt. Mit dem Vortrag der Theaterkritik von der deutschsprachigen Erstaufführung des Schauspiels wiederum macht sich, glaubt man der Langzeitarchivierung unseres Podcasts durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Frank Riede ein kleines Bisschen unsterblich.