NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 18.10.2023Franz Blei geht nicht gerne ins CaféFolgt man einer der vielen Legenden der Zwanziger Jahre, dann ist schwer davon auszugehen, dass etliche der hier bei Auf den Tag genau zu Gehör gebrachten Texte in Caféhäusern entstanden sind. Diese Affinität würde auch erklären, warum sich die gelegentlichen Texte über Caféhäuser dann meist zu kleinen Liebeserklärungen auswachsen. Die nachfolgende Glosse von Franz Blei aus dem Berliner Tageblatt vom 18. Oktober 1923 bildet da eine signifikante Ausnahme. Obwohl der Autor aus Wien stammt, bekennt er freimütig seine Aversion gegen diese Art Etablissements und das dort gemeinhin verkehrende Personal. Wer sich an seinen paar Zeilen Grant delektieren wollte, musste dafür am Kiosk schlappe 50 Millionen Mark berappen. Oder in ein Caféhaus seines Vertrauens gehen, wo man das Berliner Tageblatt kostenlos lesen konnte. Frank Riede, sagt man, träfe man bisweilen im Galao am Weinbergsweg. Die Zeitung liest er für uns aber bei sich zu Hause ein.
-
Folge vom 17.10.2023Die Neuen NormaluhrenKulturgeschichten der Uhr erzählen wie die Kirchturm-Uhr das urbane Leben strukturierte, wie die Taschenuhren zu Werkzeugen und Statussymbolen der Kaufleute wurden. Dem heutigen Artikel aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 17. Oktober 1923, die mittlerweile 40 Millionen Mark kostete, entnehmen wir wie wichtig die Uhren, die über den städtischen Raum verteilt waren, für das Alltagsleben waren. Architekten wurden beauftragt, sie so zu gestalten, dass sie sich angenehm in das Stadtbild einfügten. Der Artikel erzählt also von einer Zeit, in der noch nicht jedes zweite Kind eine Telefonuhr mit Peilsender am Handgelenk hatte. Für uns hat sich Paula Rosa Leu auf einen Streifzug durch Berlin begeben - auf der Suche nach Normaluhren.
-
Folge vom 16.10.2023Flug-Taxis 1923: Luft-DroschkenWer am 16. Oktober 1923 ein 8-Uhr-Abendblatt erwarb, musste mittlerweile sage und schreibe 50 Millionen Mark dafür hinblättern – und damit mehr als das Dreifache als noch ein paar Tage zuvor. Dafür erwarteten ihn oder sie im Inneren zumindest partiell aber endlich auch einmal wieder gute Nachrichten: „Deutschland auf dem richtigen Weg!“ war ein Artikel überschrieben, der im Rückblick aus gleich zweierlei Gründen bemerkenswert erscheint. Zum einen haben wir es hier mit der vor einhundert Jahren in Berliner Tageszeitungen noch sehr seltenen Form eines Interviews zu tun, das eben als solches abgedruckt ist. Zum anderen erfahren wir aus den Aussagen des hier befragten Flugzeugentwicklers von Lößl, dass das Thema Flug-Taxis die deutsche Industrie bereits auch schon damals beschäftigte – nur dass man damals noch von „Flug-Droschken“ sprach und die technischen Grundlagen doch noch ein wenig andere waren. Frank Riede hat für uns schon einmal Probe gesessen.
-
Folge vom 15.10.2023Absegeln mit Monty JacobsDer deutsche Oktober des Jahres 1923 war eine Zeit multipler Krisen – aber er war meteorologisch, zumindest partiell, auch ein goldener Herbst. Dass überall im Reich Aufstände aufbrachen und Putschgerüchte die Runde machten, dass die Inflation in schwindelerregende Höhen schoss, Grundnahrungsmittel kaum noch erschwinglich waren und eine Vossische Zeitung am Montag, dem 15. Oktober, schlappe 30 Millionen Mark kostete – all das konnte man für einen Moment verdrängen, wenn man sich eben dort auf Seite 4 mit Feuilletonchef Monty Jacobs zum Wannsee begab und mit einer Prozession von Segelschiffen symbolisch-melancholisch den Sommer zu Grabe trug. Schöner kann man die Segel kaum reffen, für uns tut dies Paula Rosa Leu.