NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
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Folge vom 20.09.2023Der schnellste Schwimmer der WeltWer sich am 20. September 1923 trotz der Inflation finanziell noch über Wasser halten konnte, hatte die Gelegenheit, für 600.000 Mark die Berliner Volks-Zeitung zu erwerben und dort Interessantes über die Pioniere des Wassersports zu erfahren. Sowohl Duke Kahanamoku aus Honolulu auf Hawaii, der die kürzeren Distanzen der Schwimmwettbewerbe mehrerer Olympischer Spiele dominierte und als einer der zentralen Propagatoren des modernen Surfens betrachtet wird, als auch der erste Mensch, der die 100 Meter unter einer Minute schwamm, werden erwähnt. Bei Letzterem handelt es sich um Johnny Weissmüller, der zehn Jahre später weltweit Ruhm erlangen sollte in seiner Rolle als Tonfilm-Tarzan - mit seinem halbgejodelten Tarzan-Schrei. Den gibt Paula Rosa Leu nicht zum besten, liest für uns aber über die schnellsten Schwimmer 1923.
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Folge vom 19.09.2023Arnold Höllriegel über eine dramatische Sitzung des Völkerbundes in GenfOb mit seinen ortskundigen Reiseberichten aus Palästina, launigen Feuilletons aus dem Wiener Zoo oder bissigen Satiren über das faschistische Italien – Arnold Höllriegel ist ein so regelmäßiger wie gern gesehener Gast in unserem kleinen Podcast. Am 19. September 1923 hatte es ihn für das Berliner Tageblatt nach Genf verschlagen, wo er von einer durchaus dramatischen Sitzung des Völkerbundes wegen der italienischen Aggression gegen das griechische Korfu berichtet. „Dramatisch“ meint dabei zum einen den Ernst der politischen Lage. Zum anderen wird das Zusammentreffen der hohen Diplomaten dank Höllriegels feinsinniger Beobachtungsgabe aber auch zu einem spannungsvollen Bühnenspiel. An zwei Stellen enthält der Text zeittypische, heute aber als anstößig empfundene ethnophaulistische Formulierungen. Wir entnehmen ihn der allmittwöchlich erscheinenden Auslandsausgabe des Berliner Tageblatts, deren Preis von der galoppierenden Inflation in Deutschland mithin entkoppelt war. Er belief sich in der Tschechoslowakei beispielsweise auf 80 Kronen, in der Türkei auf 4 Pfund und in Uruguay auf 6 Peso oro. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 18.09.2023Wie es um Fiume alias Rijeka stehtAuf den Tag genau ist erkennbar ein Berliner Podcast, aber im ersten Jahr unseres Bestehens, 2020, haben wir gleichsam fast eine Außenstelle in Fiume alias Rijeka an der Kvarner Bucht unterhalten, wo Gabriele d’Annunzio 1920 sein präfaschistisches Unwesen trieb und es mit seinen Eskapaden entsprechend häufig auch in die Berliner Tageszeitungen schaffte. Drei Jahre später steht vor dem Faschismus in Italien kein ‘Prae-‘ mehr, d’Annunzio hat sich wegen politischer Missachtung schmollend in seine Villa am Gardasee zurückgezogen, aber der Status von Rijeka alias Fiume ist zwischen Italien und Jugoslawien noch immer umstritten. Die Vossische Zeitung – deren Preis soeben die Millionengrenze erreicht hatte – berichtet am 18. September 1923 vom aktuellen Stand der Spannungen um die Stadt, und auch wir haben unseren Korrespondenten Frank Riede deshalb wieder einmal an die obere Adria entsandt.
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Folge vom 17.09.2023Der leere LindentunnelNahverkehr und leere Tunnel? Da fällt uns der leere S-Bahn-Tunnel ein, in dem, während des sich hinziehenden Berliner Flughafenbaus, sogenannte Belüftungsfahrten mit leeren S-Bahnen stattfinden mussten. 1923 verursachte die schlechte Wirtschaftslage die Straßenbahnbetreiber dazu, einzelne Strecken aufzugeben. Dazu gehörte auch der Lindentunnel unter „Unter den Linden“, der 1916 fertiggestellt worden war, und nun schon wieder stillgelegt werden sollte. Heute ist der Tunnel zumindest teilweise zugeschüttet und untertunnelt von der U-Bahn-Linie 5, der Kanzlerlinie. Der Vorwärts vom 17. September, für 300.000 Mark zu erwerben, berichtet über den leeren Tunnel, Paula Rosa Leu liest.