NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 31.08.2023Lisbeth Dill: Sonderbare FamilienverhältnisseDie überaus produktive Schriftstellerin Lisbeth Dill, die 1877 im saarländischen Dudweiler geboren wurde, ist heute weitestgehend vergessen. Ihr Werk, das – berechtigt oder nicht – eher der Unterhaltungsliteratur zugerechnet wird, verhandelt wesentlich die Rolle der Frau im wilhelminischen Deutschland und in der Weimarer Republik und die Rolle des Saarlandes und Lothringens. In 12-Uhr-Abendblatt vom 31. August 1923 beweist sie Humor, indem sie literarisch die schwierige Situation ihrer Generation, von Weltkrieg über Revolutionen, Besetzung und schwieriger Wirtschaftslage, in sonderbare Familienverhältnisse ummünzte. Paula Rosa Leu liest für uns den Text und war tatsächlich bei der Aufnahme anwesend.
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Folge vom 30.08.2023Alfred Polgars kleine Phänomenologie des EssensDem Berliner mag so allerlei nachgesagt werden; dass er – oder auch sie – etwas von gutem Essen und Trinken verstehe, gehört zumindest traditionell eher nicht dazu. Das wusste wohl auch das Berliner Tageblatt, dessen Abendausgabe am 30. August 1923 bereits 80.000 Mark kostete, und ließ über „Das gute Essen“ einen waschechten Wiener, nämlich Alfred Polgar, sich auslassen, wobei man durchaus streiten kann, ob dieser Titel tatsächlich den Gegenstand des nachfolgenden Textes präzise, nun ja, aufspießt. Noch mehr als um das Schnitzel auf dem Teller, das auch vorkommt, geht es Polgar um den physiologischen Vorgang des Speisen Inkorporierens und seine unmittelbaren Folgen für Seele und Zunge sowie um verschiedene Typen des Essers. Frank Riede hat sich Polgars delikate kleine Studie für uns schmecken lassen.
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Folge vom 29.08.2023Jerusalem in der Zeppelin-Halle von StaakenHatten Studiohallen für Filmproduktionen anfangs noch Glasdächer gehabt, um das für den Dreh notwendige Tageslicht nutzen zu können, was die Ausdehnung der Hallen einschränkte, so waren den Ateliers beim Einsatz künstlicher Beleuchtung keine Grenzen mehr gesetzt. Und so wurde 1923 die ehemalige Zeppelin-Halle beim Flughafen Staaken zu einem der größten Studios, mindestens Europas, ausgebaut. Der Aufnahmeraum war achtmal so groß wie der sämtlicher Berliner Ateliers zusammengerechnet. Bauten konnten bis zu 28 Meter in die Höhe schießen. Der erste Film, der in diesem Riesenstudio mit einem 60 Meter breiten Rundhorizont gedreht wurde, war die Bibelverfilmung „INRI“. Als der Einzug Jesu nach Jerusalem “geschossen” wurde, war Egon Jacobsohn für die BZ am Mittag zu Besuch und berichtete in der Ausgabe vom 29. August. Paula Rosa Leu/Frank Riede begibt sich für uns ans Tor von Jerusalem in Staaken bei Berlin.
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Folge vom 28.08.2023Eine Warnung vor falschen ProphetenProphezeiungen seien ein schwieriges Geschäft, heißt es in einem landläufigen Bonmot, vor allem wenn sie die Zukunft beträfen. Dass sie freilich nicht immer darauf zielen, tatsächlich treffende Prognosen zu machen, sondern oft genug ganz gezielt veröffentlicht werden, um Stimmungen anzuheizen und dabei sehr nüchternen Kalkulationen und Kochrezepten folgen, also zu sehr strategischen politischen Zwecken eingesetzt werden, ist eine ähnlich triviale Einsicht, die als Wort der Warnung dennoch nicht oft genug ausgesprochen werden kann. Am 28. August 1923 tat dies mit einigen durchaus humoristischen Beispielen die Berliner Volks-Zeitung, für deren Abendausgabe man an diesem Tag inflationsbedingt bereits 40.000 Mark hinblättern musste. Finanziell völlig barrierefrei eingelesen hat sie für Euch Frank Riede.