NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 27.08.2023Schulaufsätze von 15jährigenIn unserer heutigen Folge kommt eine Textsorte zu Gehör, die wir bislang noch nicht im Programm hatten. Schulaufsätze von Gymnasiasten des Jahres 1923. Ein Redakteur des 8-Uhr-Abendblattes hatte von einem befreundeten Oberstudienrat Texte von etwa 15jährigen Schülern bekommen, die die Aufgabe hatten, von ihrem „großen Erlebnis“ zu berichten. So bekommen wir mit der Ausgabe vom 27. August einen Einblick in die Lebenswelten von Jugendlichen vor 100 Jahren und erkennen deutlich den Unterschied zu behüteten heutigen Generationen. Den 15jährigen verleiht Paula Rosa Leu ihre Stimme.
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Folge vom 26.08.2023Die große Bauhausausstellung in WeimarAn dem 1919 in Weimar gegründeten Bauhaus schieden sich von Anfang an die Geister. Von nationalistischen Kreisen aufs Ärgste bekämpft, erhöhte die von der USPD tolerierte thüringische Landesregierung aus SPD und DDP 1922 die Zuwendungen für seine längst international beachtete Staatliche Kunstschule, verband dies allerdings mit der Auflage, dass das Bauhaus seine Ergebnisse in einer großen Leistungsschau einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren habe. Die Bauhausaustellung, die daraufhin im Sommer 1923 veranstaltet wurde, bedeutete für die Arbeit von Walter Gropius und seiner Mitstreiter*innen tatsächlich einen enormen Popularisierungsschub – obwohl der wirtschaftliche Erfolg der Schau wegen der galoppierenden Inflation bescheiden ausfiel. Neben der Präsentationen der verschiedenen Werkstätten des Bauhauses und zahlreichen Vorträgen sowie künstlerischen Darbietungen auch im Bereich der darstellenden Künste war es vor allem das in nur vier Monaten realisierte Musterhaus Am Horn, was die Feuilletonisten der Republik nach Weimar lockte. Das Fazit von Grete Fischer im Berliner Börsen-Courier vom 26. August 1923 fiel indes, wie auch das vieler Kolleg*innen, durchwachsen aus. Frank Riede verrät, wieso.
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Folge vom 25.08.2023Stresemanns neuer Ton in der Frankreich-PolitikAls erster Deutscher überhaupt wurde Gustav Stresemann 1926 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem französischen Außenminister Aristide Briand wurde er vom Osloer Komitee für die Aussöhnungspolitik zwischen den alten ‘Erbfeinden‘ geehrt, deren Vollendung Stresemanns tragischer früher Tod im Oktober 1929 freilich folgenschwer verhindern sollte. Dass der Ausgleich mit dem westlichen Nachbarn langfristig ein Hauptanliegen Stresemanns war, verrät der nachfolgende Artikel aus dem Berliner Börsen-Courier vom 25. August 1923. Noch keine zwei Wochen als Reichskanzler amtierend, wandte sich Stresemann bereits mit einer diplomatischen Offensive gen Paris, die einen neuen Ton in der deutschen Frankreich-Politik setzte und die im Zuge der Besetzung an Rhein und Ruhr hochgeschlagenen Konflikt tatsächlich perspektivisch erheblich entspannen sollte. Es liest Frank Riede.
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Folge vom 24.08.2023Legale und illegale PapiergeldproduktionWer will noch den Durchblick behalten, wenn ständig eilig gedruckte neue Geldscheine auf den Markt kommen, wenn Fabriken und Geschäfte ihr eigenes Notgeld produzieren? Die Lage in Deutschland war im August 1923 unübersichtlich – immer Neues Geld verlor blitzschnell seine Funktion. Natürlich blieben dabei auch die Sicherheitsstandards, die das Geld fälschungssicher machen, auf der Strecke. Und so titelte das 8-Uhr-Abendblatt am 24. August 1923 „Jedermann sein eigener Papiergeld-Fabrikant“. Paula Rosa Leu führt uns durch den Wirrwarr der verschiedenen Notgeldscheine zu der illegalen Falschgeldproduktion.