NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
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Folge vom 11.08.2023TeuerungskrawalleGestern berichteten wir noch über die Konsequenzen, die das Zeitungsgewerbe aufgrund der Inflation ziehen musste. Heute blicken wir mit der Ausgabe des Berliner Tageblatts vom 11. August 1923, die 15 Tausend Mark kostete, auf gewaltsame Proteste gegen die Teuerung der Lebensmittel, die sich offensichtlich zeitgleich über das ganze Reichsgebiet verteilt ereigneten. Im oberschlesischen Ratibor, im niederrheinischen Krefeld und in Hamburg war es zu Plünderungen und Zusammenstößen gekommen, bei denen es mindestens acht Todesopfer und unzählige Verletzte zu beklagen gab. Von diesen Teuerungskrawallen berichtet für uns Frank Riede.
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Folge vom 10.08.2023Die Hyperinflation erreicht die ZeitungspreiseTageszeitungen gelten oder galten jedenfalls in vor-digitalen Zeiten ihren Leser*innen klassisch als Fenster zur Welt – aber trivialerweise gehören sie natürlich zugleich immer auch zu der Welt, auf die sie berichtend, analysierend, kommentierend und glossierend verweisen. Entsprechend beherrschte die Hyperinflation im Sommer 1923 die Berliner Blätter längst nicht mehr nur thematisch, sondern schlug sich auch in ihren ständig rasant steigenden Verkaufspreisen nieder. Zumindest die Berliner Börsen-Zeitung berechnete ihren Kund*innen das Abonnement offenbar monatlich und kam dabei im Laufe des August ob galoppierender Papier- und gewiss auch Personalkosten in so große Kalamitäten, dass sie sich bereits am 10. August gezwungen sah, sich auf der Titelseite direkt an ihr Publikum zu wenden und aus aktuellem Anlass eine außerplanmäßige satte Preiserhöhung zur Monatsmitte anzukündigen. Wieviel der Blick durchs Fenster fortan kosten sollte, weiß Paula Rosa Leu.
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Folge vom 09.08.2023Nur drei ZeilenIm Zeitalter von SMS und Twitter sind in Serie produzierte Kürzestnachrichten ein längst akzeptiertes Mittel unserer Alltagskommunikation. Die schnelle Information scheint dem Tempo unserer Zeit mehr zu entsprechen als langatmig-mäanderndes Berichten und Erzählen. Dass das vor hundert Jahren schon ganz ähnlich gesehen werden konnte, machte einer unserer Lieblingsautoren in diesem Podcast, Alfred Polgar, in einem wunderbaren Essay über die ‚kleine Form‘ bereits Mitte der 1920er deutlich. Er hatte vor allem seine eigenen literarischen Texte im Kopf, die eigentlichen Vorläufer der heutigen kleinen Formen aber scheinen sich nicht zuletzt auch in Zeitungsspalten wie derjenigen der DAZ unter dem Titel „Nur drei Zeilen“ zu finden. Frank Riede liest diese Kurznachrichten vom 9. August 1923.
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Folge vom 08.08.2023Sullivan durchschwimmt den ÄrmelkanalWährend man heute vom Festland kommend auf dem Weg nach Großbritannien, so man es sich leisten will, durch den Tunnel saust, galt es Jahrtausende lang, den Ärmelkanal mit einem Boot zu überqueren - es sei denn, man schwamm einfach. Als erster inoffizieller Durchschwimmer gilt der Soldat Saletti, der 1815 von den Engländern bei Waterloo gefangen genommen in Dover vom Boot sprang, um kurzerhand zurück nach Frankreich zu schwimmen. Offiziell gilt Matthew Webb als der erste Bezwinger, der 1875 den Kanal in etwa 21 Stunden durchschwamm, dadurch eine gewisse Berühmtheit erlangte, und 1883 bei dem Versuch starb, die Stromschnellen oberhalb der Niagara-Fälle zu durchqueren. Der zweite erfolgreiche Versuch ohne Hilfsmittel fand 1911 durch Thomas Burgess, der 22 ½ Stunden benötigte, statt. 1923 gelang dann die Überquerung zum dritten Mal. In beinahe 27 Stunden schwamm am 5. August Henry Sullivan von England nach Frankreich. Noch im selben Jahr gelang es allerdings zwei weiteren Schwimmern, bevor es 1926 Gertrude Ederle als erster Frau in weniger als 15 Stunden gelang. Die Berliner Morgenpost berichtete am 7. August 1923 von Sullivans Erfolg. Paula Rosa Leu war im Begleitboot für uns dabei.