NachrichtenKultur & Gesellschaft
Auf den Tag genau Folgen
Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell. Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke.
Folgen von Auf den Tag genau
-
Folge vom 01.09.2022Das GroßstadtgespenstEs geht ein Gespenst um beim Vorwärts, aber da wir hier bei einer sozialdemokratischen Zeitung sind, ist es ausnahmsweise nicht das Gespenst des Kommunismus. Das Großstadtgespenst, das Autor Otto Keller in seinem Nachtstück vom 1. September 1922 gesichtet hat, ist deutlich expressionistisch inspiriert, handelt aber, da wir hier bei einer sozialdemokratischen Zeitung sind, doch sehr viel eineindeutiger als in der expressionistischen Lyrik oder Malerei vom sozialen Elend der Welt. Paula Leu hat sich nicht einschüchtern lassen.
-
Folge vom 31.08.2022Inflation und HungerkrawalleWenn in Deutschland von ‘der großen Inflation‘ die Rede ist, denken wir immer an das Jahr 1923. Dabei begann die Entwicklung der Geldentwertung weit früher. Bereits im Sommer 1922 kostete ein US-Dollar über 3000 Mark, und immer mehr Menschen rutschten wegen dieser fortschreitenden Schwäche der Währung in entsetzliche Armut. Die Unerschwinglichkeit von immer mehr Grundnahrungsmitteln führte schon seinerzeit zu regelrechten Hungerkrawallen, wie sie die Berliner Volks-Zeitung in einem Bericht vom 31. August nannte. Selbst innerhalb eines Tages schossen die Preise offenbar mitunter so durch die Decke, dass es auf einigen Wochenmärkten, u.a. auf dem noch heute beliebten am Maybachufer, zu mittelschweren Ausschreitungen kam. Über die Umstände unterrichtet uns Frank Riede.
-
Folge vom 30.08.2022Die Gartenbau-Ausstellung in BellevueSeit dem Jahre 1951 findet mehr oder weniger durchgängig alle zwei Jahre eine Bundesgartenschau an wechselnden Orten statt. Zuletzt 2021 in Erfurt. Diese Leistungsschauen des Gartenbaus kamen natürlich nicht aus dem Nichts, sondern haben eine jahrhundertelange Vorgeschichte. 1856 etwa fand, auch in Erfurt, die „Internationale Land- und Gartenbauausstellung“ statt. Zahlreiche Gartenbauausstellungen folgten, ab 1933 unter dem Namen Reichsgartenschau. Eine Nummer kleiner, aber durchaus in diese Liste aufzunehmen, ist die Blumenschau, die 1922 im Schloßpark Bellevue in Berlin stattfand. Die Vossische Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 30. August, für uns schlendert Paula Leu durch das Blumenmeer.
-
Folge vom 29.08.2022Einstein und Science-FictionHerbert G. Wells veröffentlichte 1895 seinen wegweisenden Science-Fiction Roman „Die Zeitmaschine“, in dem ein Erfinder aus dem viktorianischen England in die ferne Zukunft reist, um eine Gesellschaft vorzufinden, in der die Klassenunterschiede des Fin-de-Siècle extrem übersteigert wiederzuentdecken sind - so, zumindest laut einer gängigen Interpretation. Seine Maschine reist dabei durch die Dimension der Zeit, bewegt sich auf der Erde aber nicht vom Fleck. Der Autor Hans Christoph schrieb 1922 den ersten „Relativtätsroman“, wie ihn der Berliner Börsen-Courier vom 29. August des Jahres bezeichnet. Auch in diesem Science-Fiction Roman mit dem Titel „Fahrt in die Zukunft“ reist ein Erfinder in die Zukunft, dieser aber explizit unter Nutzung der Einsteinschen Relativitätstheorie. Seine Gefährt, eine Art Rakete, fliegt so schnell und weit von der Erde weg, dass die Zeit auf der Erde schneller vergeht, als für die Reisenden. Was für eine Gesellschaft diese in der Zukunft dann vorfinden, weiß Frank Riede.